Walser, Robert: Kleine Wanderung

Walser, Robert: Kleine Wanderung

Geschichten. Nachw.: Heckmann, Herbert. 71 S.
ISBN: 978-3-15-008851-7
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"Man braucht nicht viel Besonderes zu sehen. Man sieht so schon viel." Derart programmatisch endet eine von Robert Walsers Prosaminiaturen, die Kleine Wanderung, und solche Betrachtung beim Spaziergang steht beispielhaft für die Sehweise, vielleicht sogar für die Existenzform dieses Autors.
Robert Walser, 15. 4. 1878 Biel (Schweiz) – 25. 12. 1956 Herisau (Schweiz).
Der Sohn eines Kaufmanns und Buchbinders machte eine Banklehre in Biel (1892–95), arbeitete dann drei Monate in einer Bank in Basel. Danach war er in verschiedenen Berufen in Deutschland und in der Schweiz tätig. 1905–13 wohnte W. in Berlin bei seinem Bruder, einem erfolgreichen Maler und Bühnenbildner, und etablierte sich als freier Schriftsteller. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz lebte er zunächst wieder in Biel, seit 1921 in Bern. 1929 ging er freiwillig in die Heilanstalt Waldau bei Bern, arbeitete aber weiter. Als er 1933 gegen seinen Willen in die Heilanstalt Herisau überführt wurde, hörte er auf zu schreiben. 1936 besuchte ihn der Kritiker und Schriftsteller Carl Seelig (1894–1962) zum ersten Mal; 1944 übernahm er die Vormundschaft. Nach ersten Gedichten und Prosastücken vor und nach der Jahrhundertwende gelang W. in Berlin mit seinen drei Romanen (Geschwister Tanner, Der Gehülfe, Jakob von Gunten) der literarische (nicht finanzielle) Durchbruch. Sie nehmen autobiographische Momente auf und stellen Helden in den Mittelpunkt, die sich – obwohl schwach und machtlos – der Anpassung an die Welt bürgerlicher Tüchtigkeit und ihrer Institutionen verweigern. Dabei schafft W.s Erzählen eine heitere, das alltägliche Leben verklärende Atmosphäre, die etwas Traum- und Märchenhaftes hat und durch die gleichwohl die gesellschaftliche Realität durchscheint. Erzählt Geschwister Tanner vom Leben im Angestelltenmilieu und der Gehülfe von der Arbeit bei einem skurrilen, erfolglosen Ingenieur und Erfinder (etwa einer »Reklame-Uhr«) und dem Reifungsprozess des jungen Protagonisten Joseph Marti, so ist Jakob von Gunten eine Art Anti-Bildungsroman ohne eigentliche Handlung: Es geht um ein etwas merkwürdiges Lehrinstitut in Berlin, das sich schließlich auflöst, und – möglicherweise – um einen Aufbruch des Helden zu neuer Freiheit. Auch hier verfremdet W. die Realität ins Spielerisch-Naive, hinter dem das Abgründige lauert. Die Momente des Traumhaften und Surrealen erinnern an Kafka, der den Roman »ein gutes Buch« nannte. Ein weiterer Roman, 1925 entstanden, wurde aus dem Nachlass veröffentlicht (Der Räuber). Neben den Romanen verfasste W. eine große Zahl von kleinen Prosastücken, impressionistische Miniaturen, die in Zeitungen, Zeitschriften und Sammelbänden erschienen und seine große Kunst des Kleinen demonstrieren. Dafür stehen auch seine »Mikrogramme«, die in der Heilanstalt entstanden und aus dem Nachlass ediert wurden.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.