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Hochhuth, Rolf: Anekdoten und Balladen

Hochhuth, Rolf: Anekdoten und Balladen

Vom Autor durchges. und verb. Ausgabe 2011
Hrsg.: Ueding, Gert. 118 S.

ISBN: 978-3-15-018112-6
EUR (D): 4,00 *
EUR (A) 4,20 / CHF 6,50

300 dpi Cover



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Hochhuths großes Thema ist die Geschichte. In der Lyrik eignet sich die Ballade hierfür besonders. In der Prosa wählt der Autor auffällig oft die Anekdote, wo sich Geschichte in kleiner, fast beiläufiger Form kristallisiert. Vorliegende Auswahl versammelt die schönsten und treffendsten Beispiele in Kapiteln wie "Histörchen", "Künstler und ihre Gesellen", "Frauen und Eheleute" oder "Dies und das und Kunterbunt".

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Inhaltsverzeichnis

I Vorweg

Oft hatte ich gedacht
Fahndungsbücher

II Histörchen

Johann Georg Elser
Gefallener
Als im alten Rom
Prophezeiung
Judith und Holofernes
Mozarts Tod
Kinder: Kaspar Hauser, Anne Frank
Witze und Lebensgefahr
»Hell«sehen
Schönheitsgalerie
Ein Strich zuviel
Reden tun die Leute ohnedies
Bäume
Churchill
20. 7. 44: Kopfprämie
Elfriede Scholz, geb. Remark

III Künstler und ihre Gesellen

Twens
Ovid in Tomi
Hoffnung
Ehe
Effi Briest wurde neunundneunzig
»Ich bin sehr für die Polygamie!«
Auch Kunst überlebt ihren Inhalt nicht
Ordnungstrieb
»Was soll der Unsinn?«
Karl Valentin
Polgar in Zürich

IV Vom Rande der bürgerlichen Gesellschaft

»Wege des Ruhms«
Punk
Der Dieb
Daß Weihnachten kommt

V Frauen und Eheleute

Großmama
Dem Vetter eines Freundes
Barbara Tuchman über Hannah Arendt
Mondrakete und Demokraten
Scheidungs-›Gründe‹
»Ausspannen«
Nie intim werden
Kerzenlicht
Aids in Venedig
»Der Teufel stellt vor allem den Frauen nach«

VI Dies und Das und Kunterbunt

Juristen
Weihnachtsgans
Philosoph
Polizisten-Scheidungen
Wie wird der Prozeß ausgehen
Pavianherz im Menschenkind
Kreidekreis
Hodenbruch
Die Liebe und der Amtsschimmel
Die Brücke über den Bosporus
Erasmus, der »Syphilitiker«
Noch ganze zwei Metzgereien
Intercity Hamburg–Basel
Das Weib, der Feminismus, die Männlichkeit
»Besitzen Sie denn keinen Schirm?«
Gescheitert an Beichten
Aufgebahrt

Textnachweise

Nachwort:
Eine Geschichte ist eine Geschichte

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Autorinformation

Rolf Hochhuth, * 1. 4. 1931 Eschwege (Hessen).
Der Sohn eines Fabrikanten arbeitete nach einer Buchhandelslehre und Universitätsstudien als Gasthörer in Heidelberg und München von 1955 bis 1963 als Verlagslektor in Gütersloh. Seitdem lebt er als freier Schriftsteller in Riehen bei Basel. Berühmt wurde H. mit seinem ersten Schauspiel Der Stellvertreter, das mit der These von der Mitschuld des ›Stellvertreters‹ Papst Pius XII. an der Judenvernichtung im Dritten Reich und der rigorosen Kritik an der Haltung der Kirche ein Tabu brach und nach der Berliner Uraufführung 1963 unter der Regie von Erwin Piscator heftige Kontroversen auslöste. Anders als im zeitgenössischen Dokumentartheater, mit dem H. die (stets ausführlich mitgeteilte) dokumentarische Grundlage teilt, stellt H. die moralische Entscheidung des Einzelnen in den Mittelpunkt. In einer Art Wiederaufnahme der Schillerschen Vorstellung vom Theater als moralischer Anstalt besteht H. auf der Entscheidungsfreiheit und sittlich-religiösen Verantwortlichkeit des Individuums und seiner Pflicht, moralisch handelnd einzugreifen. Auch formal schließt sich H. an das klassische Theater an. Die dem Stellvertreter folgenden Stücke variieren an verschiedenen historischen oder gesellschaftlich brisanten Beispielen dieses Konzept vom Theater als Tribunal. Das Drama Juristen bewies noch einmal die öffentliche Wirkung H.s, indem es wesentlich zum Rücktritt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger, Marinerichter im Dritten Reich, beitrug. Zurück in diese Vergangenheit führt auch die fünfaktige Groteske Nietzsches Spazierstock, in deren Mittelpunkt der Sohn eines KZ-Opfers steht, der eine Zwangsneurose vortäuscht – er grüßt ständig mit »Heil Hitler!« und verprügelt jeden, der nicht zurückgrüßt – und von den Ärzten Wahnsinn attestiert bekommt. Auch die bekannteste Erzählung H.s, Eine Liebe in Deutschland, thematisiert Vorgänge aus dieser Zeit – die Beziehung einer Deutschen zu einem polnischen Kriegsgefangenen – und dokumentiert zugleich mit umfangreichem Material die Unwilligkeit der Deutschen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

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