Zweig, Stefan: Angst

Zweig, Stefan: Angst

Novelle
Hrsg.: Scheffel, Michael
85 S.
ISBN: 978-3-15-019049-4
2,60 €

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Zweigs frühe Erzählung entstand 1913 und wurde noch im gleichen Jahr publiziert, erscheint hier aber in der von ihrem Autor überarbeiteten Fassung des Buchdrucks von 1925, die Zweig um zahlreiche, »aus seiner späteren Sicht offenbar allzu ›expressive‹ Passagen gekürzt« hat, so der Herausgeber Michael Scheffel. Die beklemmende Atmosphäre der Geschichte, in der die Hauptfigur von einer ihr unbekannten Frau wegen ihres Geliebten erpresst wird, hat Zweig meisterhaft eingefangen – einer der Gründe, warum dieser Text inzwischen zum ausgewiesenen Schulklassiker geworden ist.
Stefan Zweig, 28. 11. 1881 Wien – 23. 2. 1942 Petropolis bei Rio de Janeiro.
Z. stammte aus einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus und promovierte nach dem Studium der Romanistik, Germanistik und Philosophie in Berlin und Wien 1904 mit einer Arbeit über Hippolyte Taine zum Dr. phil. Bis 1914 reiste er durch viele europäische und außereuropäische Länder. Im Ersten Weltkrieg war er im Kriegspressequartier in Wien beschäftigt; nach dem Krieg ließ er sich in Salzburg nieder. Aus Protest gegen den Austrofaschismus verließ er Österreich 1934 und emigrierte nach London (engl. Staatsbürger 1940); 1941 ließ er sich in Brasilien nieder, wo er und seine Frau sich das Leben nahmen. Nach dem lyrischen Frühwerk, der Neuromantik und dem Impressionismus verpflichtet, hatte Z. literarischen Erfolg mit an der Psychoanalyse Freuds orientierten Erzählwerken (Novellen, Erzählungen, ein Roman): Geschichten erotischer Bedrängungen und Gefährdungen (Amok, Verwirrung der Gefühle), emotionaler Konflikte (Ungeduld des Herzens) oder existentieller Bewährung (Schachnovelle). Die Wendung zum Pazifismus, die der Krieg bewirkt hatte, dokumentiert das Drama Jeremias (UA 1918). Einen bedeutenden Stellenwert in Z.s Schaffen nimmt die literarische Gestaltung der Geschichte und ihrer Repräsentanten ein. Dabei betonte er in zahlreichen Romanen über historische Persönlichkeiten gegenüber der nationalistischen Heroisierung der Geschichte die Menschlichkeit und das innere Heldentum der Protagonisten. Zu einem Bestseller entwickelten sich seine Essays Sternstunden der Menschheit, die – durchaus personalisiert – geschichtsträchtige Momente beschreiben. Seine Autobiographie Die Welt von Gestern verbindet seine Lebensgeschichte mit einem (geistesgeschichtlich geprägten) Bild der Epoche.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.