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Rehm, Ulrich: Botticelli. Der Maler und die Medici. Eine BiographieISBN: 978-3-15-010716-4 |
Botticelli hat die Malerei in weiten Bereichen entscheidend weiter entwickelt und mehr als vierzig Jahre lang über alle Krisen hinweg eine der bedeutendsten Werkstätten Italiens geleitet. Er war Mitbegründer der großformatigen Allegorie, er revolutionierte das Porträt, bereicherte das Altar- und Andachtsbild um neue Konzepte und entwickelte eine eigene Dramatik der Bilderzählung.
Für seine biographische Darstellung befragt Ulrich Rehm die vielfältigen Quellen aufs Neue und deckt die Widersprüche zu Giorgio Vasaris erstmals 1550 erschienenen Vita Botticellis auf, die bisher als maßgebliche Quelle galt. Zahlreiche Zeitgenossen, Politiker, Prediger, Poeten, Kaufleute, Kunstagenten, Künstlerkollegen und nicht zuletzt der Bruder Botticellis, Simone, kommen zu Wort. So entsteht das höchst lebendige Bild einer prominenten Künstlerpersönlichkeit der Renaissance und ihrer Position in der Florentiner Gesellschaft.
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Florenz, 17. Mai 1510
Der frühe Nachruhm
Die getrübte Fama
Stadt und Familie
Lehre und Beruf
Erste Erfolge und Scheitern in Pisa
Im Umkreis der Medici
Pracht und Minnekult
Frauenleben und weibliches Porträt
Ein Attentat und seine Folgen
Konfl ikt und Versöhnung mit dem Papst
Liebesgärten und Keuschheitswächter
Malerei und Poesie
Madonnen im Rund und der Ruf der Werkstatt
Humanistischer Namenskult und männliches Porträt
Auf den Altären der Florentiner Kirchen
Konkurrenz und ästhetische Grenzgänge
Scherz- und Ernsthaftigkeit
Im Schatten des Todes
Moralisches Beben und politische Krise
Sodom und der Fall Savonarolas
Landleben und Liebesgötter
Dante und die Dramaturgie menschlicher Grenzerfahrung
Scheiterhaufen und das Überleben der heidnischen Götter
Reue und Zufluchtssuche
Der Tod des Propheten und die Stimme des Gewissens
Vision und Vermächtnis
Kurs halten auf hoher See
Anhang
Quellen
1. Die Notizen des Florentiner Kaufmanns Antonio Billi (vor 1530) in einer Abschrift des Kanonikers Antonio Petrei (1560er Jahre)
2. Die Notizen eines anonymen Kunsthistoriographen, des sogenannten Anonimo Magliabechiano (ca. 1540er Jahre)
3. Die Vita Sandro Botticellis von Giorgio Vasari (1568)
Literaturhinweise
Bildnachweise
Nachwort
Personenregister
Ulrich Rehm ist Professor für Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Sein besonderes Interesse gilt den Bildkünsten des Mittelalters und der Frührenaissance, vor allem der Buchmalerei und der Funktion von
Bildern in Textzusammenhängen.Interview mit Professor Rehm
Erstaunlicherweise ist Ihr Buch die erste moderne Gesamtdarstellung von Botticellis Leben. Warum wurde eine Biographie im eigentlichen Sinn bisher nicht verfasst?
Wenn man bedenkt, dass Botticelli über mehrere Jahrzehnte hinweg eine der erfolgreichsten Werkstätten Italiens leitete – eigentlich kaum zu fassen! Aber die Dokumente aus der Lebenszeit Botticellis schienen zu dürftig, um dem großen Künstlerbiographen des 16. Jahrhunderts, Giorgio Vasari (bei dem Botticelli nicht gerade gut wegkommt), etwas wissenschaftlich Fundiertes entgegen zu setzen. Dementsprechend sind selbständige biographische Ansätze bisher eher eine Begleiterscheinung der Überblickswerke zu den Gemälden Botticellis. Alle historischen Dokumente zusammengenommen und kritisch gelesen, ergeben jedoch ein durchaus schlüssiges Gesamtbild, das dem Vasaris in manchem widerspricht.
Botticellis Werk ist eng mit der Geschichte von Florenz und der Dynastie de' Medici verbunden. Viele Meisterwerke haben ihre Entstehung politisch-ökonomischen Hintergedanken der Auftraggeber zu verdanken ...
Ganz richtig, und die Spannweite ist ebenso groß wie das Zielpublikum. In einem Schandgemälde malte Botticelli die gehenkten Widersacher der Medici an die Wand eines öffentlichen Gebäudes – sicher die plakativste Bildaufgabe in politischer Mission. Von einem künstlerischen Anspruch, der weit über politisches Alltagsinteresse hinaus reicht, sind die großen allegorischen Gemälde, wie "La Primavera" oder die "Geburt der Venus". Zwar preisen solche Bilder durchaus die Vorzüge der Medici-Vorherrschaft mit Naturmotiven von Blüte und Fruchtbarkeit, aber sie erschöpfen sich nicht darin. Man darf nicht vergessen, dass etwa Lorenzo de' Medici als Dichter selbst zu den herausragenden Künstlern seiner Zeit gehörte. Und wie dessen Poesie sind auch Botticellis Allegorien so angelegt, dass sie die Phantasie in vielerlei Richtung anzuregen vermögen.
Sie verstehen Botticellis Kunst nicht einfach als Abbild des damaligen Zeitgeistes, sondern betonen, wie sehr die Kunstwerke in ihre Zeit hinein wirkten und Einfluss nahmen. Welcher Art sind diese Wirkungen?
Die Künste haben grundsätzlich das Potential, größere ästhetische Spielräume zu eröffnen, als die gesellschaftliche Realität es erahnen lässt. Die Neuerungen Botticellis sind das beste Beispiel dafür: In der Gattung des Porträts hat er das Bild der Frau von starren Konventionen befreit zugunsten einer neuen Dynamik und Vielschichtigkeit. Mit der Einführung des großformatigen mythologischen Gemäldes hat er ein weites Spielfeld zur Entfaltung künstlerischer Phantasie eröffnet. Und in seinen späten Gemälden hat er auf eine Krisensituation der Florentiner Gesellschaft geantwortet, indem er extreme Erschütterung zum Ausdruck brachte und diese als den möglichen Anfang von Veränderungen vorführte. All das macht seine Bilder nicht zu bloßen Zeugen, sondern zu Akteuren der Geschichte, auch wenn die konkreten Wirkungen schwer zu bemessen sind.
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Ein wunderbares, zudem erfreulich gut bebildertes Lesebuch, das auch für Nicht-Kunsthistoriker zu einer gewinnbringenden Lektüre über einen grandiosen Künstler sowie die Schönen, Reichen und Mächtigen seiner Zeit wird.
Art - Das Kunstmagazin
Mit sorgsam recherchierten Quellen, auflockernden Anekdoten und anregenden Interpretationen konstruiert Rehm ein farbiges, neues Botticelli-Bild, das dem Künstler nach 500 Jahren endlich die Gerechtigkeit und Wertschätzung widerfahren lässt, die längst überfällig war.
WDR 3
Rehms fundierte Biographie ist [...] eine ideale Vorbereitung zum Besuch der Frankfurter Botticelli-Schau.
Augsburger Allgemeine Zeitung
Die eindrücklichste Biographie hat [...] Ulrich Rehm vorgelegt. Es fällt einem schwer, die Lektüre des Buches zu unterbrechen. Rehm erzählt, er analysiert, er vergleicht nicht nur Bilder und Maler, sondern auch Dichtungen und Dichter, politische Theorien und politische Praktiken. Das macht das Buch außerordentlich lebendig.
Frankfurter Rundschau
Der Gestank im Gerberviertel, die späte finanzielle Krise des Künstlers, seine angenehmen Umgangsformen, sein wenig schönes Äußeres, das er mit Charme und Scharfzüngigkeit wettmachte – all das findet hier zusammen zu einem lebensvollen Charakterporträt eines erfolgreichen und im Florenz des 15. Jahrhunderts beliebten Malers.
Frankfurter Neue Presse
Herausragend unter den Neuerscheinungen zu Botticelli: Kunsthistoriker Ulrich Rehm wiederlegt das Bild des einzelgängerischen Sonderlings, das Vasari in seinen „Vite“ 1568 beschrieb, und zeigt, dass der Maler in künstlerischen und politischen Kreisen hohes Ansehen genoss. Dazu hat Rehm zeitgenössische Quellen von Politikern, Künstlern, Kaufleuten und Kunsthändlern ausgewertet: Geschichte zum Anfassen, anschaulich aufbereitet und erzählt.
Buchjournal
Wissenschaftlich fundierte, ausgesprochen gut lesbare Biografie des Malers, zu dem es zahlreiche Werkmonografien und Bildbände gibt, aber bisher keine eigentliche Biografie.
EKZ – Service für Bibliotheken
Interessant und bereichernd!
Medienprofile
500 Jahre nach dessen Tod berührt uns ein Künstler vielleicht mehr, als er seine Zeitgenossen beeindrucken konnte. Wir feiern ein Botticelli-Jahr, denn kaum ein Maler trifft so das heutige Schönheitsempfinden wie Sandro Botticelli. Seine Frauengestalten könnten sich heute noch casten lassen...
NDR Kultur
Es gelingt Rehm immer wieder, die beziehungsreichen Bilder nachvollziehbar zu deuten, indem er sie in ihre zeitlichen Zusammenhänge stellt oder die literarischen Vorlagen aufgreift, die bei Botticelli sehr ausgeprägt sind.
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Gelungen ist auch die Gestaltung des Buchs.
Schwäbische Zeitung
Eine sorgsame Biografie des Bochumer Kunsthistorikers Ulrich Rehm, der sich besonders mit der Kunst der Frührenaissance auseinandersetzt.
NDR Kultur
Ulrich Rehm ersetzt fehlendes Wissen über den großen Renaissancemaler durch unterhaltsame und lehrreiche Beschreibungen seiner Zeit, Auftraggeber und Kollegen, so dass ein Bild der reichen und einflussreichen Stadt Florenz entsteht, die von den Medici regiert und nach ihren Vorstellungen von den Florentiner Künstlern gestaltet wurde.
Die Welt
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