Proust, Marcel: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Band 4: Sodom und Gomorrha
Neuübersetzung
Übers. und Anm.: Fischer, Bernd-Jürgen
Reclam Bibliothek. Leinen mit Schutzumschlag, Fadenheftung, Kapital- und Leseband. Format 12 x 19 cm. 892 S.
ISBN: 978-3-15-010903-8
34,95 €

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Im September 2013, 100 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes der »Recherche«, begann bei Reclam eine neue Übersetzung von Marcel Prousts Meisterwerk zu erscheinen, die erste komplett aus einer Hand, die erste auch, die von dem erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts edierten endgültigen französischen Text ausgeht. »Sodom und Gomorrha« ist der vierte Band des insgesamt siebenbändigen Romanwerks.
Die Ausgabe bietet in jedem Band einen ausführlichen Anmerkungsapparat, der jene historischen und kulturhistorischen Informationen enthält, die der moderne Leser erwartet.

Halbzeit. Nach Seiten gezählt liegt nun schon die Hälfte der neuen Proust-Übersetzung von Bernd-Jürgen Fischer vor. In Band 4 erkennt der Erzähler endlich die Homosexualität des Baron de Charlus (die dem Leser nicht so neu sein dürfte) und die Doppelrolle der verfemten und zugleich etablierten »Invertierten«, die Marcel wie eine »Rasse« erscheinen, und zahlreicher als zuvor gedacht. Der Erzähler vergleicht sie mit den Juden; während die in Band 3 vieldiskutierte Dreyfus-Affäre nur mehr ein Thema der Salon-Konversation abgibt. Eine zweite Reise ins Seebad Balbec bringt Erinnerungen an die Großmutter, Liebesnächte mit Albertine, Einblicke in ein Homosexuellenbordell, die Aufnahme Marcels in den sich avantgardistisch gebärdenden Salon Verdurin in der Sommerfrische und – diesen Aussetzer des Herzschlags – die Ahnung von Albertines lesbischen Neigungen.
Sodom und Gomorrha


Erster Teil

Zweiter Teil
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel


Anhang
Zum vierten Band der Ausgabe
Anmerkungen
Literaturhinweise
Inhaltsubersicht
Namenverzeichnis
Marcel Proust (10.7.1871 Paris – 8.11.1922) kommt als ältester Sohn eines wohlhabenden Arzt-Ehepaares zur Welt, was ihm zeitlebens eine von ökonomischen Sorgen unbeschwerte Existenz ermöglichen wird. Bis er Mitte dreißig ist, führt er das mondäne Leben eines Dandys, danach widmet er sich ausschließlich seinem Romanwerk, an dem er bei Nacht in seinem korkgetäfelten, vom Rauch des Asthmapulvers durchzogenen Schlafzimmer am Boulevard Haussmann arbeitet. Die sieben Bände À la recherche du temps perdu kreisen um die Reflexionen eines Erzähler-Ichs über Erinnerung, Wahrheit und Bedeutung, die nur im Mittelteil des ersten Bandes Un amour de Swann (dt. Eine Liebe von Swann) durch die auktoriale Erzählung um Charles Swann unterbrochen wird. Im Frühjahr 1922 setzt Proust das Wort FIN – ENDE – unter das Manuskript des letzten Bandes Le temps retrouvé (dt. Die wiedergefundene Zeit), ein halbes Jahr später stirbt er, nur 51 Jahre alt.
Proust verkehrte im literarischen Salon Madeleine Lemaires in Paris, ein kultureller Hotspot, in dem namhafte Politiker wie Raymond Poincaré, Paul Deschanel oder Léon Bourgeois, Adelige wie Prinzessin Mathilde Bonaparte oder die Comtesse Greffulhe sowie Schriftsteller wie Jacques Bizet, Guy de Maupassant, Paul Bourget und Robert de Montesquiou zusammenkamen. In diesem Milieu lernte er auch seinen späteren Geliebten und Lebensmenschen Reynaldo Hahn kennen, mit dem ihn ein lebenslanger Briefwechsel von rund 220 Schriftstücken verbindet.

Übersetzung und Anmerkungen von Bernd-Jürgen Fischer:
Bernd-Jürgen Fischer, ursprünglich Mathematiker und Linguist, ist nach längerer Tätigkeit am Germanistischen Fachbereich der Freien Universität Berlin als freier Autor tätig und hat sein Interesse in den letzten zehn Jahren vorwiegend der französischen Literatur zugewandt.