Wolf, Friedrich: Professor Mamlock

Wolf, Friedrich: Professor Mamlock. Ein Schauspiel

Hrsg.: Haarmann, Hermann
123 S.
ISBN: 978-3-15-018487-5
Professor Mamlock, 1934 uraufgeführt, schildert die Geschichte des jüdischen Arztes, der auch angesichts des immer radikaleren Antisemitismus versucht, seinen Dienst am Menschen fortzusetzen und schließlich, ausgegrenzt und am Ende seiner Kräfte, den Freitod wählt. Die Ausgabe beruht auf der 1967 erschienenen Fassung. Der Kommentar greift aber zum ersten Mal auf die Erstausgabe von 1935 zurück und dokumentiert deren Textvarianten, so dass die späteren Streichungen und Auslassungen nachvollziehbar werden.
Professor Mamlock
Ein "Mamlock"? – 12 Millionen Mamlocks!

Anhang
Anmerkungen
Textvarianten der ersten Druckfassung (1935)
Daten zu Leben und Werk
Literaturhinweise
Nachwort
Friedrich Wolf, 23. 12. 1888 Neuwied – 5. 10. 1953 Lehnitz bei Oranienburg.
W. stammte aus einer bürgerlichen jüdischen Familie, studierte zunächst Kunst, dann Medizin in Tübingen, Bonn und Berlin. 1913–14 arbeitete er als Schiffsarzt, dann bis 1918 als Truppen- bzw. Lazarettarzt. Er wurde zum Kriegsgegner und beteiligte sich an der Rätebewegung in Sachsen. Seit 1921 lebte er als Arzt in Württemberg (Hechingen, Höllsteig am Bodensee, ab 1927 Stuttgart) und verfasste Gesundheitsbroschüren und ein großes Volksgesundheitsbuch. 1928 trat er der KPD bei; 1932 gründete er den "Spieltrupp Südwest", für den er Agitpropstücke schrieb. 1933 emigrierte er in die Sowjetunion; 1939 wurde er bei einem Versuch, über Frankreich nach Spanien einzureisen, interniert, konnte aber 1941 nach Moskau zurückkehren, da man ihm die russ. Staatsbürgerschaft verliehen hatte. Nach dem Krieg arbeitete er beim kulturellen Aufbau in der SBZ/DDR mit (Rundfunk, Film), 1950–51 vertrat er als Botschafter die DDR in Polen. Nach expressionistischen Anfängen (Lyrik, Prosa, Drama) und dem historischen "Schauspiel aus dem deutschen Bauernkrieg 1514" Der Arme Konrad (UA 1924) trat W. als exponierter Vertreter einer proletarischen, unmittelbar in die sozialen und politischen Kämpfe eingreifenden Kunst auf: Kunst ist Waffe! überschrieb er einen Vortrag von 1928. Dabei galt sein Interesse v. a. dem Drama. W. behandelte einerseits aktuelle Themen – etwa die sozialen Folgen des Abtreibungsparagraphen 218 (Cyankali, UA 1929) –, andererseits dramatisierte er beispielhafte revolutionäre Vorgänge wie den (niedergeschlagenen) Aufstand der Matrosen von Cattaro (UA 1931), der zum Ansporn für die Zukunft wird, oder den revolutionären Klassenkampf in China (Tai Yang erwacht, UA 1930). Sein erfolgreichstes Stück, Professor Mamlock (UA 1934), setzt sich wirkungsvoll (und traditionell ›aristotelisch‹) mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den Reaktionen darauf auseinander (DEFA-Verfilmung durch .s Sohn Konrad 1961). Antifaschistisches Engagementzeigen seine im Exil entstandenen Prosaarbeiten (z. B. der Roman Zwei an der Grenze). In der DDR konnte er seine Vorkriegserfolge als Dramatiker nicht wiederholen.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.