plauen, e. o.: Vater und Sohn

150 Bildgeschichten
Nachwort: Schulze, Elke
188 S.
12 Abb. im Nachwort
Geb. Format 21,5 x 27 cm
ISBN: 978-3-15-011011-9
16,95 €

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Das Gespann des gutmütigen, nur manchmal aufbrausenden Vaters und des verschmitzten, immer wieder einer unerwarteten Idee folgenden Sohns ist ein Klassiker: Generationen von Kindern wuchsen mit den hinreißenden Bildergeschichten auf. Ursprünglich erschienen sie 1934 bis 1937 in der Berliner Illustrierten Zeitung. Für den Nazi-Gegner Erich Ohser aus Plauen (= e. o. plauen) waren diese unpolitischen Zeichnungen die Grundlage seiner bürgerlichen Existenz. Gerettet haben sie ihn nicht: 1944 wurde er wegen »Wehrkraft-Zersetzung« verhaftet; in der Nacht vor Prozessbeginn erhängte er sich in seiner Zelle.Die Ausgabe reproduziert alle drei Originalbände der »Vater und Sohn«-Geschichten aus den Jahren 1935, 1936 und 1937 in Originalgröße. Das Nachwort von Elke Schulze führt in sein Leben und sein Gesamtwerk ein, das mit Porträts, politischen Karikaturen und Landschaften deutlich umfangreicher ist, als man gemeinhin erwartet. Auch von diesem Schaffen finden sich im Nachwort Beispiele.
Vater und Sohn
50 lustige Streiche und Abenteuer
50 neue Streiche und Abenteuer
Noch 50 lustige Streiche und Abenteuer


Anhang
Zu dieser Ausgabe
Nachwort

Elke Schulze, geboren 1967 in Erfurt, ist seit 2010 Vorstand der Erich Ohser – e. o. plauen Stiftung in Plauen und betreut den künstlerischen Nachlass.

 

Interview mit Elke Schulze zu Vater und Sohn. 150 Bildgeschichten

Erich Ohser, alias e.o. plauen, war ein ambivalenter Künstler – scharfer politischer Karikaturist auf der einen Seite, Illustrator der menschenfreundlichen und liebevollen »Vater und Sohn«-Bildgeschichten auf der anderen. Wie erklären Sie sich diese Zerrissenheit des Künstlers? Was ist daran besonders?

Tatsächlich war nicht nur das künstlerische Werk Ohsers von Ambivalenzen durchzogen, sondern auch die Künstlerpersönlichkeit selbst. Seine Weggefährten beschreiben ihn als zartfühlend und verletzlich, andererseits war er ein gnadenloser Spötter und scharfer Kritiker. Er kommentierte den Lauf der Welt mit unzähligen Witzen und Karikaturen, zugleich war er immer wieder auch von tiefer Traurigkeit und Weltekel erfüllt. Fallada bringt diese Widersprüchlichkeit in ein schönes Bild, wenn er über Ohser formuliert, er sei ein »Elefant, der seiltanzen konnte«.

Bis zu seinem Tod hatte Ohser ein enges Verhältnis zu seinem einzigen Sohn Christian. Wie beeinflusste diese Beziehung seine »Vater und Sohn«-Zeichnungen?

Erich Ohser wurde schon zu Lebzeiten nach den Impulsen gefragt, die in die »Vater und Sohn«-Geschichten eingeflossen sind. Er verwies auf sein liebevolles Verhältnis zu seinem Vater und auf die eigene glückliche Kindheit, Erinnerungen, die seine Freude am eigenen Sohn provoziert hatten. Es sind ja beide Perspektiven für die »Vater und Sohn«-Geschichten gleich entscheidend: die Sichtweise des Vaters und die Sichtweise des Sohnes.

Erich Ohser galt bzw. gilt als humanistischer Comic-Zeichner. Seine »Vater und Sohn«-Zeichnungen werden heute immer noch sowohl in Schulen als auch privat betrachtet – und das international. Was macht für Sie die Aktualität bzw. Zeitlosigkeit der Zeichnungen aus?

Das ist für mich erstens im utopischen Gehalt der Geschichten begründet, sie erzählen vom Triumph der Liebe und der Kraft der Phantasie, die alle Kleinheit, Dummheit des Lebens überwinden und aus allen Unbillen des Alltags liebevolle Abenteuer machen. Es ist aber zweitens auch durch ihre Form motiviert, die so scheinbar unkomplizierten Bildgeschichten, leicht verständlich, sind bei genauerem Hinsehen Meisterwerke der Zeichenkunst.

Zu Ohsers Gesamtwerk: Seine Zeichnungen reichen von politischen Karikaturen über Selbstbildnisse, Skizzen der Pflanzen- und Tierwelt und Familienportraits bis hin zu seinen bekannten »Vater und Sohn«-Zeichnungen. Dabei verwendet er verschiedenste zeichnerische Techniken wie Tusche, Tinte, Aquarell oder Buntstifte. Worin sehen Sie die Einheitlichkeit von Ohsers Oeuvre. Was macht sein zeichnerisches Werk aus?

Das leidenschaftliche Bekenntnis zur Zeichnung ist sicher die Grundlage des künstlerischen Werks Erich Ohsers. Ihn trieb eine staunenswerte Neugier auf alles Sichtbare um, die in eine große schöpferische Produktivität führte, wobei sein Interesse radikal seiner unmittelbaren Umgebung, seiner Gegenwart zugewandt war. Er verarbeitet Anregungen der Moderne und lässt sich von Kinderzeichnungen inspirieren, dabei entwickelt er eine so reichhaltige wie eigenwillige zeichnerische Bildsprache.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was waren Ihre ersten Berührungspunkte mit Erich Ohser?

Meine erste Begegnung reicht in meine Kindheit zurück: meine Großeltern hatten im Bücherschrank eine Ecke mit Witzbüchern, die ich besonders liebte – und da stand auch ein Band mit den »Vater und Sohn«-Geschichten. Der erste »Vater und Sohn«-Band, den ich mir schließlich selbst gekauft hatte, war von Reclam. Ich bin in einem Berliner Museumsshop unverhofft darauf gestoßen und habe mich sehr gefreut, den Gefährten meiner Kindheit wieder zu begegnen. Da konnte ich nicht ahnen, dass mich das Thema auch einmal beruflich beschäftigen würde. Wer diese Geschichten einmal in sein Herz geschlossen hat, der vergisst sie nicht so schnell wieder, das ging mir genauso wie den vielen Freunden von »Vater und Sohn« in aller Welt bis heute!