Kemper, Peter: The Beatles

Kemper, Peter: The Beatles

144 S. 10 Abb.

ISBN: 978-3-15-018497-4
EUR (D): 4,40 *
EUR (A) 4,60 / CHF 6,90

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Acht Jahre genügten, um Popgeschichte zu schreiben: 1962 feierten die vier Pilzköpfe aus Liverpool mit Love me do ihren ersten großen Erfolg, 1970 hatten sie sich derartig zerstritten, dass die wohl einflussreichste Band der Popgeschichte sich auflöste. Die unvergessliche Zeit dazwischen erweckt Peter Kempers Band zu neuem Leben.

Autorinformation

Peter Kemper, 1950 geboren, studierte Philosophie, Germanistik und Sozialwissenschaft. Er ist verantwortlicher Redakteur beim Hessischen Rundfunk und schreibt außerdem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Darüber hinaus ist Peter Kemper seit Jahren an den Vorbereitungen für das Deutsche Jazzfestival beteiligt.

Leseprobe

Wie die Beatles unter der Ägide von George Martin eine noch unfertige Idee im Studio zu einem perfekten Song entwickeln konnten, dokumentiert 'Eight Days a Week'. Der Titel geht wie schon 'A Hard Day's Night' auf eine der lakonischen Formulierungen von Ringo Starr zurück. Jedenfalls mutierte das Stück von einer vokalen Eröffnung zu einem der berühmtesten, da erstmals eingeblendeten, Gitarren-Intros der Pop-Geschichte.
Langsam wurde den Beatles ihr eigener hart erkämpfter Ruhm unheimlich: Ausflüge in die Städte waren nur noch unter Polizeischutz möglich, Hotels mussten von Hundertschaften Polizisten vor ausgeflippten Fans abgeschottet werden, in den Konzerten waren vor lauter Kreischen die eigenen Texte kaum noch zu verstehen. Trotz der neu entwickelten Hundert-Watt-Verstärker "Vox AC-IOO", der stärksten damals auf dem Markt erhältlichen Amps, war von den Finessen der Beatles-Kompositionen auf ihrer ersten US-Tournee im Sommer 1964 mit sechsundzwanzig Terminen kaum noch etwas zu hören. Das live mitgeschnittene Konzert in der "Hollywood Bowl" legt davon unfreiwillig Zeugnis ab. Subtile Stücke wie 'I Feel Fine' waren hier gar nicht mehr zu spielen.
'I Feel Fine', im November 1964 als Single veröffentlicht, dokumentiert das erste Aufnahmeexperiment der Gruppe. Sein Gitarren-Intro besteht aus dem in der Geschichte der Plattenproduktion ersten kontrollierten Feedback-Einsatz im Studio: Während Paul ein tiefes A anschlug, produzierte Lennons Gitarre eine Rückkoppelung, weil sein Tonabnehmer Richtung Verstärker zeigte und er dabei den Lautstärkeregler voll aufdrehte. Es war ein Gimmick, der den Beatles so gut gefiel, dass sie diesen Effekt auf der Aufnahme beließen. Während der im Studio damals anwesende Toningenieur Geoff Emerick behauptet hat, das Feedback sei zufällig entstanden, sagt George Martin, John Lennon habe es ganz bewusst für den Anfang von 'I Feel Fine' erzeugt. Jedenfalls waren die Beatles die Ersten, die lange vor The Who und Jimi Hendrix Rückkoppelungen kontrolliert in ihren Sound einarbeiteten. Weiteres Neuland betrat die Band mit ihrer nächsten Single im Vorfeld ihres zweiten Klamauk-Films, Help!.
Der Song 'Ticket to Ride' mit seinem surreal anmutenden Text wurde später von John als "eine der frühesten Heavy-Metal-Aufnahmen überhaupt" bezeichnet. Es ist der massive, metallische Sound einer "Fender Stratocaster", der das Stück prägt. Paul McCartney spielt hier neben Harrison eine zweite Leadgitarre. Im Zusammenspiel mit dem schweren Rhythmus von Ringos Tom-Toms entsteht eine melodramatische, ja fast unwirkliche Atmosphäre, die es bis dahin in der Rockmusik noch nie in einem Song gegeben hatte. Er weist in seiner Mischung aus Lethargie und Verzückung auf die kommenden psychedelischen Stücke der Band wie 'Tomorrow Never Knows' hin. Das Wörtchen "sad", das in zahlreichen Beatles-Songs auftaucht, hat in 'Ticket to Ride' eine zentrale Bedeutung; durch die betörende Schwerfälligkeit des Rhythmus wird es auch klanglich übersetzt. Ian MacDonald spricht in Bezug auf Lennons Text von einer "betäubenden Passivität", weil der Sänger hier keinerlei Anstrengungen unternimmt, das Mädchen, das ihn verlassen will, umzustimmen oder zurückzuhalten. Kein Wunder, dass diese stilisierte Lethargie in der Lovesong-verseuchten Popkultur der 1960er Jahre ein schockierendes Novum war. Nicht zuletzt die Plattenfirma zweifelte zunächst am kommerziellen Erfolg der neuen Beatles-Single, war es doch die erste Platte der 'Fab Four', die die magische Grenze von drei Minuten überschritt. Doch Nummer-eins-Notierungen in den englischen und den US-Charts zerstreuten die Zweifel. Und wieder einmal spielte es keine Rolle, dass weder in der englischen Heimat noch in Amerika jemand den wahren Hintergrund des surrealistisch anmutenden Titels 'Ticket to Ride' verstand: Er entstammt einem Wortspiel des passionierten Sprachjongleurs Lennon, der nicht lange zuvor mit McCartney von Portsmouth mit der Fähre nach Ryde, einem Hafenstädtchen auf der Isle of Wight, gefahren war.
Vier Tage vor der Aufnahme, am 11. Februar 1965, hatten Ringo Starr und Maureen Cox den Bund fürs Leben geschlossen - in London wurden an jenem Tag Hunderte junger Mädchen in schwarzer Trauerkleidung gesichtet. Zehn Tage später verließen die Beatles England in Richtung Bahamas, um dort mit ersten Dreharbeiten für ihren zweiten Film zu beginnen. Der Filmfreak Ringo sollte seine schauspielerischen Fähigkeiten erneut unter Beweis stellen: "Die Handlung von Help! drehte sich um mich, das Motiv des Rings und natürlich um Kaili. Ich spielte die Hauptrolle und ich glaube, das lag an meiner Begeisterung für den ersten Film." Doch das Projekt - ursprünglich trug das Filmskript den Titel 'Eight Arms to Hold You' und war für Peter Sellers gedacht - stand unter keinem guten Stern. Trotz der erneuten Regie von Dick Lester war das Ganze schlampig organisiert und erschöpfte sich letztlich in einer albernen, zusammenhanglos wirkenden Szenenfolge, als ein "holiday picture". Schon die Wahl des Drehorts Nassau auf den Bahamas hatte einen kuriosen Grund: Aus steuerlichen Gründen war der Finanzberater der Beatles, Dr. Walter Strach, auf die Bahamas gezogen, und er überzeugte das Quartett, mit einem Besuch in der britischen Kronkolonie könne man doch dem Mutterland elegant seine Reverenz erweisen. Ihr anschließender Dreh in den österreichischen Alpen musste, da die Beatles bis dahin nie auf Skiern gestanden hatten, zwangsläufig in einem Schnee-Klamauk enden. Auch die dritte Station in den Londoner Twickenham-Filmstudios konnte den Film nicht mehr retten. Kein Wunder, dass die Beatles später bekannten, sie hätten sich wie Fremdkörper in ihrem eigenen Film gefühlt: "Wir wussten nie richtig, um was es eigentlich ging." In dem damals führenden Pop-Fachblatt New Musical Express schrieb Chris Hutchins: "Diese Top-World-Entertainer können sich in ihrem zweiten Film weder bewegen, noch können sie sprechen oder singen. Sie agieren wie Wachspuppen!" Schon die bemühte deutsche Titelgebung Hi-Hi-Hilfe! sagte alles.
Doch sechs Wochen vor der Film-Weltpremiere von Help! am 29. Juli 1965 sorgten die Beatles erneut für einen Skandal, der das festgefügte Klassensystem in England erschütterte. Denn im Juni hatte das britische Königshaus offiziell verkündet, man wolle dem Liverpooler Quartett wegen seiner Verdienste um das Ansehen Großbritanniens in der Welt den Orden "Member of the British Empire (M. B. E.)" verleihen. Zwar handelt es sich bei dieser Auszeichnung - 1917 von King George IV. eingerichtet und in Deutschland dem Bundesverdienstkreuz vergleichbar - um den untersten Rang in der britischen Ordenshierarchie, doch am Tag nach der Bekanntgabe brach unter den Ordensträgern ein Sturm der Entrüstung los. Zahlreiche M. B. E.-Inhaber schickten aus Protest gegen diese - in ihren Augen - "Entwertung" der Auszeichnung ihre Medaille zurück. Doch die offizielle Mitteilung des Buckingham Palace, die Beatles - als erste Rockband - zu "Members of the British Empire" zu ernennen, sorgte weltweit für Aufsehen und ließ die Plattenverkäufe der 'Fab Four' sprunghaft ansteigen. Trotz des kommerziellen Effekts war Brian Epstein tief deprimiert darüber, dass man nicht auch ihn für die Ordensverleihung vorgeschlagen hatte. Seinem Lebensgefährten Geoffrey Ellis gegenüber vermutete er, man habe ihn bewusst übergangen, weil er "schwul und jüdisch" sei. Doch die Presse sprang ihm zur Seite: M. B. E. stehe für "Mister Brian Epstein"!
Die Ordensverleihung selbst, am 26. Oktober 1965, entwickelte sich zu einer eher surrealen Veranstaltung voller kommunikativer Missverständnisse: Als Queen Elizabeth die silbernen Medaillen den Beatles überreichte, fragte sie zuerst Paul McCartney: "Wie lange ist die Band schon zusammen?" Der antwortete: "Oh, viele Jahre." Und Ringo ergänzte: "Vierzig Jahre, um genau zu sein." Dann wandte sich die Königin dem Schlagzeuger zu: "Haben Sie die Beatles gestartet?" Ringo erwiderte: "Nein, ich war der Letzte, der dazukam. Ich bin der Benjamin." Darauf sprach die Queen John an: "Mussten Sie hart für Ihren Erfolg arbeiten?" "Nein, wir waren die ganze Zeit im Urlaub", war seine lakonische Antwort.
Lennon hatte schon im Vorfeld die größten Schwierigkeiten mit der Ordensannahme - sie warfen ein Schlaglicht auf seine Identitätsprobleme. Zunächst gab er noch ironisch zu Protokoll: "Ich dachte immer, man bekäme diesen Orden, wenn man Panzer fährt und Kriege gewinnt." Als dann aber einige M. B. E.-Inhaber ihre Medaille aus Protest zurückschickten, fühlte sich Lennon verletzt und tönte, dass diese jetzt so entrüsteten Armeeangehörigen ihre Orden für das erfolgreiche Töten von Menschen bekommen hätten. "Wir erhielten unsere für Unterhaltung. Ich glaube deshalb, wir haben die Auszeichnung eher verdient."

© 2007 Philipp Reclam jun. Verlag Gmbh & Co., Stuttgart

Pressestimmen

Ist inzwischen eigentlich erforscht, warum manche Mädchen schreien, wenn sie sich in einer gewissen Nähe zu verehrten Popstars aufhalten und welcher Popstar der erste war, der je so angeschrieen wurde? Oder sind wir hier auf eine der zahlreichen Wissenslücken gestoßen, die der Bearbeitung harren? (...) Peter Kempers lesenswertes Buch über die Beatles beantwortet diese Frage nicht, aber es regt sie an und wirft sie auf, und Fragen anzuregen und aufzuwerfen, ist eine große Leistung auf einem Terrain, das sich allgemeiner Bekanntheit zu erfreuen scheint.
Frankfurter Rundschau

Die Geschichte der Beatles ist unzählige Male erzählt worden, und Lennon-Biograf Peter Kemper ist es nun gelungen, das Wesentliche sachlich und unterhaltsam zusammenzufassen. (...) Ein Lesevergnügen auch für Menschen, die glauben, schon alles über die Beatles zu wissen.
Stuttgarter Nachrichten

Von 1962 bis 1970 nur gab es die Beatles, ein vergleichsweise winziger Zeitraum für eine so große, so nachhaltige Wirkung. (...) Peter Kemper verfolgt den Weg dieser Band und gewährt den Lesern in seinen intelligenten Exkursen einen Einblick in die Gedankenwelt und in die Gegenkultur der damaligen Zeit. (...) Dieses handliche Büchlein, das auch eine weiterführende Literaturliste, und, natürliche, eine Diskografie bietet, ist auch deshalb so inspirierend, weil Peter Kemper spürbar über das Handwerk verfügt, Popsongs zu analysieren.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung

1962 hatten die vier Pilzköpfe mit 'Love me do' ihren ersten großen Erfolg, 1970 hatten sie sich derartig zerstritten, dass sie die Auflösung der Band bekannt gaben. Die unvergessliche Zeit dazwischen erweckt Peter Kemper in seinem Buch 'The Beatles' zum Leben.
Nordsee-Zeitung


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