Tschechow, Anton: Iwanow

Tschechow, Anton: Iwanow

Drama in vier Akten
Übers.: Borowsky, Kay
Nachw.: Döring-Smirnov, Johanna Renate
100 S.
ISBN: 978-3-15-007740-5
3,80 €

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In der Gestalt Iwanows bringt Tschechow erstmals den Typus des russischen Intellektuellen und »überflüssigen Menschen« auf die Bühne, dem man in seinen Stücken immer wieder begegnet. Das 1887 in Moskau uraufgeführte Drama eines nutzlosen Lebens, das im Selbstmord endet, inmitten einer Gutsbesitzer-Gesellschaft mit ihren nichtigen, in entlarvender Komik gezeichneten Figuren – Tschechow wollte seine Stücke als Komödien verstanden wissen –, stellt sich in eine Reihe mit den Bühnenwerken seiner späteren Zeit. Die psychologische Feinheit, mit der die Personen erfasst sind, und eine unverwechselbare Dialogkunst zeigen bereits den reifen Tschechow.
Anton Pawlowitsch Tschechow (29. Januar 1860 Taganrog – 15. Juli 1904 Badenweiler) ist einer der produktivsten russischen Schriftsteller des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Der Sohn eines kleinen Kaufmanns verfasste in den 23 Jahren seiner schriftstellerischen Laufbahn über 600 literarische Werke. Tschechow praktiziert als Arzt häufig unter Verzicht auf Bezahlung und nutzt seine medizinisch geschulte Beobachtungsgabe für seine gesellschaftlichen, oft ironischen Charakterstudien. Als prägend erweist sich ein dreimonatiger Aufenthalt in der als Strafkolonie genutzten Insel Sachalin im Rahmen einer Volkszählung im Jahre 1890. Seine Dramen wie Die Möwe, Der Kirschgarten, Drei Schwestern, Iwanow oder Onkel Wanja sind menschennahe, tragikkomische Aufarbeitungen seiner Beobachtungen. Mit seinen kurzen, pointierten Erzählungen wie Der Mann im Futteral, Die Dame mit dem Hündchen oder Die Wette hat er großen Einfluss auf das Genre der modernen Kurzgeschichte.
Tschechow wurde zu Lebzeiten dreimal ausgezeichnet: 1888 Puschkin-Preis, 1899 mit dem Sankt-Stanislaus-Orden dritten Grades, seine ab 1900 bestehende Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften legte er aus Protest in den Tumulten um Maxim Gorki wieder ab. 1990 wurde Tschechow anlässlich seines 130. Geburtstages mit einer sowjetischen 1-Rubel-Gedenkmünze geehrt. Seit 1983 trägt der Asteroid Chekhov seinen Namen.