Valentin, Karl: Buchbinder Wanninger

Valentin, Karl: Buchbinder Wanninger

Sprachclownerien und Grotesken
Hrsg.: Bachmaier, Helmut
102 S. 5 Abb.
ISBN: 978-3-15-008941-5
4,40 €

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Karl Valentin, der Münchner Sprachclown, betreibt in seinen Texten ein hintersinniges Spiel mit den Worten und den Bedeutungen. Er geht dabei den Fragen nach, was wir sagen, denken oder wissen können und was nicht.
Mit Grotesken, Satiren und Nonsens hat der Querdenker Valentin die Geschichte der komischen Literatur bereichert.
Monologe und Artikel
Das Aquarium
Im Gärtnertheater
Der Liebesbrief
Auf dem Marienplatz
Der Regen
Karl Valentins Olympiabesuch
Erste Narrenrede
Der Weltuntergang
Ich mische mich in die Nichteinmischung mitten hinein!
Die Geldentwertung
Gegenwart
Schlechter kann´s uns nimmer geh´n

Dialoge und Szenen
Am Heuboden
Semmelnknödeln
Die Fremden
Streit mit schönen Worten
Buchbinder Wanninger
Nein
Die gestrige Zeitung
Vater und Sohn über den Krieg
Ihr Kampf
Der Firmling

Aus: Die Raubtiere vor München
Der Ententraum
Episode

Couplets
Expressionistischer Gesang
Das futuristische Couplet

Karl Valentin über sich selbst
Karl Valentin (d. i. Valentin Ludwig Fey), 4. 6. 1882 München – 9. 2. 1948 Planegg bei München.
Der Sohn eines Möbelspediteurs, in dessen Haus hochdt. gesprochen wurde, machte eine Schreinerlehre und besuchte gleichzeitig eine Varietéschule. Nach dem Tod des Vaters (1902) übernahm er den Betrieb, musste ihn aber 1906 mit Verlust verkaufen. Danach ging er mit einem selbstgebauten großen Orchestrion als Volkssänger auf Tournee (Halle, Leipzig). Erfolg hatte er erst, als er 1907 mit dem Stegreifmonolog Das Aquarium den Text in den Mittelpunkt seiner Darbietungen stellte. Er erhielt ein Engagement an der Volkssängerbühne des »Frankfurter Hofs« in München; hier lernte er 1911 Liesl Karlstadt (d. i. Elisabeth Wellano) kennen, mit der er bis 1939 regelmäßig auftrat. Von 1922 an bestritt er Nachtvorstellungen in den Münchner Kammerspielen mit eigenem Programm; Gastspiele gab er v. a. in Berlin und Wien. 1934 steckte er sein Vermögen in ein Anti-Museum, das »Panoptikum«, das bald wegen Erfolglosigkeit schließen musste. 1939 eröffnete er mit einer neuen Partnerin ein Kellerlokal, das er jedoch 1940 auf Druck der Nationalsozialisten wieder schließen musste. Er trat bis Kriegsende nicht mehr auf, danach nur noch selten. V. schrieb mehr als 500 Texte – Monologe, Dialoge, Szenen, Couplets –, die er allerdings bei den Aufführungen ständig veränderte. Das erfolgreichste Stück mit Hunderten von Aufführungen wurde die Orchesterprobe (1921). Ausgangspunkt der Texte sind Alltagssituationen oder -ereignisse (oder auch der festliche Ausnahmezustand: Das Brillantfeuerwerk, 1926), die dann durch groteske Verzerrungen und Paradoxien ihrer Selbstverständlichkeit beraubt werden und die Widersprüchlichkeit und Abgründigkeit des Lebens sichtbar machen. Wichtigstes Mittel ist dabei, neben der Darstellungskunst V.s, das Spiel mit der Sprache und ihrer Mehrdeutigkeit. Statt Kommunikation findet hier die Demonstration der Unmöglichkeit von Kommunikation statt. Affinitäten zum absurden Theater bestehen. Zahlreiche Filme und Tonaufnahmen dokumentieren V.s Arbeit.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.