Meid, Volker: Grimmelshausen

Meid, Volker: Grimmelshausen. Leben, Werk, Wirkung

223 S. 25 Abb.
ISBN: 978-3-15-017682-5
6,80 €

inkl. MWSt., ggf. zzgl. Versandkosten
Versandkostenfrei in D ab einem Bestellwert von EUR 25

Lieferung zwischen Freitag, 23.11.2018, und Montag, 26.11.2018.

Informationen zu Bestellung, Vertragsschluss, Zahlung, Widerruf

Als Autodidakt und ziemlich unordentlich gebildeter Schultheiß ist Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen der große Außenseiter im bildungsversessenen barocken Literaturbetrieb. Vielleicht liegt es gerade daran, dass er wie kein anderer Autor des 17. Jahrhunderts im kulturellen Gedächtnis präsent geblieben ist. Der Simplicissimus gehört nicht nur zu den großen Beiträgen deutscher Sprache zur Weltliteratur, er erlaubt bis heute Generationen von Lesern einen (anscheinend?) direkten Einblick in das Leben und Denken der Menschen in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Gleichwohl ist auch dieser Außenseiter nur historisch zu verstehen, und das unternimmt Volker Meid in einer Gesamtschau des Grimmelshausenschen Werks und aller seiner Interpretationsprobleme auf gegenwärtigem Forschungsstand.
I.Vom Werden eines Schriftstellers

II. Vollendung: Das Hauptwerk
1. Pikaroroman und roman comique
2. Satireprogramme
3. Fiktive Autobiographie und Satire
4. Von der Schwierigkeit, ein Ende zu finden
5. Spannungen: Allegorie, Wirklichkeit, Utopie
Privilegien versus Leistung
Baldanders und der Schermesser-Diskurs
Utopische Welten
6. Erzählprobleme und Romanform

III. Die ›Fortsetzungen‹
1. Die Zyklusfrage
2. Die Texte
Courasche
Springinsfeld
Das wunderbarliche Vogel-Nest I
Das wunderbarliche Vogel-Nest II

IV. Weitere simplicianische Schriften
1. Kalender und Kalendergeschichten
2. Kleinere simplicianische Schriften
Verkehrte Welt
Der stoltze Melcher
Rathstübel Plutonis
Teutscher Michel

V. Erbauung, Moral, Politik
1. Die erbaulichen Romane
2. Der Kontext
Der Staatsräsontraktat und die Erbauungsromane
Machiavelli lesen

VI. Der Erfolgsschriftsteller: Publikum, Autor, gesellschaftliches Umfeld

VII. Aspekte der Wirkungsgeschichte

Anmerkungen
Literaturhinweise
Zum Autor


Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen, 1621 oder 1622 Gelnhausen – 17. 8. 1676 Renchen (Baden).
Die einzige formale Schulbildung erhielt G. vermutlich in der Lateinschule der lutherischen Reichsstadt Gelnhausen. Er geriet aber dann nach der Plünderung der Stadt durch kaiserliche Truppen (1634) und der Flucht der Bevölkerung in die Festung Hanau unter die Soldaten. Er scheint nach einigem Hin und Her im kaiserlichen Heer gedient zu haben, war 1637/38 in Westfalen stationiert und gelangte schließlich an den Oberrhein. 1639 wurde er Regimentsschreiber in Offenburg und nahm kurz vor Kriegsende noch einmal, nun als Regimentssekretär, an einem Feldzug in Bayern teil; Schriftstücke von G.s Hand sind seit 1644 nachweisbar. Nach seiner Rückkehr heiratete der inzwischen zum Katholizismus übergetretene G. am 30. 8. 1649 Catharina Henninger, die Tochter eines Zaberner Bürgers und späteren Ratsherrn. Im selben Jahr trat er in den Dienst seines früheren Offenburger Kommandanten und dessen Familie und bekleidete bis 1660 die Stelle eines »Schaffners« in Gaisbach bei Oberkirch (Ortenau), d. h. er war Wirtschafts- und Rechnungsführer der Freiherrn v. Schauenburg. Von 1662 bis 1665 versah er eine ähnliche Stelle auf der nahe gelegenen Ullenburg. Anschließend betrieb er für zwei Jahre die Wirtschaft »Zum Silbernen Stern« in Gaisbach, bis es ihm 1667 mit der erfolgreichen Bewerbung um die Schultheißenstelle im benachbarten Renchen gelang, die Existenz seiner vielköpfigen Familie endgültig zu sichern. Mit Ausnahme zweier bereits 1666 erschienener Schriften wurde die gesamte literarische Produktion G.s während seiner Renchener Zeit veröffentlicht. Thema der satirisch-realistischen Romane und Erzählungen ist immer wieder der Krieg. Dabei gelang ihm mit seinem Hauptwerk, dem Abentheurlichen Simplicissimus Teutsch, in einer Synthese von eigener Welt- und Lebenserfahrung und einer ebenso selbständigen wie selbstbewussten Auseinandersetzung mit den relevanten europäischen Roman- und Satiretraditionen einer der großen Romane der Weltliteratur. Weitere Romane und Erzählungen folgten, die G. selbst als Teil seines großen Werkes ansah. Den Gegenpol zu diesem pikaresken simplicianischen ›Romanzyklus‹ bilden seine erbaulichen Romane. Kalenderschriften und eine Reihe satirischer Traktate, die auch zu aktuellen Fragen der Absolutismus- und Staatsräsondiskussion Stellung nehmen, ergänzen das Werk.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.