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Walter, François: Katastrophen. Eine Kulturgeschichte vom 16. bis ins 21. Jahrhundert
2010Übers.: Lejoly, Trésy; Butz-Striebel, Doris
Geb. mit Schutzumschlag. Format 12,2 x 19,5 cm. 385 S.
ISBN: 978-3-15-010699-0
EUR (D): 29,95 *
EUR (A) 30,80 / CHF 40,90
Sachbuchbestenliste der Süddeutschen Zeitung Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
VorwortEine kulturgeschichtliche Perspektive
Die Lust an Katastrophen
I Die alten Gesellschaften sind keine Katastrophengesellschaften (16.–18. Jahrhundert)
1 Eine Theologie der Geschichte
1.1 Das Deutungsmuster der Vorsehung
1.2 Katholiken und Protestanten
1.3 Strafen oder mahnen?
2 Mehrschichtiges Wissen
2.1 Von der Vorsehung zu den Wahrscheinlichkeiten
2.2 Das physikotheologische Deutungsmuster und seine Weiterungen
3 Die bildliche Umsetzung
3.1 Das Ende der Zeiten
3.2 Die Katastrophe als Schauspiel und als Metapher für die Gesellschaft
II Wechselfälle der Natur und soziale Bedrohungen (von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg)
4 Lissabon und der Blitzableiter
4.1 Die Erfindung des Blitzableiters
4.2 Das Erdbeben, ein literarisches Motiv?
4.3 Von der Plage zur Katastrophe
5 Geißel Gottes oder Plage der Natur?
5.1 Was ist nur aus der Vernunft geworden?
5.2 Der Schock der Cholera
5.3 Die gesellschaftliche Funktion der Medien
Von der Predigt zur Zeitschrift
Eine naturalistische Ideologie
Die Immoralität der Natur
6 Die prometheische Kultur
6.1 Die wissenschaftliche Einbildungskraft
6.2 Die Ästhetik der Katastrophe
6.3 Die neuen Risiken und ihre Vorwegnahme
7 Die Apokalypse des Ersten Weltkriegs
7.1 Die Zukunftserwartung um 1900
7.2 Der Krieg in der Kunst
7.3 Welches Volk hat Gott erwählt?
III Die Gesellschaft des Risikos und des Ungewissen (von 1918 bis heute)
8 Das Jahrhundert der Weltendämmerung
8.1 Vom Alibi der Natur zu einer neuen Schuldzuweisung
8.2 Das Jahrhundert der Kriege und der Atomkraft
Der Zweite Weltkrieg und das absolute Böse
Das Ende der Geschichte
9 Die neuen Risikokulturen
9.1 Vom Risiko des Einzelnen zur Risikogesellschaft
9.2 Tabu, Sünde und Risiko
Religiosität und Heiligkeit
Eine hartnäckige Tendenz: die Wiederkehr der Deutungsmuster
9.3 Schutz, Prävention und Vorsorge
10 Die Pathologien der Hyperorganisation
10.1 Ein erneuter Wandel in der Wahrnehmung?
10.2 Die Ungewissheit bewältigen
11 Die Streuung der Ängste
11.1 Die Kunst der Katharsis
11.2 Neue globale Bedrohungen
11.3 Kritische Ökologie als Philosophie
12 Der Alarmismus hat Hochkonjunktur
12.1 Die neuen Propheten
12.2 Eine neue Schimäre
12.3 Aufgeklärter Katastrophismus
12.4 Die Spirale der Desaster
Schluss
Anhang
Anmerkungen
Im Text erwähnte Ereignisse
Literaturhinweise
Register
Zum Autor
Autorinformation
François Walter ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Genf.Pressestimmen
Walter hat eine auf hohem Niveau argumentierende, facettenreiche Analyse der Deutung und Wahrnehmung von Katastrophen der vergangenen 500 Jahre vorgelegt.Zeitschrift für Geschichtswissenschaft
Das Buch ist spannend geschrieben mit einer Fülle von zum Teil überraschenden Detailinformationen und lässt sich nur schwer aus der Hand nehmen, wenn man es einmal begonnen hat.
Evangelische Aspekte
François Walter hat mit seiner Kulturgeschichte von Katastrophen (…) eine Herkulesaufgabe bewältigt. Im Abendland wurden über die Jahrhunderte eine gewaltige Menge von Kanzelreden, wissenschaftlichen Traktaten, literarischen Texten und Kunstwerken von Katastrophen hervorgebracht. Aus diesem riesigen Materialkonvolut hat der Autor Hunderte von Beispielen (…) zusammengestellt.
sehepunkte
[Walter] hat nicht nur ein brillantes Buch geschrieben; auch handwerklich bietet er Maßarbeit im exakten Zuschnitt von Quellenbasis, Theorieteil und Bezügen. Zuletzt aber hat er dem 21. Jahrhundert etwas zu sagen. (…) zum schulischen Einsatz des Buchs: Der Band ermöglicht fächerübergreifende Reflektion und Planung von Projekten, denkbar mit Ethik, Philosophie und Religion; mit den Sprachen als Literaturträgern; mit der Sozial- und Erdkunde als moderner Bezugspunkt. So gut das Buch in der Hand der Geschichtslehrer/innen aufgehoben ist, sie sollten es am besten teilen.
geschichte für heute
In seinem Buch „Katastrophen“ (…) analysiert François Walter das Sozialverhalten im Umfeld historischer Verheerungen auf dem Seziertisch der Kulturgeschichte. Quintessenz: Von einer linearen Reifung der Menschheit könne im Zeitraum vom 16. bis ins 21. Jahrhundert nicht die Rede sein. Ein Verdacht, der dagegen zutrifft: Die Ursachenforschung war im 16. Jahrhundert weitaus einfacher.
Wiener Zeitung
In seiner Kulturgeschichte der Katastrophe geht der Schweizer Historiker [François Walter] der Frage nach, wie die Menschen sich in den letzten 500 Jahren das Hereinbrechen zerstörerischer Großereignisse erklärt haben. Er richtet sich gegen eine landläufige Auffassung, wonach religiöse Sichtweisen sukzessive von der Wissenschaft abgelöst worden seien. Dagegen geht Walter von einer erheblich größeren Komplexität im Blick auf das Desaster aus, in dem ganz unterschiedliche Haltungen gleichzeitig fortwirken.
Neue Osnabrücker Zeitung
Der Genfer Historiker François Walter zeichnet die Ideengeschichte des Desasters seit der Frühen Neuzeit jetzt auf breitester Quelllenbasis nach. Besondere Stärken besitzt das Buch im Bereich der Kunst und Literatur, Walters Detailkenntnisse von oft entlegenen - auch deutschen - Flugschriften, Kupferstichen, Gemälden, Erzählungen oder Dramen sind erstaunlich.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Diese Kulturgeschichte vom 16. bis ins 21. Jahrhundert zeigt gut lesbar, wie die Menschen Katastrophen erlebt haben, wie sie mit ihnen umgingen, was sie daraus gelernt haben. Ernst, aber ohne apokalyptischen Ton geschrieben: in Zeiten von BP nützlich.
Die Welt
Das ist wirklich ein sehr gut lesbares Buch. Das Angenehme an dem Buch ist, dass Walter nicht versucht, für das Sensationelle Aufmerksamkeit zu erheischen, sondern er erwähnt, dass er Chronist der Ereignisse ist; er erwähnt die Ereignisse, er bewertet sie, er ordnet sie ein und das macht die ganze Geschichte sehr interessant und spannend zu lesen. (...) Insgesamt ist dieses Buch angesichts eines Vulkanausbruchs, der ganz Europa eine Woche lang in einen Ausnahmezustand versetzte, von einer Aktualität, die so nicht zu erwarten war.
Deutschlandradio Kultur
Eine anregende Studie, die mit interessanten Thesen aufwartet, keinem Alarmismus huldigt und die historische Entwicklung der verschiedenen Bewältigungsstrategien von Katastrophen zeigt.
Buchkultur
Hunderte von katastrophischen Naturereignissen (Erdbeben, Vulkanausbrüche, Stadtbrände, Überschwemmungen), Kriegen und Krankheiten (Cholera, Aids), ausserdem Chemie- und Reaktorunfälle (Seveso, Tschernobyl) und auch die Terrorattacken vom 11. September 2001 hat Walter untersucht, die Reaktionen in der Bevölkerung, in politischen und theologischen Eliten sowie in Literatur und Malerei analysiert.
Neue Zürcher Zeitung
Dem Genfer Historiker François Walter geht es um die Geschichte dieses vielschichtigen und in sich widersprüchlichen symbolischen Umgangs der europäischen Kultur mit der traumatischen Erfahrung der Katastrophen. Detailreich entfaltet er sie über den imposanten Zeitraum von mehr als 500 Jahren. (...) Walter zeigt mit einer unglaublichen Fülle von Beispielen, wie das christlich geprägte Erklärungsmuster bis weit ins XVIII. Jahrhundert hinein Naturkatastrophen zu unverzichtbaren Elementen eines seit Urzeiten feststehenden göttlichen Bauplans macht.
SWR2, Buchtipp
In einem Jahr wie diesem, in dem eine Naturkatastrophe die andere jagt, ist François Walters Buch an Aktualität wohl nicht zu übertreffen. (...) Sein Buch bietet dem Leser eine gute Grundlage, der Hochkonjunktur des Alarmismus zu begegnen und aktuelle Bewältigungsstrategien bei Katastrophen geschichtlich einzuordnen.
Deutschlandfunk
Es gibt Bücher, bei denen fragt man sich, wie nur jemand auf die abwegige Idee kommen kann, so etwas zu schreiben, Gegenstände, die die Frage aufwerfen, wen das eigentlich interessieren soll. Und dann gibt es Bücher, die dem neugierigen Beobachter der Gesellschaft die Frage aufzwingen, warum sie eigentlich erst jetzt geschrieben werden. So zwingend ist ihre Argumentation, so faszinierend der Erkenntnisgewinn. François Walters Kulturgeschichte der Katastrophen ist ein typischer Vertreter der zweiten Spezies, ein Sachbuch, dass man bis zum Ende nicht wieder aus der Hand legt. Anders als viele Historiker und Sozialwissenschaftler analysiert Walter eine Geschichte der Kontinuitäten, beschreibt die Wechselwirkungen von (Natur)Katastrophen und menschlichem Fortschrittsglauben. (...) Es ist kein Fatalismus, der Walters Erklärungsmodell prägt, sondern die Fähigkeit messerscharfe Analyse in packender Sprache anschaulich zu machen. Die Kulturgeschichte der Katastrophenbewältigung verteufelt nicht und vergöttert nicht, verurteilt nicht und bejubelt nicht – sie setzt Fakten gewinnbringend in Beziehung.
Ostthüringer Zeitung
Buch der Stunde: (...) François Walter stützt sich auf philosophische, literarische, künstlerische und nicht zuletzt mediale Überlieferungen, Bilder und Texte des 16. bis 21. Jahrhunderts – eine ambitionierte, aber lohnenswerte Gesamtdarstellung, die einige Leseaufmerksamkeit verlangt.
Falter
Ein kluges Buch.
Freitag
Die Aschewolken aus dem isländischen Vulkan: ein Naturereignis mit heftigen Auswirkungen. Wie die "Gewalt der Natur" im Lauf der Geschichte bewertet wurde, beschreibt die gerade erschienene "Kulturgeschichte der Katastrophen". (...) Die katholische Deutung neigte einst dazu, in Naturereignissen die Macht des Bösen zu deuten, gegen die etwa Heiligenverehrung helfen könnte. Protestanten dagegen sahen in Sturmfluten die Macht Gottes und sahen sich belohnt, wo die Schäden gering waren. Solche und viele andere Einblicke sind reizvoll im Buch des Genfer Professors.
Der Sonntag – Sonntagszeitung der BNN
Seine groß angelegte Sichtung entwickelt sich zu einem frontalen Angriff auf einige allzu weit verbreitete, allzu einfache Konstruktionen von Vergangenheit und Gegenwart. (...) Wer in der aktuellen Debatte um die Risiko-Gesellschaft mitreden will, sollte sich mit Walter auseinandergesetzt haben.
epoc - Spektrum der Wissenschaft
Diese Kulturgeschichte der Katastrophen liest sich, alswürde jemand über 300 Seiten die Büchse der Pandora schwenken und alles Unheil fällt chronologisch geordnet heraus. Statt die 160 erwähnten historischen Unglücksfälle selbst kraftvoll auszumalen, zitiert der Autor lieber Beispiele aus Literatur, Malerei, Film und Theater herbei. Genug Stoff für ein Bilderbuch der Katastrophe, das man sich beim Lesen bisweilen wünscht. Die Grafik eines Tornados auf dem Umschlag ist nur ein Sinnbild für den Faktenwirbel, den Walter entfacht. (...) Aber angesichts von Ölteppichen und Vulkanwolken wirken seine Erkenntnisse auch verblüffend aktuell.
Darmstädter Echo
Die Geschichte der Katastrophenbewältigung, wie sie der Genfer Historiker François Walter schreibt, steht jenseits von modischem Katastrophismus und schön gruseliger Heraufbeschwörung aller möglichen und unumgänglichen Apokalypsen. Sie erweist vielmehr, dass die Antworten des 16. und 18. Jahrhunderts auf das Unbegreifliche nicht etwa wertlos sind, bloß weil die Naturwissenschaft ein paar Schritte weitergekommen ist.
Zukunft
Der Schweizer Historiker François Walter verschränkt die Natur- und Kulturgeschichte der Katastrophen des 16. bis 21. Jahrhunderts und erzählt so vom Wahrnehmungs- und Mentalitätswandel des Europäers. Dürre und Fluten, Vulkanausbrüche und Blitzeinschläge werden im Zuge der Verwissenschaftlichung allen Lebens zu beherrschbaren Risiken. Statt an einen strafenden Gott glauben wir nun dem Experten. Die Natur beeindruckt das nicht. Sie überrascht uns immer wieder.
MDR Figaro
Besondere Stärken besitzt das Buch in den Bereichen Kunst und Literatur. Walters Detailkenntnisse von oft entlegenen – auch deutschen – Flugschriften, Kupferstichen, Gemälden, Erzählungen oder Dramen ist erstaunlich.
Zeitschrift für Germanistik
Der Historiker François Walter hat eine materialreiche Kulturgeschichte vom 16. bis zum 21. Jahrhundert verfasst.
Buchmedia Magazin
In seinem sehr lesenswerten Buch "Katastrophen" stellt der Genfer Historiker François Walter die gängige These in Frage, bis ins 18. Jahrhundert hätte man sich mit einer irrationalen, religiös grundierten Reaktion auf Katastrophen begnügt, während die Moderne diesen Irrglauben überwunden habe und zu rationalen Erklärungs-, ja Bewältigungsstrategien vorgestoßen sei. Demgegenüber betont Walter, dass religiöse bzw. symbolische und rationale Deutungen von Katastrophen bis in unsere Zeit hinein nebeneinander bestehen und sich nicht ausschließen. Der Autor bietet sodann einen Überblick über Katastrophen bzw. Risiken und ihre Wahrnehmung seit dem 16. Jahrhundert, beleuchtet die Interessen und Deutungen von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit und wirft einen kritischen Blick auf den "Alarmismus" unserer Tage.
Damals
Dies ist nicht das Buch zum Vulkanausbruch, der im April des Jahres die Menschen am Boden hielt und der Mitte September schon wieder vergessen ist, aber nicht zuletzt durch dieses Ereignis ist es von erfrischender Aktualität. Denn Katastrophen, also unvorhergesehene, entsetzliche Ereignisse hat es in vorangegangenen Jahrhunderten auch gegeben. Der schweizerische Historiker François Walter knüpft gleich eine ganze Kulturgeschichte daran. (...) François Walter hat eine fundierte, quellenreiche, angenehm zu lesende und aufschlussreiche Monographie vorgelegt, die Bekanntes und Allzubekanntes in neue Zusammenhänge stellt.
The European Circle
Auf breiter Quellenbasis analysiert der Autor Hunderte von Naturereignissen, Kriegen und Krankheiten, außerdem Chemie- und Reaktorunfälle sowie die Terrorattacken vom 11. September 2001.
Schadenspiegel der Munich RE
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