Brant, Sebastian: Das Narrenschiff

Brant, Sebastian: Das Narrenschiff

Hrsg., Anm. u. Nachw.: Mähl, Hans-Joachim. Übers.: Junghans, H. A. 536 S. 115 Abb.
ISBN: 978-3-15-000899-7
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Sebastian Brant war um 1500 herum der berühmteste Autor deutscher Sprache. Niemals bis zu Goethes Werther hin ist einem literarischen Werk deutscher Sprache ein so durchschlagender Erfolg und eine so nachhaltige Wirkung beschieden gewesen wie dem 1494 zu Basel erschienenen Narrenschiff Sebastian Brants. Mit der Figur des Narren, die er in der Literatur etablierte, löste Brant eine regelrechte Welle der Narrenliteratur aus. Brants Narren stiften nicht einfach nur karnevaleske Späße, sie stoßen die Erkenntnis und die Kritik von Torheit an – ein humanistisches Anliegen. Die Ausgabe enthält neben dem Text über hundert Holzschnitte, Verbildlichungen, die für den einschlagenden Erfolg maßgeblichen Beitrag leisteten.
Sebastian Brant, 1457 Straßburg – 10. 5. 1521 ebd.
Der aus einer Straßburger Ratsherren- und Gastwirtsfamilie stammende B. studierte in Basel klassische Sprachen und Jura (Lizentiat 1483/84); danach lehrte er hier Kirchen- und Zivilrecht sowie Poesie. Er promovierte 1489 zum Doktor beider Rechte, wurde Dekan der juristischen Fakultät (1492) und 1496 Professor für römisches und kanonisches Recht. 1500 kehrte B. nach Straßburg zurück; 1501 übernahm er das Amt des Syndikus, 1503 wurde er Stadtschreiber. Als Berater, Korrektor und Lektor war er wesentlich an der Baseler Buchproduktion zwischen 1480 und 1500 beteiligt (Editionen u. a.). In seinem dichterischen Schaffen bediente sich B. zunächst der lat. Sprache. Thematische Schwerpunkte seiner Sammlungen neulat. Lyrik sind die Marien- und Heiligenverehrung und die bedrohliche politische Situation, der Maximilian, Adressat zahlreicher Lobgedichte, begegnen soll. Mit der Hinwendung zum Deutschen suchte er ein breiteres Publikum zu erreichen. Dies gelang ihm mit einer Reihe von illustrierten Flugblättern mit lat. und dt. Texten über sensationelle Naturereignisse sowie politische und religiöse Themen (zwischen 1488 und 1504), v. a. jedoch mit der Moralsatire Das Narrenschiff, seinem überaus erfolgreichen, ins Lateinische und zahlreiche europäische Volkssprachen übersetzten Hauptwerk. Es porträtiert in 112 (in späteren Auflagen 114) lose aneinandergereihten Kapiteln (paarweise gereimte Vierheber) im Rahmen einer Narrenschifffahrt einen ganzen Narrenkosmos, um den Leser zur Einsicht in seine Unvernunft und damit zur Selbsterkenntnis als Voraussetzung der Überwindung der ›Narrheit‹, der menschlichen Gebrechen und Laster, zu bringen.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.