Wetzel, Christoph : Die Bibel in der bildenden Kunst

Wetzel, Christoph: Die Bibel in der bildenden Kunst

Originalausgabe
368 S. 156 Abb.
ISBN: 978-3-15-018571-1
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Dem Aufbau der Bibel folgend, zeigt der Band in über 150 Kunstwerken, wie biblische Themen in den verschiedensten Gattungen der Kunst umgesetzt wurden. Die Auswahl reicht von der Katakombenmalerei und Sarkophaggestaltung des frühen Christentums bis in die jüngste Gegenwart hinein. Besonderes Interesse gilt dabei der Frage, wie die Künstler den biblischen Text jeweils verstanden. Die betreffende Bibelstelle ist deshalb immer zitiert. Kurze Einführungen in Inhalt und Aufbau der biblischen Schriften eröffnen den Zugang zum vielschichtigen Verständnis biblischer Themen, wie sie von Künstlern umgesetzt und verarbeitet wurden. Mit einem Register der Künstler und der biblischen Personen.
Einführung

Die Schriften des Alten Testaments

Die fünf Bücher des Mose

Übersicht

Das Buch Genesis
Der erste Tag der Schöpfung – Meister Bertram
Der siebte Tag der Schöpfung – Lucas Cranachs d. Ä.
Adam-Massiv – Rudolf Hausner
Die Erschaffung Evas – Michelangelo
Erschaffung Evas, Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies – Hieronymus Bosch
Die Opfer Kains und Abels – Hildesheim, Bernwardtür
Die Arche Noach – Beatus-Apokalypse
Noachs Dankopfer – Joseph Anton Koch / Gottlieb Schick
Neues vom Turmbau – Bernhard Heisig
Die drei Männer bei Abraham und Sara – Ingeborg-Psalter
Lot und seine Töchter – Otto Dix
Die Verstoßung der Hagar – Adriaen van der Werff
Abrahams Opfer – Rembrandt
Jakob und Rahel – Joseph Führich
Jakobs Traum von der Himmelstreppe und sein Kampf mit Gott – Psalter aus England
Josefs Träume, Unterredung mit Jakob und Aufbruch zu den Brüdern – Psalter Ludwigs IX.
Josef und die Frau des Potifar – Carlo Cignani
Josef gibt sich seinen Brüdern zu erkennen – Peter Cornelius

Das Buch Exodus
Historisierte Initiale – Winchester-Bibel
Mose vor dem brennenden Dornbusch – Nicolas Froment
Die Beschneidung des Zweitgeborenen – Pietro Perugino
Der Untergang des Pharao – Pariser Psalter
Der Beginn der Wüstenwanderung – Bibel aus Katalonien.
Mose empfängt die Gesetzestafeln – Marc Chagall
Der Tanz um das Goldene Kalb – Lucas van Leyden
Mose mit den Gesetzestafeln – Rembrandt
Der Inhalt der Bundeslade und des Heiligtums – Bibel aus Perpignan.

Das Buch Levitikus
Entsühnung der Unreinheit bei Männern – Wenzelsbibel
Der Sündenbock – William Holman Hunt


Das Buch Numeri
Der Stab Aarons – Heilsspiegel
Die Eherne Schlange – Anthonis van Dyck
Bileam und sein Esel – Rembrandt


Das Buch Deuteronomium
Betender Jude – Marc Chagall.


Die Bücher der Geschichte des Volkes Gottes

Übersicht

Das Buch Josua
Die Eroberung von Jericho – Psalter Ludwigs IX. 97 Josua bringt die Sonne zum Stillstand – Rom, Mosaik in Santa Maria Maggiore.

Das Buch der Richter
Gideons Vließ / Auswahl der Krieger – Historienbibel
Simson und der Löwe – Chorgestühl Maulbronn
Simsons Sieg über die Philister – Katakombe
Simson und Delila – Rembrandt

Das Buch Rut
Boas und Rut – Wenzelsbibel
Rut und ihr Sohn Obed – Michelangelo

Die zwei Bücher Samuel
Samuel salbt David zum König – Leo-Bibel
David und Goliat – Rembrandt
Sauls Feindschaft gegen David – Lucas van Leyden
David schont Saul – Stundenbuch aus Gent
Batseba, von David beobachtet – Meister des Flavius Josephus
Die Strafpredigt Natans – Julius Schnorr von Carolsfeld

Die zwei Bücher der Könige
Salomos Urteil – Andrea Mantegna
Taufbecken – Reiner von Huy.
Salomo und die Königin von Saba – Straßburger Münster
Salomos Götzendienst – Meister des Hausbuchs
Die Entrückung des Elija – Pantheon-Bibel
Die Heilung des Aramäers Naaman – Cornelis Engelbrechtsz

Die zwei Bücher der Chronik
David und vier seiner Musiker – Vivian-Bibel

Das Buch Esra
Die Großmut des Kyrus – Jean Fouquet

Das Buch Tobit
Tobit bittet um den Tod – Rembrandt
Tobias und der Engel – Andrea del Verrocchio

Das Buch Judit
Judit enthauptet Holofernes – Donatello

Das Buch Ester
Ester und Ahasverus – Konrad Witz

Die zwei Bücher der Makkabäer
Die Vertreibung des Heliodor aus dem Tempel – Eugène Delacroix


Die Bücher der Lehrweisheiten und die Psalmen

Übersicht

Das Buch Ijob
Hiob und seine Frau – Albrecht Dürer.
Hiob und seine Freunde – Eberhard Wächter

Die Psalmen
Initialzierseite B(eatus) – Brevier aus Montecassino
David fleht zu Gott – Belbello da Pavia
Kreuzigung Jesu – Stuttgarter Psalter
Der Narr – Matteo Felice
Der florierende Gerechte – Theodoros

Das Buch der Sprichwörter
Der Liebeszauber – Niederrheinischer Meister

Das Buch Kohelet
Stillleben mit Leuchter und Taschenuhr – Gerard Dou

Das Hohelied
Christus auf Salomos Lager – Marienhomilien
Das Hohelied I – Marc Chagall

Das Buch der Weisheit
Salomos Thron – Bodenseeschule

Das Buch Jesus Sirach
Zweierlei Ermahnung – Bible moralisée


Die Bücher der Propheten

Übersicht

Das Buch Jesaja
Die Weissagung des Jesaja – Jan Brueghel / Hendrick van Balen d. Ä.
Die Himmels- und Gottesvision des Propheten – Bamberger Jesaja-Kommentar
Die Wurzel Jesse – Ingeborg-Psalter
Das Königreich des Friedens – Edward Hicks

Das Buch Jeremia
Der Prophet Jeremia – Meister der Verkündigung von Aix

Die Klagelieder
Jeremia und das zerstörte Jerusalem – Belbello da Pavia

Das Buch Ezechiel
Die Erscheinung Gottes – Raffael
Ezechiels Vision auf dem Totenfeld – David Bomberg

Das Buch Daniel
Frontispiz zum Buch Daniel – Lambeth-Bibel
Nebukadnezzars Traum vom stolzen Baum – Beatus-Apokalypse
Belsazzar und die schreibende Hand – Rembrandt
Daniel in der Löwengrube – Sarkophag des Junius Bassus
Susanna und die beiden Ältesten – Artemisia Gentileschi

Das Buch Jona
Der Prophet Jona – Michelangelo


Die Schriften des Neuen Testaments


Die Evangelien

Übersicht

Gemeinsamkeiten
Die vier Evangelisten und Evangelistensymbole – Aachener Schatzkammer-Evangeliar
Der Rufer – Karl Hofer
Die Taufe Jesu – Evangeliar der Komnenen
Die Versuchungen Jesu – Chora-Klosters
Das vierfache Ackerfeld – Natalija Sergejewa Gontscharowa
Die Stillung des Sturms / Die Heilung des Besessenen von Gerasa – Evangeliar Ottos III.
Die Enthauptung Johannes’ des Täufers – Rogier van der Weyden
Jesu Verklärung – Raffael
Lasset die Kindlein zu mir kommen – Fritz von Uhde
Der Einzug Jesu in Jerusalem – Perikopenbuch Heinrichs II.
Jesu Tempelreinigung – Martin Knoller
Der Zinsgroschen – Tizian
Das Letzte Abendmahl – Meister des Hausbuchs
Jesus am Ölberg – Sisto Badalocchio
Der Judaskuss – Saint-Gilles-du-Gard
Jesus vor dem Hohenpriester und erste Verleugnung durch Petrus – Duccio
Die Geißelung und Verspottung Jesu – Jörg Ratgeb
Jesu Kreuztragung – Hieronymus Bosch
Die Kreuzigung Jesu – Matthias Grünewald
Die Kreuzabnahme – Graham Sutherland
Christus und die Jünger aus Emmaus – Egbert-Kodex


Johannes-Themen
Frontispiz zum Johannes-Prolog – Bernward-Evangeliar
Die Hochzeit zu Kana – Giotto
Jesus und die Sünderin – Max Beckmann
Der gute Hirt – anonyme Skulptur
Die Auferweckung des Lazarus – Paul-Émile Detouche
Die Fußwaschung des Petrus – Ford Madox Brown
Ecce Homo – Lovis Corinth
Jesu Kreuztragung – Georg Baselitz
Christi Höllenfahrt / Der Auferstandene und Maria aus Magdala – Ingeborg-Psalter
Der ungläubige Thomas – Emil Nolde


Die Apostelgeschichte

Übersicht

Christi Himmelfahrt – Nikolaus von Verdun
Das Pfingstwunder – Apollonio de’ Bonfratelli
Die Schattenheilung – Masaccio
Die Steinigung des Stephanus – anonymes Wandgemälde
Die Taufe des Kämmerers – Rembrandt
Saulus und der Hohepriester / Saulus vor Damaskus – Heisterbacher Bibel
Paulus heilt den Lahmen in Lystra – Karel Dujardin
Paulus schleudert die Schlange ins Feuer – Kathedrale von Canterbury.


Die Briefe

Übersicht

Die Korintherbriefe
Abendmahl – Christoph Schlingensief
Glaube, Liebe, Hoffnung – Raffael
Himmelfahrt – Pietà – Salvador Dalí
Die Verzückung des hl. Paulus – Johann Liss


Die Offenbarung des Johannes

Übersicht

Beginn der Offenbarung (Kap. 1–6) – Deutschordensdichtung
Johannes auf Patmos – Brüder Limburg
Der Krieg – Arnold Böcklin
Hl. Michael – Hubert Gerhard
The Book of Revelations – Joe Coleman
Das Jüngste Gericht – Jean Bellegambe
Johannes, der Engel mit dem goldenen Messstab und das Neue Jerusalem – Bamberger Apokalypse


Anhang

Abbildungs- und Textnachweis
Register
Biblische Gestalten
Kodizes
Künstler
Weitere im Text erwähnte biblische Gestalten
Chronologische Übersicht
Zum Autor


Christoph Wetzel ( Jg. 1944) studierte Kunst und Kunstgeschichte sowie Germanistik und Geschichte an den Kunstakademien Stuttgart, München, Wien und an den Universitäten München, Wien, Konstanz. Neben und nach seiner Arbeit als Kunsterzieher, Verlagslektor und Herausgeber (Neue Belser Stilgeschichte) ist er als Sachbuchautor tätig (Kunst, Literatur, Religion). Er veröffentlichte u. a. Monographien über van Gogh, Cézanne, Aktkunst und Prachthandschriften. Konzeption, Bebilderung und Coautorschaft übernahm er für 2000 Jahre Christentum und das Kulturtagebuch des 20. Jahrhunderts sowie für die Reihe Die großen Klassiker. Literatur der Welt in Bildern, Texten, Daten. Sein Interesse gilt insbesondere den wechselseitigen Reflexionen zwischen bildender Kunst und Literatur im kulturellen Kontext. Zu den Ausgaben der Bibel, die Wetzel mit der Wiedergabe von Kunstwerken ausgestattet hat, gehören die Stuttgarter Bibel der Buchmalerei (1996), die Bibel der Moderne (1999) und die Bibel des Vatikan (2009). Bei Reclam hat er auch Reclams Sachlexikon der Kunst und Das Reclam Buch der Kunst veröffentlicht.
Einführung

Die Bibel mit ihren Schriften des Alten und des Neuen Testaments hat seit dem Frühchristentum Künstler angeregt, sich mit ihren vielfältigen Themen auseinanderzusetzen. Dem Aufbau der Bibel vom Schöpfungsmythos bis zur Offenbarung folgend, zeigen über 150 Kunstwerke, wie biblische Ereignisse, Darstellungen und Themen in den verschiedenen Gattungen der Kunst verbildlicht wurden. Die Auswahl reicht von der Katakombenmalerei und der Gestaltung von Sarkophagen bis in die jüngste Gegenwart hinein. Besonderes Interesse gilt dabei dem im Kunstwerk erkennbaren Verständnis des Bibeltextes, dem das jeweils einleitende Zitat entnommen ist. Einführungen orientieren über die einzelnen Gruppen der biblischen Bücher.

Die Beschäftigung mit Texten der Bibel als Quellen der Kunst schließt die Frage ein, welchen Anteil die Darstellungen biblischer Themen an deren Deutung besitzen. Dies wiederum lenkt den Blick auf die bereits im früh en Christentum entwickelte Lehre vom "vierfachen Schriftsinn" – im Gegensatz zum wortwörtlichen eindimensionalen Verständnis der Texte im Biblizismus.

Letzterer ist eine Verabsolutierung des "buchstäblichen" oder "historischen" Schriftsinns, der auch als Literalsinn bezeichnet wird. Mit ihm beginnt ein im Spätmittelalter populärer Vierzeiler: Littera gesta docet ("Der Buchstabe lehrt, was geschehen ist"). Als zweites folgt: Quod credas (docet) allegoria ("Die Allegorie lehrt, was zu glauben ist"). Moralis quid agas bezeichnet den moralischen Schriftsinn über das, was zu tun ist. Der anagogische ("emporführende") schließlich – quo tendas anagogia – handelt vom Ziel des Glaubens.

Besaß die Unterscheidung zwischen historischem, allegorischem, moralischem und anagogischem Schriftsinn der Bibel Bedeutung für die bildenden Künste? Oder galt hier ausschließlich der historische Schriftsinn in der Weise, in der Gregor d. Gr. um die Wende zum 7. Jahrhundert die Ausstattung von Kirchen rechtfertigte – als "Belehrung durch Bilder über den Gegenstand der Anbetung"? Wobei zu ergänzen ist, dass Gregor als Exeget der Bibel vor allem den moralischen Schriftsinn exemplifizierte, nämlich im Kommentar zum Buch Ijob, der als Moralia in Iob breite Wirkung erzielte.

Demnach könnte sich die Beschäftigung mit dem vierfachen (oder auf andere Weise klassifizierten, etwa mythologiegeschichtlich entschlüsselten) Schriftsinn im Wesentlichen auf Fragen der Exegese, Dogmatik und Frömmigkeit beschränken – die mittelbar auch den Auftrag der bildenden Künste begründeten und weiterhin, zumindest in der kirchlichen Kunst, begründen. Diese Mittelbarkeit verwandelt der "allegorische" Schriftsinn in eine ikonographische Programmatik.

Denn "allegorisch" bedeutete bis zur frühen Neuzeit in der christlichen Kunst "typologisch" und meint den Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament als Verheißung und Erfüllung. Bereits das Evangelium nach Matthäus enthält mit dem "Zeichen des Jona" das Modell dieser Typologie, indem Jesus den Vergleich zieht: "Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein" (Mt 12,40). Dieser Vers liegt dem typologischen Bildpaar zugrunde, das die Szene, in welcher der Prophet vom Fisch an Land gespien wird ( Jona 2,11), als Präfiguration der Auferstehung Christi deutet. Und in diesem Sinne befindet sich in der Sixtinischen Kapelle über dem Altar als Symbol des Opfertodes Jesu das typologische Auferstehungsbild des Jona, der dem Fisch entrinnt (S. 208).

Derselbe Abschnitt über das "Zeichen des Jona" enthält die typologische Deutung Jesu als neuem Salomo, denn um seine Weisheit zu hören, kam die Königin von Saba vom Ende der Erde. "Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo" (Mt 12,42; S. 170).

Die typologische Beziehung zwischen Altem und Neuem Testament verdeutlicht die in den Evangelien häufig wiederkehrende Wendung: "So sollte sich das Schriftwort erfüllen", etwa im Passionsbericht des Johannes: Indem die Soldaten bei Jesu Kreuzigung sein nahtloses Untergewand unter sich verlosen ( Joh 19,24), geht der Vers 19 des
22. Psalms in Erfüllung: "Sie verteilen unter sich meine Kleider / und werfen das Los um mein Gewand" (zu Psalm 22 vgl. S. 160).

Diesen allegorischen/typologischen Schriftsinn veranschaulichen die in der Regel 34 Bildergruppen aus jeweils zwei alttestamentlichen "Typen" und ihrem neutestamentlichen "Antitypus" in der Biblia pauperum ('Armenbibel'), und in erweiterter Form das wohl im frühen
14. Jahrhundert entstandene Speculum humanae salvationis ('Spiegel des menschlichen Heils', kurz 'Heilsspiegel') eines ebenfalls unbekannten Verfassers. Auch dieses Andachtsbuch gliedert sich in 34 Kapitel von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht, doch zeigt jede Doppelseite vier Bilder. Im 8. Kapitel treten zur Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria die alttestamentlichen Typen (der von Josef als Verheißung gedeutete Traum des Mundschenks des Pharao vom Weinstock, Gen 40,9–12, und der grünende Mandelzweig Aarons, Num 17,23) sowie die außerbiblische Szene der Marienvision des Augustus (S. 84). Der evangelische und der katholische Gottesdienst enthalten oft ein typologisches Element, indem die Schriftlesung am Altar und der Predigttext abwechselnd aus dem Alten und dem Neuen Testament stammen.

Der moralische Schriftsinn mit seinen "Handlungsanweisungen" lässt sich neben zahlreichen Bildern über bib lische Episoden auch in einem Werk der zeitgenössischen Kunst unterstellen. Es ist das an dritter Stelle innerhalb des zweiten Schöpfungsberichts besprochene Adam-Massiv von Rudolf Hausner (S. 30) und erfährt im Zusammenhang des Umweltschutzes als Bewahrung der Schöpfung im Sinne einer Ersatzreligion gesteigerte Aktualität.

Der "anagogische Schriftsinn" führt uns erneut ins Mittelalter mit der bereits frühchristlichen Deutung des Besuchs der "drei Männer" bei Abraham und Sara (Gen 18,1–22) als Offenbarung der Dreifaltigkeit (S. 44).

Die einleitend unter dem Gesichtspunkt des vierfachen Schriftsinns genannten Beispiele beugen dem Missverständnis vor, das Folgende sei einer exegetischen Systematik unterworfen. Ebenso wenig herrscht eine kunstgeschichtliche Gliederung nach Epochen; Schwerpunkteverzeichnet eine Übersicht im Anhang. Statt dessen dienen die 155 Beispiele in erster Linie der Orientierung, wovon eigentlich das "Buch der Bücher" handelt. Und zwar unter der Voraussetzung, dass diese Kenntnis zum insbesondere ikonographischen Grundwissen gehört.

Die Auswahl der Werkbeispiele umfasst alle vier Gruppen der alttestamentlichen Bücher (mit dem Buch Jona als einem Beispiel aus den Büchern der zwölf Kleinen Propheten) sowie neutestamentlich die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, eine Auswahl der Briefe (zwei Briefe an die Gemeinde in Korinth) und die Offenbarung.

Untergeordnet, doch für die Auswahl der Werkbeispiele ebenfalls maßgeblich ist die Frage: Wo und in welcher Gattung und somit Funktion begegnen wir der biblisch motivierten Kunst. Die Ausstattung von Büchern ist durch die Buchmalerei (Kodizes der Bibel insgesamt und des Psalters sowie weiterer Teilausgaben) und durch druckgraphische Arbeiten vertreten. Werke der Tafelmalerei sind Altarbilder, Andachtsbilder und Beispiele der biblischen Historienmalerei. Zur Ausstattung von Kirchenräumen gehören die Decken- und Wandmalerei, die Mosaikkunst und die Glasmalerei. Die Gattungen der plastischen Bildwerke finden sich als Reliefs (Gewändefiguren, Sarkophag, Türflügel) und Standbilder.
Zitiert wird die 1980 erschienene Einheitsübersetzung mit den Apokryphen bzw. deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments (z. B. die Bücher Tobit, Judit, Makkabäer; vgl. Übersicht S. 84) und mit ökumenischem Psalter und Neuem Testament. Im Einzelfall wird die revidierte Luther bibel (1985) zitiert. Die v. a. terminologischen Unterschiede zwischen der Einheitsübersetzung (Katholische Bibelanstalt Stuttgart) und der revidierten Lutherbibel (Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart) beginnen bereits bei der Gruppierung der biblischen Bücher. Während die Einheitsübersetzung die Fünf Bücher des Mose von den Büchern der Geschichte des Volkes Gottes trennt, fasst die revidierte Lutherbibel beide Gruppen unter dem Begriff Geschichtsbücher zusammen. Unter demselben Begriff werden die vier Evangelien und die Apostelgeschichte zu einer gemeinsamen Gruppe verbunden.

Zwar bestehen die ökumenischen "Loccumer Richtlinien" für die Schreibweise biblischer Eigennamen (Orte und Personen), z. B. Betlehem, Elisabet, Golgota, Goliat, Judit. Die Lutherbibel bleibt aber bei Bethlehem, Golgatha und Nazareth und sonstigen Endungen auf -th; Noach bleibt Noah, und Hiob erhält nur im Titel dieses Buchs auch den in Klammern gesetzten Namen Ijob.