Benjamin, Walter: Der Autor als Produzent. Aufsätze zur Literatur
Hrsg.: Kramer, Sven350 S.
ISBN: 978-3-15-018793-7
EUR (D): 9,80 *
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Autorinformation
Walter Benjamin, 15. 7. 1892 Berlin – 26. 9. 1940 Port Bou (Spanien).Der Sohn einer großbürgerlich-jüdischen Familie studierte nach dem Abitur Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Freiburg i. Br., Berlin, München und Bern. Hier promovierte er 1919 über den Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik. Bereits 1915 hatte er Gershom Scholem kennen gelernt, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband und der B. zur Beschäftigung mit der jüdischen Philosophie und Mystik anregte. B.s geplante akademische Karriere scheiterte, als seine Habilitationsschrift über das barocke Trauerspiel 1925 von der Philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. abgelehnt wurde. Er schrieb für die Literarische Welt und die Frankfurter Zeitung und arbeitete seit 1929 regelmäßig für Rundfunkanstalten. Die Begegnungen mit der kommunistischen Regisseurin Asja Lacis, die seine Liebe nicht erwiderte, Brecht, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer sowie die Beschäftigung mit marxistischer Geschichtsphilosophie führte ihn zu einem durchaus eigenwilligen Marxismus, der die kritischen Gehalte der bürgerlichen Tradition zu erhalten suchte. 1933 emigrierte B. nach Paris, wo ihm Aufträge und ein Stipendium des Instituts für Sozialforschung, das nach New York verlegt worden war, das Überleben sicherten. 1940 floh B. nach Marseille und suchte dann zusammen mit anderen Flüchtlingen nach Spanien zu gelangen, um über Lissabon in die USA zu emigrieren (Horkheimer hatte ihm ein Visum besorgt). Als die Gruppe an der span. Grenze zurückgewiesen wurde, nahm B. eine Überdosis Morphium; die amtliche Eintragung nennt Gehirnschlag als Todesursache. Die Beschäftigung B.s mit der Frühromantik führte ihn zu einer eigenen Form der Kritik von Literatur und Kunst, die mit ihrer produktionsästhetischen Orientierung, ihrem subtilen Eindringen in literarische Techniken und ihrer geschichtsphilosophischen Dimension zu den bedeutendsten kritischen Leistungen der 20er-Jahre zählt. Beispielhaft ist der von H. v. Hofmannsthal u. a. bewunderte Essay Goethes Wahlverwandtschaften; mit der Hervorhebung der Form der Allegorie in seinem Trauerspielbuch beschrieb er indirekt auch den Bruch der Moderne mit der klassischen Ästhetik. Großen Einfluss hatte er seit den 60er-Jahren mit seiner neuen politischen Konzeption der Kunst, die im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit ihre »Aura«, ihre Einmaligkeit und Distanz, verliert, zugleich aber neue politische Wirkungsmöglichkeiten gewinnt. Das im Exil geplante große Passagen-Werk, das anhand der Pariser Passagen als mythischen Verkörperungen des Kapitalismus eine Art Archäologie des 19. Jahrhunderts betreiben sollte, blieb fragmentarische Materialsammlung. In B.s Sprache, einer ausgesprochenen Kunstprosa, verbinden sich – nicht ohne eine gewisse Dunkelheit – theoretisch-abstrakte Reflexionen, bildhaftpoetische und surrealistische Elemente. Das sind auch Kennzeichen der von ihm gepflegten kleinen Prosaformen, die Alltagserfahrungen, etwa beim Gang durch die Großstadt oder auf Reisen, aphoristisch zu »Denkbildern« verdichten und in dem Versuch von autobiographischen Miniaturen (Berliner Kindheit um Neunzehnhundert) gipfeln. B.s Wirkung setzte, gefördert durch seinen Freund und Nachlassverwalter Adorno, erst in den 60erJahren ein.
In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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