Puccini. Biografie
Von Schickling, DieterGeb. mit Schutzumschlag. Format 16 x 24 cm. 456 S. Zahlreiche Abb.
ISBN: 978-3-15-010648-8
EUR (D): 19,95 *
EUR (A) 20,50 / CHF 28,50
Inhaltsverzeichnis
VorwortI. Eine Annäherung – Puccini von außen
II. Ein Leben und das Werk
1. 22 Jahre in Lucca (1858–1880)
2. Milano Metropolis (1880–1885)
3. Der Anfang: Le Villi
4. Ricordis neuer Mann (1885–1889)
5. Der Irrweg: Edgar
6. Um Verdis Nachfolge (1889–1893)
7. Der eigene Weg: Manon Lescaut
8. Weltruhm (1893–1896)
9. Das Meisterwerk: La Bohème
10. In einem gärenden Land (1896–1900)
11. Politik nach Noten: Tosca
12. Sehnsüchte und ein Unfall (1900–1904)
13. Exotische Moderne: Madama Butterfly
14. Lebenskrisen (1904–1910)
15. Eine neue Welt: La Fanciulla del West
16. Im Angesicht des Kriegs (1911–1915)
17. Wien, nicht du allein: La Rondine
18. Kriegsjahre (1915–1919)
19. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit: Il Trittico
20. Not des Alters (1919–1924)
21. Leben aus Eis: Turandot
22. Brüssel, November 1924, und das Nachspiel
III. Heute – eine Entfernung
Anhang
A Chronologisches Verzeichnis von Puccinis Aufenthalten, Reisen und Theaterbesuchen
B Quellennachweise und Anmerkungen
C Literaturverzeichnis
D Verzeichnis der Abbildungen
E Register
Autorinformation
Dieter Schickling, geboren 1939, ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des internationalen Forschungsinstituts "Centro studi Giacomo Puccini" in Lucca sowie Mitarbeiter an einer geplanten kritischen Gesamtausgabe der Werke und Briefe Puccinis. Schickling ist darüber hinaus Herausgeber des Puccini-Werkkatalogs.Leseprobe
Um Verdis Nachfolge1889 - 1893
Ein paar Abende nach der Uraufführung des Edgar diskutieren Puccini und Fontana fünf Stunden lang mit Giulio Ricordi, was nun weiter zu tun sei. Puccini schlägt Änderungen vor, tiefgreifende offenbar, denn der Verleger erklärt es sofort für unmöglich, solche Änderungen noch für die bis Ende Mai 1889 laufende Scala-Saison zu verwirklichen. Schließlich müssten dann ganz neue Stimmen geschrieben werden. Es wird beschlossen, Edgar im Mai nicht mehr zu geben, sondern für die Eröffnung der Winterspielzeit gründlich zu überarbeiten.
Eine Woche später fährt Puccini für ein paar Tage zur Erholung nach Cernobbio am südlichen Ende des Comer Sees. Fontana begleitet ihn und auch der Freund Carignani, der Anfertiger des Klavierauszugs, weil sie sofort mit den Änderungen des Edgar beginnen wollen. Von dort schreibt Puccini an Ricordi, er denke an Tosca, und der Verleger solle doch bitte bei Victorien Sardou, dem Autor des französischen Bühnenstücks, die Opernrechte erwerben. Noch ist die Edgar-Zukunft nicht kanalisiert, da hat bereits die Suche nach einem neuen Stoff begonnen. Der Hinweis auf Tosca kam von Fontana, und beide hatten schon im Februar ein Tosca-Gastspiel der Heroine Sarah Bernhardt in Mailand besucht und ein weiteres im März in Turin. Das Schauerdrama liegt auch durchaus auf der Edgar-Linie, sein kruder Sex-and-crime-Naturalismus passt ganz zu Fontanas und Puccinis Vorstellungen von einer effektvollen Oper. Aber es scheint, dass Ricordi damit überhaupt nicht einverstanden ist: Puccini wird die Tosca erst ein Jahrzehnt später komponieren dürfen.
Mitte Mai kehrt er nach Mailand zurück. Hier verhandelt er, offenbar durch Ricordis Vermittlung, erfolgreich mit Giuseppe Giacosa, einem der prominentesten Feuilletonisten und Bühnenautoren, über ein neues Libretto, das anscheinend in Russland spielt, das ihn aber bald nach dem Vertragsabschluss (das Buch soll bis November geliefert werden) schon wieder wenig überzeugt. Denn inzwischen hat Puccini sich einem neuen Sujet zugewandt, das ihn viel mehr reizt: Manon Lescaut nach der Erzählung des französischen Rokoko-Abbé Prévost; schon Jahre zuvor hatte Fontana ihn darauf aufmerksam gemacht. Bereits am 15. Juli schließt Ricordi einen Vertrag über das Manon-Libretto mit dem Theaterautor Marco Praga und dem Journalisten Domenico Oliva. Bevor sich Puccini jedoch damit und mit den daraus entstehenden Problemen des Giacosa-Vertrags beschäftigen kann, erwartet ihn eine ganz andere Aufgabe: Ricordi schickt ihn zu den Bayreuther Festspielen.
Vom Jahr zuvor kennt Puccini Bayreuth schon. Nun aber kann er sich nicht einfach nur an den Wagner-Aufführungen ergötzen, sondern muss sich besonders um die Meistersinger kümmern. Denn diese vom Stoff her "deutscheste" Oper Wagners soll im nächsten Winter zum ersten Mal in Italien aufgeführt werden, und Ricordi denkt, dass sie dafür einiger Änderungen bedarf, vor allem erheblicher Kürzungen, da einem italienischen Publikum ein so langes Stück nicht zuzumuten sei.
Der interessanteste Beleg für Puccinis Bayreuth-Aufenthalt Ende Juli 1889 ist ein Brief, den Giulio Ricordi an ihn geschickt hat und den wir nur aus Mareks englischer Übersetzung kennen. Der Text, der ironisch mit pseudo-deutschen Wortungetümen spielt (Schinkennbruk", "Meistersingerschapfgrübeliwagnerelizt" u.a.) und den Ricordi als "Königlischerbuckdruckereistempelmaschinenstaupfeditor" unterschreibt, macht noch einmal den Sinn der Reise klar:
Tito [Ricordis Sohn] schreibt mir aus London, dass die Oper schön, aber furchtbar, entsetzlich lang ist!! Dass das Publikum interessiert ist, aber auch gelangweilt! Sie werden sehen, dass die Kürzungen, die in Wien gemacht wurden, tatsächlich zu wenig sind und nicht ausreichen; unser Publikum, wie wagnerianisch es auch sein mag, wird das nicht tolerieren. Deshalb müssen wir versuchen, die Oper schlank und wirkungsvoll zu machen.
Puccini dehnt seinen Aufenthalt nicht übermäßig aus und kehrt nach wenigen Tagen schon wieder zurück. Sicher hat er in Bayreuth die erste Meistersinger-Vorstellung dieses Jahres am 24. Juli gesehen, vielleicht auch schon den Tristan und sicher den Parsifal am 25. Juli. Denn er hat später geäußert, er habe Parsifal noch unter dem Uraufführungsdirigenten Hermann Levi gehört, und der hatte im Jahr zuvor nicht in Bayreuth dirigiert, wohl aber diesmal. Eine "glänzende Aufführung" nennt er das jetzt, "großartiger Eindruck".
In seinem nun schon gewohnten Sommerdomizil in Vacallo im schweizerischen Tessin wartet auf Puccini viel Arbeit. Neben den von Ricordi gewünschten Kürzungsvorschlägen für die Meistersinger sind die Villi erneut zu überarbeiten, "weil weitere Aufführungen bevorstehen, ebenso Edgar, dessen Klavierauszug veröffentlicht werden soll, und schließlich muss die neue Oper komponiert werden. Puccini ist - jedenfalls was seine Aufträge angeht - auf dem besten Erfolgsweg. Voller Neid beklagt sich der ältere lucchesische Kollege Catalani, dass er von Ricordi gegenüber Puccini zurückgesetzt werde: "Mich erschreckt der Gedanke, was meine Zukunft sein kann, jetzt, wo es nur noch einen einzigen Verleger gibt, und dieser Verleger will über niemand anderen reden hören als über Puccini [ ... ] Auch in der Kunst gibt es 'Dynastien', und ich weiß, dass Puccini der Nachfolger Verdis werden muss."
Puccinis ganzes Interesse gilt Manon Lescaut. Die neue Arbeit ist für die nächste Scala-Saison vorgesehen, drei Spielzeiten hintereinander stehe er also auf dem Programm des führenden italienischen Theaters, teilt er stolz seiner Schwester Tomaide mit. Nach Edgar 1889 und dessen für 1890 geplanter Reprise kann das nur bedeuten, dass Manon Lescaut für den Winter 1890/91 gedacht ist, Puccini also innerhalb eines Jahrs mit der Komposition fertig zu werden meint. Er täuscht sich darin (wie meistens) erheblich, und wie das Otello- Erlebnis die Fertigstellung des Edgar verzögerte, hat sicher die genauere Beschäftigung mit den Meistersingern Puccini Erkenntnisse gebracht, die die Entstehung der Manon-Komposition beträchtlich verlängerten, sie aber auch zu seinem ersten Meisterwerk werden ließen.
Zunächst jedoch beherrschen familiäre Probleme Puccinis erste Tage in Mailand. Michele hat sich zur Auswanderung nach Südamerika entschlossen, offensichtlich deprimiert über die Aussichten auf eine Karriere in der Heimat und nicht fähig zu jenem überwältigenden Selbstvertrauen, das seinem Bruder Giacomo über alle Enttäuschungen hinweghilft. Aber auch eine Auswanderung kostet Geld. Sehr wahrscheinlich um dieses Geld zu beschaffen, haben die Brüder um diese Zeit die ihnen seit dem Tod der Mutter gemeinsam gehörende Wohnung in der lucchesischen Via di Poggio verkauft. Der Käufer ist Raffaello Franceschini, der wohlhabende Schwager. Die Wohnung bleibt also in der Familie, und ihre Überschreibung ist gewiss nur eine Art Sicherheit für das von Franceschini gezahlte Geld - Puccini hat die Wohnung fast auf den Tag genau fünf Jahre später zurückgekauft.
Michele Puccini fährt Anfang Oktober 1889 nach Buenos Aires. Dort schlägt er sich mit privatem Unterricht durch und nimmt schließlich eine Stelle als Musiklehrer an einer Schule in Jujuy im äußersten Norden Argentiniens an, mitten in den Anden.
Giacomo hingegen hat sich mit seinen anstehenden guten Geschäftsaussichten zu befassen. Ende Oktober sind bereits die ersten drei Akte des Manon-Librettos fertig, und Anfang 1890 teilt Puccini dem Bruder im fernen Argentinien mit, dass er an dieser Oper arbeite und danach "den 'Buddha' machen" werde. Man pflegt allgemein daraus zu schließen, Puccini habe einen solchen indischen Stoff im Sinn gehabt; ich vermute jedoch, dass damit das alte Giacosa-Projekt gemeint ist, denn "Buddha" war der unter Freunden gängige Scherzname für Giacosa.
In diesen Tagen schreibt Puccini eine seiner wenigen Gelegenheitskompositionen: das Streichquartett mit dem Titel Crisantemi. Es ist dem Andenken des am 18. Januar 1890 gestorbenen Amedeo von Savoyen gewidmet, des zweiten Sohns König Vittorio Emanueles II. Puccini hat das Stück nach eigener Angabe in einer Nacht komponiert, und es wird unmittelbar danach mit großem Erfolg im Mailänder Konservatorium und in Brescia aufgeführt. Es ist durch die Aufnahme einiger Wendungen in Manon Lescaut nachträglich gleichsam geadelt worden.
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Pressestimmen
Schickling hat mit diesem Buch die Puccini-Forschung mustergültig zusammengefasst und ein Standardwerk zu Puccini geschrieben, das dem Komponisten in jeder Beziehung Gerechtigkeit widerfahren lässt.Deutschlandradio Kultur
Empfehlenswert!
Die Welt
Eine werkgeschichtlich wie biografisch vorbildlich kundige, historisch reflektierte und jeder Mystifikation skeptisch gegenüberstehende Arbeit ist die Biografie von Dieter Schickling. Schickling schöpft aus dem reichlich vorhandenen Material und leuchtet romantisch abgedunkelte Flecken in der Biografie des Komponisten aus.
Frankfurter Rundschau
Dass der Germanist Schickling nicht nur ein glühender Puccini-Verehrer, sondern einer der intimsten Kenner seines Schaffens im deutschsprachigen Raum ist, wird bei der Lektüre rasch deutlich. (...) Respekt nötigt die geradezu detektivische Sorgfalt ab, mit der er bisher ungesichtete Quellen durchforstet hat. (...) Für jeden Opernenthusiasten ist Schicklings Buch die optimale Vorbereitung auf die Jubiläumssaison.
Welt am Sonntag
Umfassend, gründlich und gut lesbar: Dieter Schicklings Biografie "Puccini" informiert ausgezeichnet über Leben und Werk des Komponisten.
Südwest Presse
Schickling präsentiert fundiert ein farbiges Lebensbild.
Pforzheimer Zeitung
Eine spannend, unterhaltsam geschriebene Lebensgeschichte, die aus einem schier unerschöpflichen Reichtum an recherchierten Fakten schöpfen kann, ist Schickling da gelungen. Zugleich aber auch eine sehr kluge, gleichermaßen distanzierte, wie vom Gegenstand faszinierte Auseinandersetzung mit dem Werk des italienischen Komponisten.
Die Rheinpfalz
Eine umfassende Darstellung zu Leben und Werk Puccinis bietet die ausgezeichnete Biografie von Dieter Schickling.
Hessisch/Niedersächsische Allgemeine (HNA)
Eine Komponistenbiografie, wie sie schöner und präziser nicht hätte geschrieben werden können.
Bücher
Fulminante Biografie! Auf fast 500 Seiten bietet Schickling neben konzisen Werkinterpretationen einen faszinierenden Einblick in die komplexe, vielfach gebrochene und keineswegs immer auf Erfolg programmierte Persönlichkeit des Komponisten.
Rheinischer Merkur
Kompetenteste und am besten geschriebene Novität!
Hannoversche Allgemeine
Umfassend, gründlich, gut lesbar: Dieter Schicklings Biografie informiert ausgezeichnet über Leben und Werk des Komponisten!
Backnanger Kreiszeitung
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Pucciniforschung enorm verbreitert. Schickling selbst ist Herausgeber der Briefgesamtausgabe, er legte das erste umfassende Werkverzeichnis vor und veröffentlichte wissenschaftlich-kritische Partituren. Jetzt ist eine erweiterte Neuausgabe seines Buches erschienen, die neue Quellenfunde berücksichtigt: So sind zu den 4000 bekannten Briefen 2000 hinzugekommen. Schicklings Urteil ist unverändert: Puccini ist kein "naiver Künstler" - "wenn man nur ein bisschen genauer hinhört".
Stuttgarter Zeitung
Wer sich näher mit Puccini auseinandersetzen will, kommt an Dieter Schicklings gründlich recherchiertem wie lesenswertem Standardwerk nicht vorbei!
Badische Zeitung
... ein den aktuellen Stand der Forschung referierendes, maßgebendes Werk zur Person Puccinis, seines Schaffens und seiner Zeit.
www.codexflores.ch
Angenehm flüssig zu lesen ist dieses Buch und befindet sich doch auf der Höhe des gegenwärtigen Forschungsstandes, zu dem Schickling selbst Erhebliches beigetragen hat.
Mittelbayrisches Zeitung
Dieter Schicklings Puccini-Biografie, die zum 150. Geburtstag des Komponisten (22. Dezember 1858) wieder aufgelegt wird, ist voll von Details und Denkwürdigkeiten. Keineswegs aber tritt darüber das Werk in den Hintergrund. Die Lebensumstände bei der Entstehung der 12 Opern, ihre kompositorische Stellung in der musikalischen Umbruchssituation, ihre Stoffe und menschlichen Anliegen werden mit großer Sorgfalt dargestellt.
Eßlinger Zeitung
Aufgrund seiner überragenden Gründlichkeit, der enormen Rechercheleistung und der leser- und lesefreundlichen Umsetzung ist dieses Buch, das Persönlichkeit und Werk gleichermaßen gerecht wird, eine sehr informative und spannende Lektüre für Opernfreunde, insbesondere natürlich für die Puccini-Liebhaber unter ihnen.
www.sandammeer.at
Der Reclam Verlag nimmt den 150. Geburtstag Giacomo Puccinis zum Anlass, mit einem aufwändig aufgemachten und ebenso solide recherchierten wie unterhaltsam informativen Buch über den italienischen Opernkomponisten auf den Markt zu kommen.
Dieter Schickling beschreibt Leben und Werk des Meisters, der das Theater als Inspiration und Aufgabe brauchte, nah, aber nicht zu nah an den Stücken und in gewinnbringenden Interpretationen. Er spart auch nicht die schwierigen Momente und Bereiche der Rezeption der Musik des Italieners als eines Komponisten des 20. Jahrhunderts aus.
Lesbar ist das für jeden Musikinteressierten. Von besonderem Nutzen für beruflich mit der klingenden Materie Befasste sind die detailreichen Anhänge, die Aufschluss über Quellen, Werke und besonders Puccinis Reisetätigkeit geben.
In jedem Fall wir hier ein paradoxer Zustand beendet. Jener, dass man über einen auch in unserer Gegenwart meist gespielten Opernkomponisten gar nichts weiß. Schicklings Buch ist guter Lesestoff und Nachschlagewerk zugleich.
Ostthüringer Zeitung
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