Bobrowski, Johannes: Litauische Claviere

Bobrowski, Johannes: Litauische Claviere

Roman. Nachw.: Meyer, Jochen
149 S.

ISBN: 978-3-15-021470-1
EUR (D): 8,90 *
EUR (A) 9,20 / CHF 13,50

300 dpi Cover





Litauische Claviere ist Bobrowskis zweiter Roman, den er kurz vor seinem frühen Tod 1965 abschloss: Die Geschichte, die 1936 im Memelgebiet spielt, erzählt vom Gymnasiallehrer Voigt und dem Konzertmeister Gawehn, die eine Oper über den litauischen Nationaldichter Kristijonas Donelaitis schreiben wollen. Bei ihren Recherchen geraten sie in die blutigen Wirren der Feierlichkeiten der nationalen Vereine von Deutschen und Litauern. Das neue, ausführliche Nachwort erhellt die historischen Bezüge.

Autorinformation

Johannes Bobrowski, 9. 4. 1917 Tilsit (Ostpreußen) – 2. 9. 1965 Berlin (DDR).
Der Sohn eines Eisenbahnbeamten besuchte 1927–37 das humanistische Gymnasium in Königsberg und wurde 1936 Mitglied der ev. Bekennenden Kirche. Nach dem Abitur begann er mit dem Studium der Kunstgeschichte und nahm dann nach Arbeits- und Militärdienst als Gefreiter in einem Nachrichtenregiment am Krieg teil. 1945–49 arbeitete er als Kriegsgefangener im Kohlenrevier des Donezbeckens. Danach lebte er als Lektor in Friedrichshagen bei Berlin. Sein Verhältnis zur DDR blieb, trotz grundsätzlicher Bejahung, schwierig. Nach der frühen Veröffentlichung von einzelnen Gedichten in der Zeitschrift Das innere Reich (1944) fand B. Anfang der 50er-Jahre unter dem Einfluss F. G. Klopstocks und P. Huchels zu seinem eigenen Stil. Er verband Elemente der freirhythmischen Odendichtung und der symbolistischen Dichtungstradition mit der für sein Werk charakteristischen ›sarmatischen‹ Thematik (»die Deutschen und der europäische Osten«). Die Gedichte rufen die Landschaften der Kindheit zurück, sind aber keine Naturgedichte im Sinn eines Rückzugs von der geschichtlichen Welt, sondern zeichnen, realistisch und visionär zugleich, in Natur und Landschaft die »Blutspur« der Geschichte von der Ausrottung der Pruzzen bis zu den Schrecken des letzten Krieges nach. Dieser Themenkomplex, das Miteinander der Menschen verschiedener Nationalitäten in Grenzgebieten und das Hineinwirken der Vergangenheit in die Gegenwart, prägt auch B.s fiktive Prosa (Kleinprosa, Erzählungen, Romane) samt den damit verbundenen Reflexionen über Schuld und Verpflichtung für die Zukunft.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

Pressestimmen

Mit Ernst und Humor, mit Selbstironie und liebevoller Behutsamkeit wird das Ganze im Gesprächston vorgetragen. Es wirkt nicht abgestanden, sondern bezeugt die Lebendigkeit und anhaltende Bedeutung von Bobrowskis Werk.
Die Kirche – evangelische Wochenzeitung


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