: Contemporary Indian Short Stories

Contemporary Indian Short Stories

Engl. Hrsg.: Schmidt-Haberkamp, Barbara; Kohli, Devindra. 221 S.
ISBN: 978-3-15-019708-0
5,40 €

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Vielfalt sei das Hauptmerkmal Indiens, hat Salman Rushdie einmal festgestellt. Dies reflektiert eine Auswahl von Kurzgeschichten aus den vergangenen 60 Jahren – drei davon wurden in englischer Sprache geschrieben, die anderen aus dem Urdu, dem Hindi, dem Bengalischen und dem Malayalam ins Englische übertragen. Gemeinsam bieten sie ein Panorama zentraler Themen der indischen Geschichte und Kultur.

Texte in der Originalsprache, mit Übersetzungen schwieriger Wörter am Fuß jeder Seite, Nachwort und Literaturhinweisen.
R. K. Narayan: Fellow-Feeling – Saadat Hasan Manto: Toba Tek Singh – Mahasweta Devi: Draupadi – Krishna Baldev Vaid: An Evening with Bhookh Kumari – Kamala Das: The Summer Vacation – Padma Hejmadi: Dr Salaam – Salman Rushdie: The Prophet’s Hair
Auch hierzulande übt die Literatur Indiens mit ihrem Reichtum an Sprachen und Stimmen nachhaltige Faszination aus. Zur Frankfurter Buchmesse 2006 veröffentlicht der Reclam Verlag in der Roten Reihe eine Auswahl von Kurzgeschichten aus den vergangenen 60 Jahren – drei davon wurden in englischer Sprache geschrieben, die anderen aus dem Urdu, dem Hindi, dem Bengalischen und dem Malayalam ins Englische übertragen. Wir sprachen mit der Herausgeberin Barbara Schmidt-Haberkamp. Der Band "Contemporary Indian Short Stories" enthält sieben Kurzgeschichten. Wie viel Indien hat man kennen gelernt, wenn man diese Geschichten liest? Die Geschichten vermitteln einen Eindruck von der sprachlichen und ethnischen Vielfalt Indiens und berühren die großen gesellschaftspolitischen Themen ebenso wie Aspekte des alltäglichen Lebens. Insbesondere haben wir Wert darauf gelegt, dem Leser ins Bewusstsein zu rufen, dass die indische Literatur zum größten Teil in Regionalsprachen und, entgegen der westlichen Wahrnehmung, nicht in erster Linie auf Englisch verfasst ist. Vier der Geschichten wurden ursprünglich in Urdu, Hindi, Bengali und Malayalam geschrieben und repräsentieren damit den Norden, Osten und Süden Indiens. Drei der Geschichten wurden von indo-englischen Autoren geschrieben, von denen zwei, Rushdie und Hejmadi, der großen indischen Diaspora angehören. Aus verschiedenen erzählerischen Perspektiven sprechen die Geschichten zentrale Themen der indischen Geschichte und Kultur an, wie die Teilung Indiens, gesellschaftliche Hierarchien, Religiosität und familiäre Bindungen, aber auch ganz private Themen, wie persönliche Eitelkeit oder den Umgang mit dem Tod. Vor allem lernt der Leser ganz verschiedene Weisen des Erzählens kennen und erhält einen Einblick in das Werk großartiger Autoren, von denen jeder auf seine Weise einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Gattung der Kurzgeschichte in Indien geleistet hat. Salman Rushdie ist der prominenteste Autor, der in dieser Sammlung vertreten ist. Wie repräsentativ ist Rushdie für die indische Literatur? Die Fragwürdigkeit einer Kategorie wie Repräsentativität wird im Falle Indiens ganz besonders offensichtlich. Zweifellos hat das Werk Rushdies in den 80er-Jahren die indo-englische Literatur weltweit bekannt gemacht und den bis heute andauernden Boom indischer Literatur initialisiert. Indischen Autoren zeigten seine Romane, dass man idiosynkratisch und gleichwohl international erfolgreich Romane auf Englisch schreiben konnte. Zugleich hat die intensive Rezeption seines Werkes - und in den 90er-Jahren von Arundhati Roys Roman "The God of Small Things" ebenso wie der Romane von Amitav Ghosh, Shashi Tharoor und Anita Desai - zu einer stereotypen, sehr verengten Sichtweise der indischen Literatur als englischsprachig, vielstimmig, nicht-linear und den Erzählmodi des Phantastischen und des Magischen Realismus zuneigend geführt. Amit Chaudhuri zufolge wurde in der öffentlichen Wahrnehmung außerhalb Indiens Rushdies Werk zum Inbegriff nicht-westlichen Erzählens und einer Weltsicht, die gleichzeitig zeitgenössisch postkolonial und unverkennbar indisch ist - eine Sichtweise, die sicherlich der akademischen Literaturbetrachtung entspricht und durch sie befördert wird. Dass diese Wahrnehmung einseitig ist, belegen die Kurzgeschichten in unserer Anthologie. So haben etwa die Kurzgeschichten und Romane der auf Bengali schreibenden Mahasweta Devi, die mit einer ihrer Geschichten in der Anthologie vertreten ist, mit Rushdies Erzählweise nichts gemein. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten aktuellen Strömungen und Tendenzen der indischen Gegenwartsliteratur? Zu den wichtigsten Entwicklungen gehört, dass seit den 80er-Jahren weibliche Autoren in der indischen Gegenwartsliteratur eine zunehmend wichtige Rolle spielen; auch die Literatur ethnischer und sozialer Minderheiten gewinnt an Umfang und Bedeutung. Thematisch reagiert die Literatur auf den raschen gesellschaftlichen Wandel und die Probleme, die er mit sich bringt, wie der Rückzug der Dorfkultur und die wachsende Bedeutung der Metropolen, das Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlichen Traditionen und einer durch Konsum, Migration und Globalisierung geprägten Gegenwart, veränderte Geschlechterverhältnisse und Familienbeziehungen, ethnische und und religiöse Konflikte, Fundamentalismus. Interessant ist die Frage nach der zukünftigen Rolle der Regionalsprachen und der weiteren Entwicklung des Englischen als Sprache der indischen Literaturen. Die staatliche Sahitya Akademi fördert seit langem Übersetzungen aus den Regionalsprachen ins Englische, weniger für den internationalen Buchmarkt, sondern in erster Linie, um dem heimischen Lesepublikum die Vielfalt der indischen Literaturen nahezubringen. Einflussreiche Verlage wie Penguin India, Macmillan und Picador publizieren moderne indische Literatur in englischer Übersetzung. Jüngere Schriftsteller, selbst wenn sie ihre Regionalsprache bevorzugen, beklagen, dass ihre Bücher erst wahrgenommen werden, wenn sie in englischer Übersetzung erscheinen, und nicht wenige wechseln selbst die Sprache. Das Englische wird nicht länger als zweifelhaftes Vermächtnis der britischen Kolonialmacht in Indien betrachtet, sondern als eine der Hauptsprachen Indiens, und es entwickelt sich zur Nationalsprache. Was dies für die Regionalsprachen als Literatursprachen bedeutet, hat Kiran Nagarkar, der nach eigener Auskunft widerwillig von seiner Muttersprache Marathi ins Englische als Sprache seiner Romane gewechselt hat, in einem Interview in der neuesten Ausgabe von Literaturen unmissverständlich so formuliert: "Die einheimischen Sprachen sind auf dem Rückzug. Englisch ist von der Peripherie ins Zentrum gerückt. Englisch ist die Zukunft der indischen Literatur."