Die Lüge

Texte von der Antike bis in die Gegenwart
Hrsg.: Lotter, Maria-Sibylla
407 S.
ISBN: 978-3-15-019474-4
Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Im »postfaktischen Zeitalter« erfährt diese alte philosophische Frage ungeahnte Aktualität. Linguisten und Philosophen widmen ihr seit längerem wieder erhöhte Aufmerksamkeit.
Dass er sich der Wahrheit im Erkenntnisprozess nur annähern kann, weiß der Mensch; die bewusste Abweichung von ihr durch List, Verstellung oder Lüge sanktioniert er dennoch. Die Lüge stört die göttliche Weltordnung, verletzt Vertrauen, missbraucht die Sprache. Kann der Mensch aber ohne Lüge überhaupt leben?
Der Band versammelt klassische philosophische und theologische Texte von der Antike bis in die Gegenwart, die verschiedene Lügenkonzepte vorstellen und zeigen, dass es früh schon Unterströmungen gab, die List und Lüge auch positive Aspekte abgewinnen.
Einleitung: Zur Genealogie der Lüge.
Von Maria-Sibylla Lotter

I. Wahrhaftigkeit und Lügenkunst in der griechischen Antike
Einleitung. Von Maria-Sibylla Lotter
Platon
Hippias Minor
Der Staat (Politeia)
Aristoteles
Nikomachische Ethik
Michel Foucault
Der Mut zur Wahrheit. Die Regierung des Selbst und der anderen

II. Die Lüge (mendacium) als Verletzung des zwischenmenschlichen Vertrauens in der römischen Antike
Einleitung: Die Lüge als zwischenmenschliche Treulosigkeit in der römischen Antike. Von Maria-Sibylla Lotter 94
Marcus Tullius Cicero
Vom pflichtgemäßen Handeln

III. Die Lüge im Lichte der Theologie
Anstelle einer Einleitung:
Was die Bibel »Lüge« nennt. Von Martin Rösel
List und Lüge in der theologischen Tradition. Von Eberhard Schockenhoff
Augustinus
Die Lüge
Handbüchlein über Glaube, Hoffnung und Liebe
Thomas von Aquin
Tugenden des Gemeinschaftslebens (Summa Theologica)

IV. Die Lüge im Zeitalter der Aufklärung
Einleitung. Von Maria-Sibylla Lotter
Francis Bacon
Über Verstellung und Heuchelei
Hugo Grotius
Über das Recht des Krieges und Friedens
Samuel Pufendorf
Einleitung zur Sitten- und Staatslehre
Jean-Jacques Rousseau
Träumereien eines einsamen Spaziergängers
Einleitung zu Immanuel Kants Verbot der Lüge. Von Jens Timmermann
Immanuel Kant
Über ein vermeintliches Recht, aus Menschenliebe zu Lügen
Metaphysik der Sitten. Von der Lüge
Arthur Schopenhauer
Die Welt als Wille und Vorstellung
Preisschrift über die Grundlage der Moral

V. Lebensphilosophische und linguistische Perspektiven seit dem 19. Jahrhundert
Einleitung: Entlarvungsdenken und Wahrhaftigkeitsskepsis seit dem 19. Jahrhundert. Von Maria-Sibylla Lotter
Friedrich Nietzsche
Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne
Die fröhliche Wissenschaft
Der Antichrist
Zur Genealogie der Moral
Dietrich Bonhoeffer
Fragment eines Aufsatzes: Was heißt die Wahrheit sagen?
Harald Weinrich
Linguistik der Lüge
Bernhard Williams
Wahrheit und Wahrhaftigkeit

VI. Die Lüge im sozialen und politischen Kontext
Einleitung: Die Lüge in der Politik. Von Maria-Sibylla Lotter
Theodor W. Adorno
Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben
Sissela Bok
Lügen. Vom täglichen Zwang zur Unaufrichtigkeit
Hannah Arendt
Wahrheit und Politik
Claus Offe
Die Ehrlichkeit politischer Kommunikationen. Kognitive Hygiene und strategischer Umgang mit der Wahrheit
Simone Dietz
Lügen in Privatleben, Politik und Massenmedien

Textnachweise
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