Kleist, Heinrich von: Amphitryon
Ein Lustspiel nach Molière. Anm. u. Nachw.: Bachmaier, Helmut. 107 S.ISBN: 978-3-15-007416-9
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Text in neuer Rechtschreibung. - Mit Anmerkungen und einem Nachwort von Helmut Bachmaier.
Autorinformation
Heinrich von Kleist, 18. 10. 1777 Frankfurt a. d. O. – 21. 11. 1811 zwischen Potsdam und Berlin am heutigen Kleinen Wannsee.K. stammte aus einer preußischen Adels- und Offiziersfamilie und trat nach häuslichem Privatunterricht und hugenottischer Erziehung in Berlin nach der Konfirmation 1792 in das Regiment Garde ein und nahm am Rheinfeldzug teil. 1799 erhielt er auf eignen Wunsch seinen Abschied und begann in Frankfurt a. d. O. – wenigstens besagt das die Immatrikulation– mit dem Studium der Rechte. Er lernte Wilhelmine v. Zenge, die Tochter des Ortskommandanten, kennen und verlobte sich Anfang 1800 (Auflösung der Verlobung 1802). Im August 1800 brach K. das Brotstudium ab, unternahm von August bis September eine geheimnisumwitterte Reise nach Würzburg und fasste wohl den Entschluss, Schriftsteller zu werden. Nach einer Lebenskrise (»Kantkrise«) im März 1801, dem Zweifel an der Fähigkeit des Menschen, die »Wahrheit« zu erkennen, unternahm er mehrere Reisen (Paris, Schweiz, Weimar, Oßmannstedt [C. M. Wieland], Leipzig, Dresden, Schweiz und wieder Paris, wo er sich der frz. Armee anschließen wollte). Mitte 1804 kehrte er nach Berlin zurück und erhielt eine Anstellung im preußischen Zivildienst. 1805 wurde er nach Königsberg versetzt, 1806 nahm er aus gesundheitlichen Gründen sechs Monate Urlaub. Als er nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon nach Berlin reiste, wurde er als Spion verhaftet und als Gefangener nach Frankreich gebracht (März bis Juli 1807). Danach lebte er als Schriftsteller in Dresden (1807–08), wo er mit Adam Müller die kurzlebige Zeitschrift Phöbus herausgab. Danach hielt er sich, wohl im Rahmen von nicht genauer bekannten politischen Absichten, 1809 in Böhmen (Prag) und Österreich auf. Von Anfang 1810 bis zu seinem Tod lebte K. in Berlin; hier verkehrte er mit A. v. Arnim, C. Brentano, Rahel Levin u. a. und suchte sich mit der Zeitung Berliner Abendblätter (1. 10. 1810 – 31. 3. 1811) finanziell abzusichern. Nach sorgfältiger gemeinsamer Planung erschoss K. am 21.11. 1811 seine schwer kranke Freundin Henriette Vogel und dann sich selbst.
Der Rätselhaftigkeit und Widersprüchlichkeit von K.s Leben entspricht ein ebenso schwieriges und die Zeitgenossen – soweit sie es überhaupt zur Kenntnis nahmen – irritierendes Werk, das die politischen und sozialen Krisenerscheinungen der Zeit reflektiert und als zentrale Themen und Ordnungsvorstellungen Familie, Gerechtigkeit, Staat, Krieg auf höchst ambivalente Weise behandelt. Eine besondere Rolle spielt dabei, v. a. in der Auseinandersetzung der Geschlechter, der Bereich der menschlichen Gefühle und Leidenschaften bzw. ihrer Verwirrungen und die daraus resultierenden tragischen Verstrickungen. K. verstand sich in erster Linie als Dramatiker. Er erprobte nach dem ersten, an die Schauerromantik anknüpfenden Versuch (Die Familie Schroffenstein) die verschiedensten Formen: Er schrieb Lustspiele durchaus zwiespältigen Charakters (Der zerbrochne Krug, Amphitryon), ein dezidiert antiklassisches Antikendrama (Penthesilea) und ein Ritterstück als mittelalterlich-romantische »Kehrseite« (Das Käthchen von Heilbronn), ein problematisches politisches Agitationsstück (Die Hermannsschlacht) und ein komplexes »Schauspiel« zwischen Traumutopie und Staatsräson (Prinz Friedrich von Homburg). Ein auf Napoleon bezogenes Drama über den Normannenherrscher Robert Guiskard blieb Fragment. Hier, wie bereits in seinem ersten Stück oder in der konsequenten Anwendung der Technik des analytischen Dramas im Zerbrochnen Krug, zeigt sich K.s genaues Studium des klassischen Dramas. Seine Erzählungen, neben seiner dramatischen Produktion entstanden und meist zuerst in Zeitschriften gedruckt, konzentrieren sich auf einen außerordentlichen Fall, der das Leben der Beteiligten entscheidend verändert; in der Erschütterung der traditionellen Ordnungen, die allenthalben sichtbar, auch sprachlich erfahrbar und dem Einzelnen zur moralischen Herausforderung wird, reflektieren die Texte die durch die Französische Revolution und die idealistische Philosophie ausgelösten Veränderungen der eigenen Welt. Wichtigstes Zeugnis seines ästhetischen Denkens ist der in den Berliner Abendblättern 1810 veröffentlichte Aufsatz Über das Marionettentheater.
In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
Sekundärliteratur
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