Koebner, Thomas: Edgar Reitz

Chronist deutscher Sehnsucht. Eine Biographie
283 S. 74, teils farb. Abb.
Geb. mit Schutzumschlag. Format 15 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-15-011016-4
Das filmische Werk des inzwischen 82jährigen Regisseurs Edgar Reitz entwickelte sich erst nach einer tiefen Krise in seinen Vierzigern als Spätwerk zu voller Blüte. Alles, was vorher schon angelegt und kaum beachtet worden war, explodierte förmlich in den drei großen Filmzyklen »Heimat«, »Die zweite Heimat« und »Die andere Heimat«, in denen ein fiktives Hunsrückdorf namens ›Schabbach‹ (fast ein bisschen wie ›Seldwyla‹ beim großen Schweizer Realisten Gottfried Keller) zum Brennpunkt deutscher Geschichte und zum Ausgangsort eines künstlerischen Kosmos wird. In seiner Werkbiographie verzahnt Thomas Koebner auf der Basis persönlicher Gespräche mit Edgar Reitz die Interpretation dieses Werks – das erst 2012 mit dem laut Kritik »schönsten deutschen Film der letzten Jahrzehnte« gekrönt wurde – mit der Biographie des Regisseurs, die ihn vom Oberhausener Manifest nach München ins Zentrum des Neuen Deutschen Films und darüber hinaus in ein ganz individuelles Filmschaffen führte. Reitz hat ›die Jahre, die wir kennen‹ nicht nur als Chronist auf den Begriff gebracht und sich ihrer Historie seit der Romantik vergewissert, er hat ihr Erscheinungsbild, nicht zuletzt durch die vieldiskutierte Rehabilitation des Schwarzweißen mitten im übermächtigen Farbfilm, technikaffin und handwerksstolz selbst mitgeprägt.
Vorwort

Annäherung

Frühe Dokumentarfilme, avantgardistische Experimente, Familienstudien

Die Oberhausener und der ›Junge deutsche Film‹

Erste Autorenfilme

Mahlzeiten
Cardillac


Rückkehr zu einem armen Kino
Geschichten vom Kübelkind
Das goldene Ding


Erste Blicke in die deutsche Vergangenheit
Die Reise nach Wien
Stunde Null
Deutschland im Herbst
Der Schneider von Ulm


Die Wende: Heimat – eine deutsche Chronik
Rückkehr und Aufbruch
Der Einbruch der Zeitgeschichte in das private Leben
Verwirrungen der Gefühle
Das Unwiderrufliche der Geschichte
Epiphanien der Farbe
Zeitgenössische Stimmen

Jahrgang 1940: Die Zweite Heimat – Chronik einer Jugend
Ein ›Roman‹
Hermann und die Begegnungen der ersten Tage
Das neue Zuhause
»Zwei fremde Augen«: Clarissa
Umwege, Irrwege: Helga
Ein Rückfall: Schnüsschen
Liebestragödien: (1) Ansgar und Evelyne
Liebestragödien: (2) Reinhard und Esther
Melancholie und Musik
Regeln der Erzählung
Stimmen der Kritik

Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende
Ein Passionsweg
Wieder ein Haus: Der Günderrode-Bau
Trennung und Wiedervereinigung
Abschiede für immer
Schabbach ade!

Nachspiel: Heimat-Fragmente – Die Frauen

Zwischenspiel: Ortswechsel

Die Andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht
Noch einmal: Dableiber und Weggeher
Eine Jugend auf dem Lande – 1842
Die ›Europamüden‹
Landschaften
Diskreter Realismus und entgrenzende Poesie
Statt eines Nachworts

Chronologisches Werkverzeichnis

Lebensdaten

Preise und Auszeichnungen

Literatur in Auswahl

Thomas Koebner, Literaturwissenschaftler und Filmwissenschaftler, war 1973-83 Professor für Germanistik an der Universität Wuppertal, von 1983-89 Professor für Neuere deutsche Literatur und Medienwissenschaft in Marburg; 1989-1992 war er Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, 1993 gründete er das Institut für Filmwissenschaft in Mainz und leitete es bis zu seiner Emeritierung 2007. Im Jahr 2010 erhielt er den Sonderpreis der Ökumenischen Jury der Berlinale für seine Leistungen im Bereich der Filmpublizistik. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, Nachschlagewerke und Reihen des Filmbuchprogramms bei Reclam, namentlich der Filmklassiker, Filmregisseure, des Sachlexikons des Films und der Reihe Filmgenres. 2013 erschien seine Biographie Roman Polanski. Der Blick der Verfolgten.