Kronauer, Brigitte: Die Tricks der Diva. Die Kleider der Frauen

Nachw.: Steinfeld, Thomas
260 S.
ISBN: 978-3-15-020212-8
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Brigitte Kronauer pflegt einen unverwechselbaren Stil; die Beweglichkeit und Präzision ihrer Sprache führt in hochkomische Höhen; von ihrer Scharfsinnigkeit können erkenntnislustige Leser/innen massenweise profitieren. In diesem Reclam Taschenbuch sind die beiden Erzählungszyklen »Die Tricks der Diva« und »Die Kleider der Frauen« vereint.
Die Tricks der Diva

Im Gebirg’
Stille mit finsterer Figur
Dri Chinisin
Die Tiere
Ihr Gesicht
Zwielicht
Sie!
Die Wiese
Die Tricks der Diva
Liedchen
Wie!
Wirre Witwen, wissender Witwer
Wink
Spitzfindig
Die Wirtin

Fünfzehnmal Natur? Ein Nachwort

Die Kleider der Frauen

Frau John kommt!
Im Dunkeln
Die kleinen Hunde an ihren Leinen
Nachthemden
Tante Fritzchen in Weiß
Susanna im Bade
Bügeln
Bügeln
Die Katastrophe
Fräulein Welziehn im Reich der Fische
Vierzehn
Samstagabends
Frühling
Gadowski, Gadowskis Freundin
Das Tüpfelkleid
Der letzte Mann
Die Putzfrau des Präsidenten
Das Rind
Annegret
Die Verfluchung
Grillen
Die hohen Berge
»Warum trauern meine Brüder?«
Wer ist sie wirklich?
Krähen
Da geht er hin

Schnelle Rückschlüsse. Ein Nachwort


Thomas Steinfeld: Wir sind uns ein verzwicktes Rätsel
Brigitte Kronauers Erzählungen bei Reclam
Brigitte Kronauer, * 29. 12. 1940 Essen.
K. studierte Pädagogik in Köln und Aachen und war bis 1971 Lehrerin, zunächst in Aachen und dann in Göttingen. Seit 1974 lebt sie in Hamburg als freie Schriftstellerin. 2005 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis. Ausgehend vom Nouveau roman, zeigt K. bereits in ihrem ersten Roman (Frau Mühlenbeck im Gehäus) anschaulich die Absichten ihres Erzählens. Es thematisiert durch die Gegenüberstellung zweier Perspektiven das Problem der Beschreibung von Wirklichkeit, bricht die üblichen Denk- und Sprachmuster und traditionellen Wahrnehmungsstrukturen auf und führt so gleichsam das Machen von Realität vor. Dieser Prozess der erzählerischen Kritik setzt sich in den weiteren Romanen K.s fort, die virtuos ein Mosaik von Bildern, von erinnerten, gedachten Realitätsbruchstücken, von Gedanken und Empfindungen entwerfen: kein ›realistisches‹ Bild der Welt, sondern eine – allerdings ungemein lebendige – Welt im Kopf. Bereits mit dem zweiten Roman, Rita Münster, deutet sich an, wie Momente der Erleuchtung die Protagonisten über ihre Wirklichkeitsbilder hinausführen. Zentral wird dieses Thema in dem Roman Berittener Bogenschütze, in dem der Held, Anglist und Interpret Joseph Conrads, Matthias Roth, blitzartig einen Zustand höchster Gefühlsintensität erlebt.
Der hohe Ton, in dem K. von den Ekstasen des Ästhetischen zuletzt noch in dem Roman Die Frau in den Kissen schrieb, machte in den folgenden Werken wie dem Roman Das Taschentuch und den Erzählbänden Schnurrer und Hin- und herbrausende Züge einer zunehmend ironischen oder leise satirischen Erzählhaltung Platz. Das gilt auch für den Roman Teufelsbrück, der zugleich aber tief in die Welt der deutschen Spätromantik eintaucht und mit seinen Lied- und Märchenzitaten, seinen Motivanklängen und seiner sprachlichen Mimikry eine den vorherrschenden ›realistischen‹ Schreibweisen konträre (und zerstörerische) Kunst- und Märchenwelt erstehen lässt – und dabei durch ironische und komische Brechungen jedes Pathos unterläuft. In einer Art Versuchsanordnung versammelt K. im Roman Verlangen nach Musik und Gebirge eine bunte, maskenhafte Urlaubsgesellschaft einschließlich eines Ensor-Doppelgängers im belgischen Seebad Oostende. Themen sind – von Opernklängen untermalt und mit einem in voller Länge abgedruckten Libretto der Erzählerin angereichert – vor allem die Liebe und die Sehnsucht nach dem Überwältigenden, allerdings immer wieder gebrochen durch Kommentare zu Geschichte und Gegenwart.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.