Hofmannsthal, Hugo von: Jedermann
Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes. Hrsg.: Thomasberger, Andreas. 95 S.ISBN: 978-3-15-018037-2
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Autorinformation
Hugo von Hofmannsthal, 1. 2. 1874 Wien – 15. 7. 1929 Rodaun bei Wien.H.s Vater, Jurist und Direktor der Wiener Central-Bodencreditanstalt, stammte aus einer wohlhabenden, ehemals jüdischen Fabrikantenfamilie, die sich im Verlauf mehrerer Generationen vollständig assimiliert hatte. Schon während seiner Gymnasialzeit hatte H. Kontakt zu den Autoren der Wiener Moderne (H. Bahr, A. Schnitzler u.a.). 1892–94 studierte er Jura an der Universität in Wien, dann – nach einem Freiwilligenjahr bei einem Dragonerregiment – Romanistik. Mit einer Arbeit Über den Sprachgebrauch bei den Dichtern der Pléiade wurde er 1898 zum Dr. phil. promoviert. Das Habilitationsgesuch zog er 1901 zurück – er hatte über Victor Hugo geschrieben – und ließ sich in Rodaun bei Wien in einem barocken »Schlössel« nieder, das er mit seiner Familie – nur von Reisen unterbrochen – bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller bewohnte. Am 13. Juli 1929 nahm sich sein ältester Sohn das Leben; zwei Tage später erlitt H. beim Aufbruch zur Beerdigung einen tödlichen Schlaganfall.
H.s lyrisches und lyrisch-dramatisches Frühwerk behandelt, im Einklang mit den Tendenzen des Wiener Fin de Siècle (»Jung-Wien«), die Problematik der ästhetischen Existenz und begründete seinen Ruhm. Die Abkehr vom impressionistischen Ästhetentum, die H. im späteren Werk bewusst zum »Sozialen« führte, dokumentiert sich bereits im berühmten fiktiven Brief des Lord Chandos an Francis Bacon, der – im Zusammenhang mit der Sprachphilosophie Fritz Mauthners und dem Empiriokritizismus Ernst Machs – zugleich Reflex einer verbreiteten Sprachskepsis zu Anfang des Jahrhunderts und Zeugnis der Erfahrung der Entfremdung und einer gebrochenen Wirklichkeitserfahrung ist. Die Aneignung der kulturellen Tradition ist ein charakteristisches Element von H.s Schaffen. Das gilt für das essayistische Werk ebenso wie für die Dichtung: für die Erzählungen, die u. a. an die romanische Novellistik anschließen, für die Versuche psychologisierender Griechendramen, für die Verwendung von Elementen der Commedia dell’arte in den Komödien und schließlich für die Erneuerung der österreichisch-habsburgischen Barocktradition und die Auseinandersetzung mit Calderón. Mit der Aufforderung von Richard Strauss, die Elektra-Tragödie zu einem Opernlibretto umzuarbeiten (UA der Oper 1909), begann die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen H. und Strauss, die ihren Höhepunkt in der gemeinsamen Arbeit am Rosenkavalier (UA 1911) erreichte und bis zur postum aufgeführten Arabella (UA 1933) weitergeführt wurde. H. betrachtete seine Libretti nicht als Nebenwerke; Texte wie Der Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos (UA 1912) oder Arabella sind integraler Bestandteil seines Komödienschaffens, das mit Cristinas Heimreise (UA 1910) einsetzte und mit den Konversationskomödien Der Schwierige (UA 1921) und Der Unbestechliche (UA 1923) zur höchsten Kunst sprachlicher Nuancierung gelangte, scheinbar mühelos entwickelt aus dem Sprechton einer idealisierten altösterreichischen Gesellschaft. Zu H.s kulturpolitischen Aktivitäten, die als Antwort auf den Untergang der habsburgischen Monarchie gelten können und auf eine (katholische) europäische kulturelle Tradition als Gegengewicht setzen, gehört die gemeinsam mit Max Reinhardt und Strauss betriebene Gründung der Salzburger Festspiele (1920). Stücke wie Jedermann (UA 1911), seit 1920 jährlich auf dem Salzburger Domplatz gespielt, und die Calderón-Erneuerung Das Salzburger Große Welttheater (UA 1922) dienten dieser Idee. Resultat einer tiefergreifenden Auseinandersetzung mit Calderón ist H.s Trauerspiel Der Turm (UA 1928), das in zwei Fassungen vorliegt und die zunehmende Skepsis H.s angesichts der geschichtlichen Entwicklung erkennen und sich als Vorahnung kommender Katastrophen interpretieren lässt. Eine andere Antwort auf die Krise der Zeit versuchte H. unter dem Stichwort einer konservativen Revolution in der 1927 gehaltenen Rede Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation. Neben dem umfangreichen dramatischen Schaffen sind auch nach dem erzählerischen Frühwerk weitere bedeutende Prosadichtungen entstanden: die Erzählung Die Frau ohne Schatten, ein von H. als »Allegorie des Sozialen« bezeichnetes Märchen von Treue, Prüfung, Läuterung, Erlösung und Verwandlung, und das Fragment eines österreichischen Bildungsromans Andreas oder Die Vereinigten.
In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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