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Schädlich, Hans Joachim: Mechanik. Fritz

Schädlich, Hans Joachim: Mechanik. Fritz

Hrsg. und Komm.: Buck, Theo
79 S.

ISBN: 978-3-15-018671-8
EUR (D): 3,00 *

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Hans Joachim Schädlich, geb. 1935, nahm sich früh des Themas Euthanasie bzw. der Tötung sogenannten "unwerten Lebens" an. In einer Montage aus verschiedenen Zeugenberichten zeigt er in "Mechanik" exemplarisch an einem Einzelschicksal die Verstrickungen der Beteiligten auf. Der zweite Text, "Fritz", fasst in einen einzigen Satz dieses Einzelschicksal zusammen – nun aber aus der Warte des Autors. So erschließt sich die historische Problematik auf unnachahmliche Weise in zwei wichtigen Texten, die auch und besonders für den Schulunterricht von Interesse sind. Das Nachwort führt in den geschichtlichen Hintergrund ein und zeigt Deutungsansätze auf.


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Hans Joachim Schädlich, * 8. 10. 1935 Reichenbach (Vogtland). Sch. promovierte nach einem Germanistikstudium in Berlin und Leipzig 1960 an der Berliner Humboldt-Universität über ein sprachwissenschaftliches Thema. 1959–76 arbeitete er an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften. Nach seiner Entlassung – er gehörte zu den Mitunterzeichnern des Protests gegen die Ausbürgerung W. Biermanns – erschienen seine ersten Erzählungen im Westen. Er selbst zog 1977 nach Hamburg; seit 1979 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. Die kurzen Erzählungen in dem Band Versuchte Nähe vermitteln in einer kunstvollen, verfremdenden Sprache genaue, verdichtete Bilder des sozialistischen Alltags, zeigen die Diskrepanz zwischen Ideologie und der Realität. Dabei bleibt die Kritik, wie die in der BRD entstandenen Erzählungen zeigen, nicht auf die DDR beschränkt. Die Kontinuitäten dt. Geschichte, die auch in den Erzählungen eine Rolle spielen, sind Gegenstand des Romans Tallhover, der ungewöhnlichen und banalen Lebensgeschichte eines dt. Geheimpolizisten zwischen 1819 und 1955, von Metternich bis Ulbricht, Beispiel eines kompromisslosen Staatsdieners ohne Ansehen des Systems. G. Grass ließ Tallhover in seinem Deutschland- und Fontaneroman Ein weites Feld als Hoftaller wieder aufleben. Während die Texte von Ostwestberlin noch einmal die dt.-dt. Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen, beginnt mit dem Roman Schott eine Ablösung von der Darstellung faktischer Realität hin zu der Gestaltung einer eigenen fiktiven Sprachwelt, ein Weg, den Trivialroman fortsetzt. Mit dem Roman Anders, in dem zwei pensionierte Meteorologen Fälle von Verrätern, Spitzeln und Wendehälsen in allen politischen Systemen sammeln, kehrt Sch. zum Thema Verrat zurück, das bereits in Tallhover eine zentrale Rolle spielt. Der Ich-Erzähler, einer der Meteorologen, lässt schließlich die Geschichten charakterlicher Verrenkungen hinter sich und geht nach Australien.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

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