Autorinformation


Moritz, Karl Philipp: Anton Reiser

Moritz, Karl Philipp: Anton Reiser

Ein psychologischer Roman. Hrsg., Textvarianten, Nachw. u. Erl.: Martens, Wolfgang. 568 S.

ISBN: 978-3-15-004813-9
EUR (D): 9,40 *
EUR (A) 9,70 / CHF 14,50

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Karl Philipp Moritz' "psychologischer Roman" Anton Reiser, 1785-90 in vier Teilen erschienen, ist eines der interessantesten menschlichen Dokumente aus dem 18. Jahrhundert - Autobiographie und Roman, kulturgeschichtliches Zeugnis und psychologische Studie, persönlichstes Bekenntnis und lehrhafter Traktat zugleich, in seiner geistes- und sozialgeschichtlichen Bedeutung vergleichbar nur den Rousseauschen Confessions.

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Karl Philipp Moritz, 15. 9. 1756 Hameln – 26. 6. 1793 Berlin.
Armut und ein zu quietistischen bzw. pietistischen Zirkeln neigendes, religiös zerstrittenes Elternhaus prägten M.’ Kindheit. 1763 zog die Familie nach Hannover. Der Vater, Militärmusiker, übernahm zunächst M.’ Erziehung; dann gab er ihn zu einem quietistischen Hutmacher in Braunschweig in die Lehre. Nach einem Selbstmordversuch als Folge fortdauernder qualvoller Unterdrückung kehrte M. nach Hannover zurück und konnte, unterstützt durch Stipendien und Freitische, 1771–76 das Gymnasium besuchen. Nach vergeblichen Versuchen, Schauspieler zu werden, einem abgebrochenen Theologiestudium und kurzer Lehrtätigkeit in Potsdam erhielt er 1778 eine Stelle am angesehenen Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin (1784 Gymnasialprofessor). 1779 wurde er Freimaurer; es entwickelten sich Beziehungen zu Berliner Aufklärern (u. a. Moses Mendelssohn). 1782 unternahm er eine Englandreise, 1786 gab er den Schuldienst auf und reiste nach Italien (1786–88). Hier kam es zur engen Freundschaft mit Goethe. Nach einem Aufenthalt in Weimar im Winter 1788–89 begleitete er Herzog Karl August nach Berlin. Durch dessen Vermittlung wurde er 1789 zum Professor der Theorie der schönen Künste an der Akademie der Künste ernannt. Es folgten 1791 die Aufnahme in die Preußische Akademie der Wissenschaften und die Ernennung zum Hofrat, 1792–93 Heirat, Scheidung und Wiederverheiratung innerhalb von neun Monaten. Wenig später starb M. an einem chronischen Lungenleiden. Seinen ersten literarischen Erfolg hatte er mit einem Bericht in Briefform über seine Englandreise. Zugleich machte seine Zeitschrift für »Erfahrungsseelenkunde« sein Interesse an psychologischen Fragen deutlich. Literarisches Zeugnis dieser Interessen und v. a. der analytischen Fähigkeiten M.’ ist der »psychologische Roman« Anton Reiser , schonungslose Autobiographie und eine angesichts der negativen Voraussetzungen zwangsläufig unglückliche Bildungsgeschichte sowie sozialgeschichtliches Dokument von hohem Rang. Zwei Romane um den fiktiven Prediger Andreas Hartknopf verbinden die z. T. satirisch verfremdete Märtyrerbiographie und Diskussionen anthropologischer, pädagogischer und ästhetischer Themen. M.’ Gedanken zur Ästhetik formten sich in Italien; sie gehen von Vorstellungen der Eigengesetzlichkeit und Autonomie der Kunst aus und führen auch zu einem auf den klassischen Goethe vorausweisenden Symbolbegriff.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

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