: Erläuterungen und Dokumente zu: Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame

Erläuterungen und Dokumente zu: Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame

Hrsg.: Huntemann, Willi
160 S.
ISBN: 978-3-15-016071-8
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Dürrenmatts Theaterklassiker, erstmals 1956 aufgeführt, fasziniert durch seine genau kalkulierte theatralische Umsetzung des Rachemotivs: Claire Zachanassian kehrt als Multimillionärin und alte Frau nach Güllen zurück, jenes inzwischen heruntergekommene Bergdorf (dessen wirtschaftlichen Niedergang sie von außen eingeleitet hat). Dort fordert sie den Tod des Krämers Ill, der sie einst mit einem Kind sitzen gelassen und sie als Flittchen denunziert hatte. Der genaue Zeilenkommentar, die angeführten Interpretationen sowie z.B. die Hinweise auf die zahlreichen, berühmten Verfilmungen erleichtern dem Leser das Verständnis dieses wichtigen Stückes.
I. Kommentar, Wort- und Sacherklärungen

II. Dokumente zur Entstehungsgeschichte

III. Dürrenmatt über poetologische Fragen
1. Dramatische Schreibweise
2. Komödie und Tragödie
3. Das Groteske und der Humor

IV. Dokumente zur Rezeptionsgeschichte
1. Theaterrezeption
2. Filmadaptationen
3. Opernbearbeitung
4. Literaturwissenschaftliche Rezeption

V. Literaturhinweise


Friedrich Dürrenmatt, 15. 1. 1921 Konolfingen bei Bern – 14. 12. 1990 Neuchâtel.
Nach dem Abitur 1941 in Bern studierte der Pfarrerssohn Philosophie, Literatur und Naturwissenschaften in Zürich und Bern, brach aber das Studium nach zehn Semestern ab und begann zu schreiben und zu malen bzw. zu zeichnen. Von 1946 bis 1948 lebte er in Basel, dann in Ligerz am Bielersee und seit 1952 in Neuchâtel. Aus den anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten verhalfen ihm Kriminalromane und Hörspiele, bis dann die großen Theatererfolge einsetzten. 1968–69 leitete er zusammen mit Werner Düggelin das Basler Theater, ein Versuch, der im Streit scheiterte. 1986 erhielt er den Georg-Büchner-Preis. Nach seinem ersten Stück, dem Wiedertäuferdrama Es steht geschrieben (UA 1947), fand D. mit Romulus der Große (UA 1949) zu der ihm gemäßen dramatischen Form, der Komödie. Aus dem heutigen Weltzustand, der durch Vermassung, Bürokratisierung, undurchsichtige Machtstrukturen, ungeklärte Verantwortlichkeiten den Charakter eines verwirrenden Labyrinths angenommen habe, in dem sich der Mensch unweigerlich verirre, sei allein die Komödie in der Lage, die notwendige Distanz zu vermitteln: »Uns kommt nur noch die Komödie bei«, resümierte er in den Theaterproblemen von 1954. Gezeigt wird eine groteske Welt – in manchen Stücken (Die Physiker, Achterloo) erscheint sie ausdrücklich als Irrenhaus –, auf die das Theater mit den Mitteln der Groteske antwortet, sie aber nicht verändern kann. Diese Sicht der Dinge bestimmt, mit zunehmend bitter werdendem Gelächter, die grotesken Komödien von Romulus über den Welterfolg Der Besuch der alten Dame zu der Darstellung der Weltgeschichte als Amoklauf, Schlachthaus oder Irrenanstalt und der Macht als grundsätzlich krimineller Veranstaltung in den Physikern, den Shakespeare-Bearbeitungen und den späten Stücken. Eine Geschichte sei erst dann zu Ende gedacht, beschrieb D. sein dramatisches Verfahren, »wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat«. Er verstand sich durchaus als Moralist, der durch seine dramatisch-spielerischen Gegenentwürfe zur Realität dazu beizutragen suchte, im Menschen das Bewusstsein seiner Freiheit zu wecken, wobei diese Freiheit sich nicht zuletzt – das zeigen auch die Stücke selbst – im Scheitern verwirklicht. Fragen von Recht und Gerechtigkeit spielen dabei immer wieder eine Rolle, auch in den Kriminalromanen, mit denen D. dem Genre eine eigene, die übliche Fortschrittsgläubigkeit unterlaufende Note gibt.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.