Miles Davis (1926–1991) zählt zu den bedeutendsten Trompetern der Jazzgeschichte und ist zweifellos eine der größten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Seine Silhouette ist längst zur Ikone geworden. Im Jahr 2026 wäre er 100 Jahre alt geworden – ein Jubiläum, das der Autor Stefan Hentz in seinem neuen Buch Miles Davis. Sound eines Lebens zum Anlass nimmt, dieses Jahrhundertgenie tiefgründig zu beleuchten. Als brillanter Instrumentalist, Naturgewalt und Virtuose der Wandlung erfand er den Jazz mehrfach neu. Er verband künstlerische Integrität mit tiefer Sensibilität und verschob konsequent die musikalischen Grenzen – von Birth of the Cool bis Bitches Brew und weit darüber hinaus. Sein Jahrhundertwerk Kind of Blue (1959) gilt vielen bis heute als die beste und meistverkaufte Jazzplatte aller Zeiten.
Als Davis 1987 bei einem Empfang in Ronald Reagans Weißem Haus war, konterte er auf die herablassende Frage der Frau eines weißen Politikers nach dem Grund seiner Einladung: „Ich habe in der Musik fünf- oder sechsmal grundlegend was verändert, wahrscheinlich bin ich deshalb hier. Jetzt erzählen Sie mir doch mal, was Sie Wichtiges gemacht haben, außer, dass Sie weiß sind?“ Diese Veränderungen, ja: Revolutionen, sind der Ausgangs- und der Endpunkt von Stefan Hentz’ faszinierender Erzählung von Leben und Werk des Ausnahmekünstlers. Bitter nannte Davis, nach seinen drei wichtigsten Wünschen gefragt: „To. Be. White“. Auch hier blieben bei Davis „die Mischungsverhältnisse zwischen Sarkasmus und Selbstironie in der Schwebe“, so Hentz.
Gleichzeitig war Davis ein freier Mensch, hinterfragte, riskierte immer und immer wieder das Erreichte. Viele haben ihm seine späten Ausflüge in den Pop nicht verziehen, wollten lieber den hochvirtuosen Trompeter des Bebop oder den gezügelten Trompeter des Cool haben, wollten ein neues „A Kind of Blue“ oder wenn schon, dann wenigstens ein „Bitches Brew“. Wie schillernd Davis war, zeigt Hentz vielleicht am eindrucksvollsten in seinem Exkurs über die berühmte Fotoserie „A Day in the Life of Miles Davis“ von Glen Craig, die dieser als 19-jähriger schoss (Craig hatte als Weißer einiges über sich ergehen lassen müssen, bevor Davis ihn an sich heranließ): Davis als Boxer, als Tüftler im Studio und frei im Konzert.
„Er ist das Gravitationszentrum aller Aufmerksamkeit – ohne ihn wäre das alles nichts. […].
Aus Miles Davis. Sound eines Lebens
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Miles Davis. Sound eines Lebens
Wer verbarg sich wirklich hinter dem berüchtigten »Prince of Darkness«? Trotz seines beispiellosen weltweiten Erfolgs prägten ständige rassistische Diskriminierung und eine daraus resultierende, tief sitzende Wut zeitlebens seine Persönlichkeit.
Der Autor Stefan Hentz nähert sich diesem komplexen Charakter ebenso fundiert wie kenntnisreich. In seiner Spurensuche zeichnet er Leben und Werk detailliert nach und wagt dabei einen tiefen Blick in die Seele eines zutiefst widersprüchlichen Genies.
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