Kuijer, Guus: Die Bibel für Ungläubige. Erster Band: Der Anfang. Genesis

Übers.: Carstens, Anna; Wicharz-Lindner, Angela
319 S.
ISBN: 978-3-15-020391-0
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Steht in der Bibel wirklich, dass Jakob mit Gott kämpfte? Und Gott ihn nicht besiegen konnte? Guus Kuijer führt uns in eine alte Welt, die uns fremd und doch merkwürdig vertraut erscheint. Adam und Eva, Noahs Arche, der Turm von Babel, Abraham, Isaak, Jakob, Josef. All diese Geschichten werden neu und ungeniert erzählt, und zwar von Personen, die oft eher am Rand des Geschehens stehen. Mit diesem literarischen Zugriff gelingen überraschend unkonventionelle Einsichten: alles wird so lebensnah erzählt, dass man es einfach lesen muss. Denn hinter dem fortwährenden Ringen mit Gott und dem Ringen der Menschen mit den Menschen steht bis heute die Frage: wie wollen wir leben.

Interview mit Guus Kuijer


Guus KuijerIn Ihrem Nachwort schreiben Sie, dass die Geschichten der Bibel weiterhin erzählt werden müssen. Warum? Was fasziniert Sie an dem alten Stoff? Und warum sind diese Erzählungen noch von Interesse für unsere heutige Zeit?

Mit Geschichten versuchen wir das menschliche Leben zu begreifen. Das war im Altertum so, und das gilt auch heute noch. In der Bibel gibt es Erzählungen, die so tief in der Kultur der westlichen Welt verwurzelt sind, dass wir fast zu Analphabeten werden würden, wenn wir diese vergessen sollten. Zum Beispiel die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Die Geschichte beschreibt die Aversion gegen die große Stadt, man könnte auch sagen: die Angst vor der Modernität. Dass diese Angst schon so alt ist, ist eine aufschlussreiche Warnung.
Die Geschichte der Sintflut stellt die Frage, wie wir Naturkatastrophen bewerten wollen. Sind das Strafen für begangene Sünden oder ist es Zufall. Wir werden uns allmählich dem Zufall zuneigen, denn was sollen wir mit einer Gottheit anfangen, die auch unschuldige Kinder trifft.
Die Erzählungen der Bibel stellen Fragen, die erstaunlich aktuell sind, sie dürfen daher nicht, meiner Meinung nach, in Vergessenheit geraten.

Die Welt, von der Sie erzählen, ist uns fremd und doch merkwürdig vertraut. Wir erkennen die Personen und Geschichten wieder, entdecken aber gleichzeitig viel Neues und lernen Nebenrollen völlig anders kennen. Warum sind die Personen, die im Original eher am Rand stehen, bei Ihnen so wichtig?

Diese Nebenrollen sind deswegen wichtig, weil den biblischen Geschichten, von denen viele einer mündlichen Tradition entstammen, später ein frommer Charakter beigemengt wurde. Weswegen die Zweifelnden, die es zweifellos auch damals schon gab, nicht oder kaum zu Wort kommen. Dadurch, dass dieselben Geschehnisse aus einer anderen Perspektive beschrieben werden, können nun auch die Zweifler zu ihrem Recht kommen. Wir dürfen nicht vergessen, dass einer der Psalmen mit dem Passus beginnt: „Der Narr spricht in seinem Herzen: ‚Es gibt keinen Gott!‘“ – Solche Narren also kommen bei mir in der ‚Bibel für Ungläubige‘ zu Wort.

Warum können diese Geschichten auch für diejenigen tröstlich sein, die nicht mehr gläubig sind? Ist es richtig, dass in Ihrer Bibel-Version dieser Trost eine besondere Rolle spielt?

Sie sind manchmal tröstlich, manchmal sind sie aber auch erschreckend. Tröstlich sind sie, weil sie dem menschlichen Geist nachgehen, der das Wort „Gott“ gebraucht, um seine Sehnsucht nach einer gerechten Welt auszudrücken. Leider aber gibt es in der Bibel auch eine Menge Leute, die mit demselben Begriff Terror ausüben.

In Deutschland sind die beiden ersten Teile „Genesis“ und „Exodus“ erschienen. Wie viele Teile dürfen wir noch erwarten?

Ich habe gerade den fünften Teil vollendet. Ich brauche zum Abschluss noch einen sechsten Teil, und dann bin ich fertig!

Wird es auch ein Neues Testament von Ihnen geben?

Das neue Testament mache ich wahrscheinlich nicht, das liegt mir nicht so.

Sie sind ein weltberühmter und vielfach ausgezeichneter Kinderbuch-Autor. Wie unterscheidet sich die Arbeit an der „Bibel“ von Ihrer Tätigkeit als Autor der Kinderbücher?

Ich habe mein ganzes Leben lang, neben Kinderbüchern, auch Bücher für Erwachsene geschrieben: Romane, Dramen, Essays. Aber ich gebe zu, dass das Schreiben von Kinderbüchern ein Stück schwieriger ist und dass ich es mir auf meine alten Tage gestatte, diese Annehmlichkeit – ausschließlich für Erwachsene zu schreiben – wahrzunehmen.

Heutzutage gibt es ja die verschiedensten Bibeln – die Bibel für Ernährung, Karrierebibeln, für Yoga, Handwerker und Technikfreaks –, wie reiht sich Ihre „Bibel für Ungläubige“ da ein?

Der literarische Wert der hebräischen Bibel scheint mir sehr viel höher als alles andere, was sich Bibel nennt.
Adams Geschichte
Hams Geschichte
Schelachs Geschichte
Sarais Geschichte
Isaaks Geschichte
Ben-Onis Geschichte
Schlusswort von Jochebed

Nachwort
Guus Kuijer, geboren 1942, zählt zu den beliebtesten Autoren der Niederlande. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen und über dreißig Kinderbücher, für die er auch international mehrfach ausgezeichnet wurde (z. B. mit dem Astrid Lindgren Memorial Award, 2012, und zweimal, 1992 und 2002 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis).
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