Wedekind, Frank: Frühlings Erwachen. Textausgabe mit Kommentar und Materialien (Reclam XL)

Wedekind, Frank: Frühlings Erwachen.
Textausgabe mit Kommentar und Materialien

Reclam XL – Text und Kontext
2., aktual. Auflage
Hrsg.: Krause, Thorsten
Format: 11,4 x 17 cm
129 S. 6 Abb.
ISBN: 978-3-15-019043-2
3,60 €

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Klassenlektüre und Textarbeit einfach gemacht: Die Reihe »Reclam XL – Text und Kontext« erfüllt alle Anforderungen an Schullektüre und Bedürfnisse des Deutschunterrichts:
* Das Format ist größer als die gelben Klassiker der Universal-Bibliothek, mit ausreichend Platz für Notizen am Seitenrand.
* Schwierige Wörter werden am Fuß jeder Seite erklärt, ausführlichere Wort- und Sacherläuterungen stehen im Anhang.
* Zusatz-Materialien im Anhang erleichtern das Verständnis des Werkes und liefern Impulse für Diskussionen im Unterricht: zu Quellen und Stoff, Biographie des Autors, Epoche und Rezeptionsgeschichte.

Unterm Novembermond auf dem Kirchhof, zwischen zwei Toten, zwei Opfern der Furcht vor Schande – bei diesem erstickenden Ende bleibt es in Wedekinds Frühlings Erwachen nicht: es erscheint der »Vermummte Herr«, der den Melchior zum Leben verführen will, und es gelingt ihm. Er ist das Leben mit all seinen abenteuerlichen Möglichkeiten, er sagt zu Melchior: »Du lernst micht nicht kennen, ohne dich mir anzuvertrauen«, und er zieht Melchior von den Gräbern fort: wenigstens für Melchior erwacht der Lebensfrühling dann doch noch, wenn auch zwischen Toten, in einer Novembernacht.

Die Bände von Reclam XL sind im Textteil seiten- und zeilenidentisch mit den gelben Ausgaben der Universal-Bibliothek. UB- und XL-Ausgaben sind also nicht nur im Unterricht nebeneinander verwendbar – es passen auch weiterhin alle Lektüreschlüssel, Erläuterungsbände und Interpretationen dazu.
Frühlings Erwachen

Anhang

1. Zur Textgestalt

2. Anmerkungen

3. Übersichten
3.1 Werkaufbau
3.2 Hauptfiguren und ihre Problemlagen

4. Autor und Werk
4.1 Person
4.2 Entstehungsgeschichte
4.3 Verwandte Texte Wedekinds

5. Historischer Kontext
5.1 Erziehung und Schule
5.2 Gesundheit und Pubertät

6. Literarische Kontexte

7. Bühne

8. Abbildungsnachweis
Frank Wedekind, 24. 7. 1864 Hannover – 9. 3. 1918 München.
Der Sohn eines Arztes wuchs seit 1872 in der Schweiz auf und begann nach dem Abitur 1884 mit dem Jurastudium in München. Nach Studienabbruch 1886 leitete er für einige Monate das Reklamebüro der Firma Maggi in der Nähe von Zürich (1886–87), hielt sich dann – materiell abgesichert durch das väterliche Erbe – als freier Schriftsteller in Berlin, München und Paris auf. Auch in den folgenden Jahren wechselte W. häufig den Aufenthaltsort (Berlin, München, Zürich, Dresden, Leipzig), wenn auch München sein Hauptwohnsitz blieb. Er wurde Mitarbeiter des Simplicissimus; wegen eines hier erschienenen Gedichtes wurde er 1898 wegen Majestätsbeleidigung verfolgt, floh nach Zürich, stellte sich aber 1899 den dt. Behörden und wurde zu neun Monaten Haft verurteilt. Er trat im 1901 gegründeten Münchner Kabarett »Die Elf Scharfrichter« und auf anderen Bühnen auf und trug seine Gedichte, Balladen und Moritaten mit eigener Lautenbegleitung vor. Außerdem arbeitete er als Schauspieler; seit 1906 widmete er sich vorwiegend dem Schreiben. Allerdings behindert die Zensur immer wieder Aufführungen seiner Stücke; nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs konnten sie kaum noch gespielt werden. Sein erstes bedeutendes Drama, die »Kindertragödie« Frühlings Erwachen, 1891 in Zürich erschienen, wurde erst 1906 – zensiert – uraufgeführt. Es stellt sich bewusst gegen den Naturalismus und die klassizistische Dramenform und knüpft mit seinen episch gereihten Kurzszenen und der Kontrastierung von lyrisch-expressiver Intensität und ins Groteske gesteigerter Satire an den Sturm und Drang und Dramatiker wie G. Büchner und C. D. Grabbe an. Inhaltlich wendet sich W. am Beispiel der Pubertätsnöte junger Leute inmitten einer verständnislosen Umwelt (Elternhaus, Schule, Kirche) gegen das System bürgerlicher Triebunterdrückung und gegen die prüde, lebensfeindliche Scheinmoral. Damit ist das Stück zugleich ein Plädoyer für die Befreiung der sinnlichen Liebe, für das Leben in einem emphatischen Sinn, für die menschliche Natur und die Schönheit des Leibes. Die Lulu-Tragödie mit ihren Teilen Erdgeist (UA 1898) und Die Büchse der Pandora (UA 1904) nimmt diese Thematik auf, indem sie das »wilde, schöne Tier« Lulu als Verkörperung der Natur gegen Vertreter der (bürgerlichen) Gesellschaft stellt und deren verlogene Moral entlarvt. Satirische Gesellschaftskritik, nun bezogen auf den kapitalistischen Ungeist, leistet die Hochstaplergroteske Der Marquis von Keith (UA 1901). Auch die späteren Dramen setzen die Auflösung der geschlossenen Dramenform durch eine vielfach groteske Montage heterogener Elemente fort: von Musik, einem »Sittengemälde«, über die Literaturkomödie Oaha bzw. Till Eulenspiegel bis hin zur Satire auf zerstörerisches Heldentum in Herakles. W.s Vorstellungen von der Emanzipation des Körperlichen und seine Kritik am bürgerlichen Erziehungssystem liegt auch dem fragmentarischen Roman Mine-Haha zugrunde, der Momente der dt. Bildungsromantradition parodistisch aufnimmt.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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