Walther von der Vogelweide: Gedichte. Eine Auswahl

Neuedition, Neuübersetzung
Mhd./Nhd. Hrsg., Übers. und Komm.: Brunner, Horst
Reclam Bibliothek. Leinen mit Schutzumschlag, Fadenheftung, Kapital- und Leseband. Format 12 x 19 cm. 316 S.
ISBN: 978-3-15-010880-2
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Von Walther von der Vogelweide als dem größten Lyriker vor Goethe zu sprechen ist nicht falsch. (Es gibt auch Leute, die ihn gern mit Paul McCartney vergleichen würden.) Aber den Lyrikliebhabern ist Walther in der Zwischenzeit verloren gegangen, man erinnert sich allenfalls dunkel an »Ich saz uf eime steine«, vielleicht schon nicht mehr an »Owe war sint verswunden alle mine jar«. Denkt noch jemand daran, was »Under der linden« geschah? Unter den Linden würde es zum Skandal. Diese Auswahl von Walthers besten Liebesliedern sowie seinen politischen, zeitkritischen und satirischen Gedichten will der Erinnerung aufhelfen, und zwar mit nach den Handschriften neu edierten Texten, neuen Übersetzungen und knappen, das Verständnis erleichternden Kommentaren. Leichter ist es noch nie gewesen, Walther kennenzulernen. Tanderadei!
Vorwort
Verzeichnis der Handschriften und der Handschriftensiglen
Zeittafel

Sangsprüche
Sprüche für und an König Philipp von Schwaben
Sprüche an Kaiser Otto IV.
Sprüche gegen Papst Innozenz III. und den Klerus
Sprüche an und für Kaiser Friedrich II.
Sprüche an und über Fürsten
Persönliches
Religiöse und lehrhafte Sprüche

Lieder
Liebeslieder
Das Preislied
Liebe, höfische Kultur, Zeitkritik
Winter- und Sommerlieder, scherzhafte und erotische Lieder
Auseinandersetzungen mit Dichterkollegen
Kreuzzugslieder
Späte Lieder
Lesarten

Anhang
Zu dieser Ausgabe
Textarten
Zu den Melodien
Kommentar
Literaturverzeichnis
Nachwort
Alphabetisches Verzeichnis der Strophenanfänge
Konkordanz der Liednummern in den Ausgaben Brunner und Lachmann
Walther von der Vogelweide, um 1170 – um 1230.
Nach eigener Angabe lernte W. in Österreich »singen unde sagen«. Über Geburtsort und Stand gibt es keine sicheren Angaben; ungeklärt ist, ob sein Beiname Herkunfts- oder Künstlername ist. Bis 1198 war er dem Hof des Babenberger Herzogs Friedrich I. in Wien verbunden; nach dem Tod seines Gönners verließ er Wien und hielt sich – wie sich aus seiner Sangspruchdichtung schließen lässt – an den Höfen des Stauferkönigs Philipp (1198– 1201) und des Welfen Otto IV. (1212/13) sowie im Umkreis Kaiser Friedrichs II. (ab etwa 1213), dem er in einem Spruch um 1220 für ein Lehen dankte, und verschiedener Fürsten- und Adelshöfe (z. B. bei Hermann v. Thüringen) auf. Der einzige sichere außerliterarische Beleg zeigt ihn in der Umgebung des Bischofs von Passau, Wolfger v. Erla, der »Walthero cantori de Vogelweide« am 12. 11. 1203 bei Zeiselmauer (in der Nähe Wiens) fünf große Schillinge für einen Pelzrock auszahlte. Nach einer Notiz in einer Handschrift des 14. Jh.s soll W. im Kreuzgang des Würzburger Stifts Neumünster begraben sein. W. war bereits im Mittelalter als größter dt. Minnesänger und Sangspruchdichter anerkannt. Er führte die Spruchdichtung an das formale Niveau des Minnesangs heran, erweiterte das traditionelle moralisch-didaktische Themenspektrum und machte dabei die Spruchdichtung zu einem Medium der Diskussion aktueller politischer Fragen und der grundsätzlichen politischen Orientierung (z. B. in den Reichstonsprüchen ) sowie z. T. ätzender politischer (z. B. antipäpstlicher) wie persönlicher Polemik und Satire. Als Minnesänger begann er – etwa um 1190 – im Stil Reinmars und der Hohen Minne; er löste sich jedoch bald von dieser Konzeption – sichtbar etwa in der so genannten ›Walther-Reinmar-Fehde‹ – und erprobte Auswege aus den stereotyp gewordenen Situationen der klagenden Minne. Er setzte dem Konzept der einseitigen Liebe (und dem ästhetisierenden Leiden Reinmars) die Forderung nach (möglicher) Gegenseitigkeit der Liebe entgegen, wobei die Skala von Liedern mit Anklängen an die Pastourelle und ihrer Darstellung der Liebe zu einer sozial nicht ausgezeichneten Frau in einer idyllischen Natur bis zu Liedern der eine ›Herrin‹ verehrenden ›Hohen Minne‹ reicht. Darüber hinaus gibt es differenzierende Lieder, die in der höfischen Sphäre bleiben, doch den Begriff Frau (»wîp«) über den Standesbegriff Herrin (»frouwe«) stellen und ein liebendes Entgegenkommen möglich erscheinen lassen. Eine ›Entwicklung‹ wird man trotz der verschiedenen Akzentuierung des Liebesthemas kaum annehmen können. Neben den Liebesliedern stehen Klagen über den Verfall rechter höfischer Kunst und Lieder mit religiöser Thematik, die v. a. dem Spätwerk angehören, darunter ein streng sakraler Marienleich, Lieder mit Kreuzzugsmotiven, Lieder des Rückblicks, Gedichte der Weltabsage.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.