Hinck, Walter: Gesang der Verbannten. Deutschsprachige Exillyrik von Ulrich von Hutten bis Bertolt Brecht

Originalausgabe
200 S. Geb. mit Schutzumschlag. Format 12,2 x 19,5 cm
ISBN: 978-3-15-010835-2
Walter Hinck, der große Germanist und Literaturkritiker, zieht mit diesem Buch eine Summe seiner Forschungen, die sich in der Biographie des Literaturwissenschaftlers von einer Initialzündung anlässlich Brechtscher Lyrik bis zu einer Abschiedsvorlesung über Heinrich Heine spannen, oder anders gesagt, in denen die Exilerfahrung von Dichtern und besonders ihre Verarbeitung in der Lyrik immer einen wichtigen thematischen Fokus bildete. Die Geschichte der deutschen Literatur ist unseliger Weise »reich« an aus politischen Gründen ins Exil getriebenen Autoren. Aber deren Erfahrungen sind nicht nur traumatisch – Vertreibung, Fremdheit, im schlimmsten Fall doch Verfolgung und Tod –, sie können auch befreiend und die schöpferische Kraft anregend wirken. Darin liegt ein historischer Trost, dass der gewalttätige Versuch, unliebsame Autoren zum Schweigen zu bringen, die Verbannten umso beredter machte.
Vorwort

I Der streitbare Humanist der Zeitenwende. Ulrich von Hutten im Exil

II Exillyrik im 19. Jahrhundert. Demokratische Opposition
1. Deutschland als Exilland für Verjagte
2. Der politische Proteus: Ferdinand Freiligrath
3. Der aus dem »Enthusiasmusdunst« heraustretende Revolutionär: Georg Herwegh
4. Der gespaltene Republikaner: Johann Gottfried Kinkel
5. Exkurs: Exilparabel? Das Antimärchen in Georg Büchners Woyzeck

III Weckrufe aus Paris. Heinrich Heine
1. Emigration oder Exil?
2. Paris und Deutschland-Nostalgie
3. Deutschland-Satire. Siegfrieds neue ›Mission‹
4. Das Zeitgedicht als Weckruf
5. Deutschland, die fromme Kinderstube
6. Schwarz-Rot-Gold
7. Wider die Geschichtsschreibung der Sieger
8. Das »Elend« des Exils
9. Das Pariser Exil als ›Glücksfall‹
10. Große Verskunst

IV Vom Hitler-Regime vertrieben
1. Exil oder Emigration?
2. Aufbruch ins Exil
3. Der Sonderfall »literarisches Ghetto«
4. Orte des Exils
5. Gebrochenes Heimweh
6. Deutschland-Gedichte
7. Leidensgeschichte und lyrisches Epitaph
8. »Das Wort gebricht« – »im Worte wohnen«

V »Öfter als die Schuhe die Länder wechselnd«. Bertolt Brecht
1. Verjagt mit gutem Grund?
2. Atemholen auf der Flucht
3. Der echolose Exilautor
4. Im kalifornischen Garten und in den
Produktionsstätten des Hollywood-Films
5. Deutschland-Gedichte und Heimkehr – Brechts Kontroverse mit Thomas Mann
6. Poetik und Exillyrik
7. Appell an unser Geschichtsbewusstsein: An die Nachgeborenen

VI Nachwort: Exilerfahrung als schöpferischer Antrieb

VII Bibliographische Hinweise und Anmerkungen