Opitz, Martin: Buch von der Deutschen Poeterey

Opitz, Martin: Buch von der Deutschen Poeterey (1624). Studienausgabe

Hrsg.: Jaumann, Herbert. 214 S.
ISBN: 978-3-15-018214-7
Martin Opitz' berühmte Schrift kann als Gründungsurkunde der modernen deutschen Literatur bezeichnet werden. Der Text der Erstausgabe von 1624 wird hier um einen Kommentar, ein Nachwort sowie den zusätzlichen Abdruck der Vorstufen und Nacharbeiten von Opitz' wesentlich erweitert (Aristarch von 1617, Vorwort zu den Teutschen Poemata von 1624 und 1625, Vorwort zu der Übersetzung der Trojanerinnen von 1625).
Martin Opitz (seit 1627: von Boberfeld), 23. 12. 1597 Bunzlau (Schlesien) – 20. 8. 1639 Danzig.
Der Sohn eines Fleischermeisters erhielt eine gediegene humanistische Schulbildung (Bunzlau, Breslau, Beuthen), doch als er 1619 nach Heidelberg ging, machten die Kriegswirren seine Studienpläne bald zunichte. Er setzte sich publizistisch für den kalvinistischen Friedrich V. v. der Pfalz ein, verließ jedoch 1620 die von span. Truppen bedrohte Stadt und begleitete dän. Adelige als Hofmeister nach Holland und Dänemark. 1621 kehrte er nach Schlesien zurück, doch erst 1626 fand er eine Anstellung als Sekretär Karl Hannibal von Dohnas, der im Auftrag Wiens die Rekatholisierung Schlesiens betrieb. Nach Dohnas Flucht vor den Schweden trat O. 1633 in den Dienst der protestantischen schlesischen Piastenherzöge, 1637 wurde er zum Hofhistoriographen des polnischen Königs ernannt und versah bis zu seinem Tod infolge der Pest in Danzig auch diplomatische Aufgaben. Neben seinen beruflichen Plänen verfolgte O. konsequent ein ehrgeiziges Literaturprogramm, das auf die Erneuerung der dt. Dichtung auf humanistischer Grundlage nach dem Vorbild der europäischen Renaissanceliteraturen zielte. Nach frühen Ansätzen in der lat. Schrift Aristarchus oder über die Verachtung der deutschen Sprache formulierte er 1624 in der ersten deutschsprachigen Poetik, dem Buch von der Deutschen Poeterey, die Regeln der neuen dt. Kunstdichtung und Verssprache (regelmäßiger Wechsel von Hebung und Senkung, Beachtung des ›natürlichen‹ Wortakzents) und stellte ab 1625 in den Acht Büchern Deutscher Poematum und den folgenden Publikationen Musterbeispiele der verschiedenen Gattungen in eigenen Versuchen und zahlreichen Übersetzungen und Bearbeitungen von Werken der Weltliteratur bereit (Lyrik, Drama, Oper, Roman, Epos, Lehrgedicht, Bibeldichtung, Schäferdichtung). Zum kulturpatriotischen Programm gehörte auch die Edition des frühmhd. Annolieds. Die Anerkennung seiner literarischen und organisatorischen Leistung schlug sich in entsprechenden Ehrungen nieder: Poeta laureatus (1625), Adelserhebung (1627), Aufnahme in die »Fruchtbringende Gesellschaft« (»Der Gekrönte«, 1629).

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.