Gotthelf, Jeremias: Elsi, die seltsame Magd. Der Besenbinder von Rychiswyl

Gotthelf, Jeremias: Elsi, die seltsame Magd. Der Besenbinder von Rychiswyl

72 S.
ISBN: 978-3-15-007747-4
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In Jeremias Gotthelfs 1843 erschienener Novelle Elsi, die seltsame Magd muss die stolze Müllerstochter Elsi plötzlich den finanziellen Ruin ihrer Familie erleben; mit stiller Würde nimmt sie die Schuld ihres verschwenderischen Vaters als eigene Schande auf sich und begibt sich als unbekannte, heimatlose Magd in fremden Dienst. Wie in kaum einer anderen seiner Novellen hat Gotthelf einen Konflikt bis zur tragischen Ausweglosigkeit verschärft.

Der Besenbinder von Rychiswyl (1852) ist dagegen eine "ans Märchenhafte grenzende Idyllnovelle" (Sengle). Gotthelf erzählt hier die Geschichte des armen Hausierers Hansli, der es durch Fleiß und Strebsamkeit und eine tüchtige Frau zu bescheidenem Wohlstand bringt – und schließlich durch eine Erbschaft sogar noch zu Reichtum gelangt.
Jeremias Gotthelf (d. i. Albert Bitzius), 4. 10. 1797 Murten (Kanton Fribourg) – 22. 10. 1854 Lützelflüh (Kanton Bern).
G. stammte aus einem Pfarrhaus, besuchte das Gymnasium in Bern (1812–14) und studierte anschließend bis 1820 Theologie an der Berner Akademie. Er unterbrach seine Vikariatszeit bei seinem Vater in Utzenstorf (Oberaargau) durch einen Studienaufenthalt in Göttingen und eine Reise durch den Norden Deutschlands (1821– 1822). Danach war er wieder Vikar in Utzenstorf; nach dem Tod seines Vaters wurde er 1824 nach Herzogenbuchsee, 1829 nach Bern und 1831 nach Lützelflüh im Emmental versetzt; hier erhielt er 1832 eine Pfarrstelle. Sein politisches Engagement für den Liberalismus fand mit der Verfassung von 1831 ein Ende; sie verbot Geistlichen die politische Betätigung. Stattdessen trat er in der Nachfolge J. H. Pestalozzis und der Schweizer Volksaufklärung für die Verbesserung des Erziehungswesens und der sozialen Verhältnisse ein; seine Kritik an der Berner Erziehungspolitik trug ihm 1845 die Entlassung als Schulkommissär seines Bezirks ein. Sein Pseudonym als Schriftsteller ist seinem ersten Roman entnommen (Der Bauern-Spiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf). Hier und in den folgenden frühen Romanen und Erzählungen, die die Seelsorge auf der literarischen Ebene fortsetzen, dominiert die drastische Kritik an sozialen Missständen, an Pauperismus und Alkoholismus. Mit Uli dem Knecht gelangte G. zu einer episch-breiten, gelassenen Darstellung des Bauerntums seiner Zeit, wobei sich der pädagogische Anspruch in der Gegenüberstellung exemplarischer Verhaltensweisen und Lebenshaltungen in positivem und negativem Sinn niederschlagen. G.s Romane spiegeln dabei, mit zunehmend konservativer Tendenz, die sozialen und ideologischen Konflikte, die aus der industriellen Revolution, aus dem Vordringen des modernen Zeitgeists in Bezug auf Religion, Wissenschaft, Geldwirtschaft in die agrarische Welt resultierten. Repräsentativ für G.s Erzählen mit seiner plakativen Gegenüberstellung von Gut und Böse und seinem rhetorisch-biblischen Stil ist die Erzählung Die schwarze Spinne, die den ersten Band seiner Bilder und Sagen aus der Schweiz eröffnet.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.