Kricheldorf, Rebekka: Homo Empathicus

Kricheldorf, Rebekka: Homo Empathicus

[Theater der Gegenwart]
UA: 2014
Nachw. von Sascha Feuchert
87 S.
ISBN: 978-3-15-014261-5
5,20 €

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Empfehlung ab Klasse 10

In eine utopische Gemeinschaft, die bis zum Anschlag auf Einfühlung und Harmonie getrimmt ist, die konsequent geschlechtsneutral kommuniziert und auf das eigene Scheitern, selbst noch auf den Tod mit Verständnis reagiert, bricht ein rauchendes, trinkendes und streitendes Paar aus unserer Gegenwart ein: Adam und Eva. Für kurze Zeit kommt die Toleranz an ihr Ende und die Idylle gerät ins Wanken: Die beiden Störfaktoren sollen ausgesondert werden.
Rebekka Kricheldorfs komisch-beklemmendes Stück über eine schrecklich konfliktfreie Gesellschaft wurde 2014 uraufgeführt.
Mit einem Nachwort von Sascha Feuchert.

Ein Interview mit der Dramatikerin Rebekka Kricheldorf finden Sie hier.
Homo Empathicus

Nachwort
Zu den Autoren
Rebekka Kricheldorf, geb. 1974, ist eine preisgekrönte Dramatikerin, deren Stücke an namhaften deutschsprachigen Bühnen uraufgeführt werden. Mehrfach wurde sie bereits zu den Mühlheimer Theatertagen eingeladen, als Hausautorin war sie am Nationaltheater Mannheim tätig.

Mit einem Nachwort von:
Sascha Feuchert, geb. 1971, ist Professor für Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur und ihre Didaktik am Institut für Germanistik an der Justig-Liebig-Universität Gießen.

Interview mit der Dramatikerin Rebekka Kricheldorf

Warum haben Sie sich damals ausgerechnet dem Thema einer konfliktfreien Gesellschaft zugewandt? Gab es einen aktuellen Anlass?
Die Lust auf dieses Experiment hat sich mit einer Befragung der (damals) aufkommenden Sprach- und Verhaltenssensibilität verbunden. Also alles, was mit awareness, correctness, wokeness und safe spaces zu tun hat. Ein weites, ambivalentes Feld. Die Frage, die mich daran interessiert hat: Wie sieht diese schöne neue Welt des Respekts, der Anerkennung, Gleichbehandlung und Harmonie aus, wenn sie bis zu Ende gedacht, wirklich radikal umgesetzt wird? Wie klingt sie? Und: Hält man das überhaupt aus? Und: Glaube ich das? Oder erreicht man diese Harmonie doch nur durch Unterdrückung bzw. Negierung von „bösen“ Gefühlen wie Aggression, Neid, Eifersucht und Traurigkeit? Es geht letztendlich um nichts weniger als unser Menschenbild.

Wenn wir uns die letzten Jahre anschauen, wäre der Homo odium, wie er vor allem im Internet hervortritt und sich dabei noch als Freiheitskämpfer stilisiert, nicht die noch fürchterlichere Vision als der Homo empathicus? Oder liegen die beiden gar nicht so weit auseinander?
Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Achtsamkeitsgebote der einen die Unflätigkeit der anderen geradezu anheizen und dass sich beide Lager gegenseitig hochschaukeln, wie auf einer Wippe.

Ist das Stück nach Göttingen mittlerweile noch irgendwo aufgeführt worden?
Ja, es wurde ein paar Mal nachgespielt und erfreut sich vor allem in den Jugendsparten der Theater und der Theaterpädagogik einer gewissen Beliebtheit. Das liegt sicher einerseits daran, dass sich an der Thematik auch junge Leute wiederfinden können, und zum anderen, dass der sehr variable Cast auch für größere Gruppen gut zu besetzen ist.