Wernher der Gärtner: Helmbrecht

Wernher der Gärtner: Helmbrecht

Neuübersetzung
Übers. und Nachw.: Göttert, Karl-Heinz
59 S.
ISBN: 978-3-15-019013-5
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Die böse Geschichte von Helmbrecht, dem bäuerlichen Parvenü, ist eine mittelalterliche Umkehrung des biblischen Gleichnisses vom verlorenen Sohn. Ein Bauernsohn will unbedingt Ritter werden, lässt sich vom Vater opulent ausstatten, gerät in die Raubritter-Schar eines Burgherren, die das Land terrorisiert. Bei einem wüsten Festgelage werden sie überwältigt und gehenkt – bis auf Helmbrecht, den man geblendet und verstümmelt als Vogelfreien zu seinem Vater zurückschickt. Der weist ihm nur die Tür und übergibt ihn seinen ehemaligen Opfern, den Bauern, die ihn aufknüpfen. Eine Erzählung voll grimmigem Witz, den die neue Übersetzung nicht glättet und abmildert.
Wernher der Gärtner (Gartenaere), 2. Hälfte 13. Jh.
Verfasser der Verserzählung Helmbrecht, die auf die Zeit zwischen 1250 und 1280 angesetzt wird und durch Sprache und Lokalkenntnisse auf den bayerisch-österreichischen Raum verweist und vielleicht für den Hof des Herzogs von Niederbayern (Burghausen am Inn) bestimmt war. Ob der Beiname als Berufs- oder Herkunftsbezeichnung bzw. als Anspielung auf das Vagabundieren (des fahrenden Berufsdichters) zu verstehen ist, bleibt offen. Die Versnovelle (etwa 1930 Reimpaarverse), nur in zwei Handschriften des 15. und 16. Jh.s überliefert, erzählt von Helmbrecht, dem Sohn eines gleichnamigen Meiers (eines reichen Bauern), der gegen alle Mahnungen seinen Stand verlassen und Ritter werden will, in eine Gesellschaft von Raubrittern gerät und seine verdiente Strafe erhält. Als er geblendet und verstümmelt nach Hause kommt, vertreibt ihn der Vater. Bauern hängen ihn auf und zerfetzen seine Haube, das Sinnbild der Anmaßung. Der Verstoß gegen die gottgewollte hierarchische Ordnung wird unnachsichtig geahndet, der Vater selbst erscheint als Werkzeug der erbarmungslosen göttlichen Gerechtigkeit. Bezüge bestehen zur Parabel vom verlorenen Sohn und zum Handlungsmodell des Artusromans, Muster, die hier vor der Folie einer als Verfallszeit geschilderten Gegenwart umgekehrt bzw. ins Negative gewendet werden.

In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) – © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.